Der Profi, der ein Zeugwart ist

Wie der FC Erzgebirge Aue die DFL ausgetrickst hat

Nominell Profi, in der Tat Zeugwart: Tommy Käßemodel. Foto: dpa

Tommy Käßemodel war schon als Kind ein leidenschaftlicher Fußballer. Der Junge aus dem Erzgebirge schloss sich früh dem heimischen FC Stollberg an und träumte den Traum, den viele fußballbegeisterte Jugendliche träumen.

Er wollte Fußballprofi werden.

Jetzt hat Tommy Käßemodel sein Ziel erreicht. Er gehört zum 29-köpfigen Kader des FC Erzgebirge Aue, der in dieser Saison wieder der 2. Bundesliga angehört. Der Saisonbeginn ist zwar erst am 26. August, aber es steht jetzt schon fest, dass der 27-Jährige Deutschlands schlechtester Fußballprofi ist, denn sein Talent reicht nur für die siebte, vielleicht auch für die sechste Liga.

Was ist denn da los? Anfang Juli hatte der FC Erzgebirge Aue 28 Spieler in seinem Kader. Mehr als genug, um die Herausforderung 2. Liga in Angriff zu nehmen. Aber die Sache hatte einen Haken. Nur drei Akteure waren - wie es auf Neudeutsch heißt - Local Player, also Spieler, die im Alter zwischen 15 und 21 für den Klub spielberechtigt waren. Die Deutsche Fußball-Liga fordert vier.

Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Wir wissen nicht, ob Trainer Pavel Dotchev die Idee hatte oder vielleicht Präsident Helge Leonhardt oder gar Tommy Käßemodel selbst. Fest steht jedenfalls, dass Zeugwart Käßemodel, der die Vorgaben der Fußball-Liga erfüllt, mit einem Profivertrag ausgestattet wurde. Als Mittelfeldspieler wird er nun zwischen Fast-Nationalspieler Christian Tiffert und Pascal Köpke, der als Sohn von Andreas Köpke einen berühmten Namen trägt, aufgeführt.

Fühlt sich die deutsche Fußball-Liga nun ausgetrickst? Das ist die spannende Frage, über die man sich in Frankfurt aber wohl noch nicht im Klaren ist. Höfliche Anfragen zur Einschätzung des Auer Coups blieben gestern jedenfalls unbeantwortet.

Auch die Sachsen sind über das öffentliche Interesse an ihrem Trick offenbar erschrocken und haben wenig Interesse an einer weiterführenden Diskussion.

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