Hamilton Erster in Österreich

Nach Silberpfeil-Crash: Wolff denkt über Stallorder nach

+
Lewis Hamilton ist der Sieger in Österreich.

Spielberg - Nach einem Crash mit Lewis Hamilton in der Schlussrunde hat Formel-1-Spitzenreiter Nico Rosberg den Sieg-Hattrick in Österreich verpasst.

Der deutsche Gesamtführende schleppte seinen beschädigten Mercedes am Sonntag in Spielberg noch als Vierter ins Ziel, während sein britischer Stallrivale das neunte Saisonrennen gewann. „Ich war auf der Außenseite. Ich habe den Unfall nicht gebaut“, verteidigte Hamilton via Funk sein hartes Überholmanöver gegen Rosberg, der auf den letzten Kilometern auch noch Red-Bull-Fahrer Max Verstappen und Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen passieren lassen musste.

Auch für Rosbergs Landsmann Sebastian Vettel endete das Rennen mit einer Enttäuschung. Der Hesse schied nach einem spektakulären Reifenplatzer vorzeitig aus. „Ich hab nichts falsch gemacht. Wir haben nichts Aggressives oder Dummes versucht, fertig“, sagte Vettel, nachdem ihm bei Tempo 300 der rechte Hinterreifen explodiert war.

In der WM-Gesamtwertung liegt Rosberg nun nur noch zwölf Punkte vor Hamilton. Vettel hat als WM-Dritter punktgleich mit Teamkollege Räikkönen schon 57 Zähler Rückstand.

Formel-1-Saison 2016: Das sind alle Teams und Fahrer

Schwarzer Tag für Hülkenberg

Auch für Nico Hülkenberg, der als Zweiter gestartet war, gab es keine Punkte. Er schied in seinem Force India ebenfalls vorzeitig aus. Dagegen eroberte Neuling Pascal Wehrlein im Manor als Zehnter völlig unerwartet seinen ersten WM-Zähler.

Rosberg und Vettel waren mit einem Handicap in das neunte Saisonrennen gegangen. Beide wurden am Start wegen eines außerplanmäßigen Getriebewechsels zurückversetzt: Rosberg fuhr daher als Sechster los, Vettel nur als Neunter. So bot sich an der Startampel ein ungewohntes Bild. Neben Hamilton, der zum 54. Mal in seiner Karriere auf der Pole Position parkte, ordnete sich Hülkenberg ein. Der Rheinländer hatte es nach sechs Jahren wieder in Startreihe eins geschafft.

Doch lange währte das Vergnügen in der Spitzengruppe für Hülkenberg nicht. Schon auf den ersten Metern war er gegen Hamilton chancenlos, auch Jenson Button im McLaren und Kimi Räikkönen im Ferrari zogen vorbei. Nach wenigen Runden hatte sich Hülkenberg komplett aus dem Kampf um einen Podiumsplatz verabschiedet.

Aufholjagd von Rosberg und Vettel

Dagegen lief die Aufholjagd von Rosberg und Vettel zunächst nach Plan. Beide machten in den ersten Runden einige Plätze gut und durften sich Hoffnungen auf einen Besuch bei der Siegerehrung machen. Rosberg legte einen frühen Boxenstopp ein und war danach der schnellste Mann im Feld. Zudem profitierte er davon, dass die Mechaniker von Teamkollege Hamilton bei dessen Reifenwechsel patzten. So konnte Rosberg auch den Titelverteidiger passieren und wenig später sogar die Führung von Vettel übernehmen.

Vettel nämlich hatte lange mit seinem Reifenwechsel gezögert - und wurde dafür bestraft. In der 27. Runde explodierte sein rechter Hinterreifen bei Vollgas aus der Zielgeraden. Der viermalige Weltmeister konnte zwar noch einen schweren Crash vermeiden, das Rennen aber war für ihn beendet. „Das war's. Ich konnte nichts machen. Es tut mir leid, Jungs“, funkte der Hesse an die Box.

Nach der Rückkehr zur Ferrari-Garage war Vettel mächtig sauer. „Es gab keine Anzeichen, sonst wären wir reingefahren“, knurrte das Geburtstagskind, ehe Chefvermarkter Bernie Ecclestone für ein paar tröstende Worte herbeieilte. Die Torte, die Vettel von seinem Team vor dem Rennen bekommen hatte, dürfte dem Deutschen danach trotzdem nicht mehr geschmeckt haben.

Dramatische Schlussphase

Nach Vettels Aus schien sich an der Spitze das alte Duell zwischen Rosberg und Hamilton um den Sieg zu enwickeln. Die Frage war eigentlich nur noch: Wer entscheidet den Reifenpoker für sich? Rosberg konnte Hamilton zunächst hinter sich halten, auch wenn der Dreifach-Champion formatfüllend in seinem Rückspiegel blieb.

Dann aber machte eine Strategie-Entscheidung an der Mercedes-Box die Schlussphase richtig spannend. Hamilton und Rosberg wurden noch einmal zum Reifenwechsel beordert und bekamen unterschiedliche Mischungen aufgezogen. „Warum bekommt Nico die weicheren Reifen?“, fragte Hamilton verwundert. Doch er blieb an seinem Kollegen dran.

Vorn allerdings lag plötzlich Red-Bull-Fahrer Max Verstappen. Dann wurde es dramatisch. Beide Mercedes zogen an Verstappen vorbei. Hamilton rückte Rosberg immer näher, dann kam die harte Attacke. Rosberg und Hamilton kollidierten, nur der Brite kam unbeschadet davon - und fuhr kurz darauf als Erster ins Ziel.

Mercedes gibt Rosberg die Schuld am Crash mit Hamilton

Nach dem Rennen hat das Mercedes-TeamNico Rosberg die Schuld am Crash mit Teamkollege Lewis Hamilton bei Formel-1-Rennen in Österreich gegeben. „Nico hat versucht mit aller Kraft, mit nicht mehr funktionierenden Bremsen, das Überholmanöver von Lewis zu verhindern. Deshalb ist es in erster Linie seine Schuld„, sagte Niki Lauda, der Aufsichtsratschef des Mercedes-Teams, am Sonntag nach dem Rennen in Spielberg dem TV-Sender RTL.

In der letzten Runde hatte Hamilton versucht, den an der Spitze fahrenden Rosberg zu überholen. Dabei kam es zum folgenschweren Crash und neuem Zoff der Silberpfeil-Piloten. Rosberg beendete das neunte der 21 Saisonrennen nur auf Platz vier, Hamilton gewann. Der Deutsche hat damit in der WM-Wertung nur noch elf Punkte Vorsprung auf den Briten.

"Das müssen wir intern besprechen"

„Beide Bremsen waren schon am Ende. Er hat ihm da nicht genug Platz gegeben. Das ist einfach schade, das darf nicht passieren. Wir müssen das intern besprechen“, sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolf. Rosberg sagte: „In der letzten Runde haben meine Bremsen überhitzt. Mein Bremsweg war etwas länger, aber eigentlich war alles unter Kontrolle. Deshalb war ich sehr überrascht, dass er reingelenkt hat. Das sind die Fakten, es ist besser, wenn ich da nicht mehr reingehe.“

Untersuchungen gegen Hamilton und Rosberg

Das Rennen in Österreich wird bei den Rennkommissaren ein Nachspiel haben. Gegen Sieger Lewis Hamilton läuft wegen der Kollision mit Nico Rosberg in der Schlussrunde ebenso eine Untersuchung wie gegen seinen viertplatzierten Teamkollegen. Das offizielle Endergebnis des am Sonntag vom Briten vor dem Niederländer Max Verstappen gewonnenen Formel-1-Grand-Prix ist deshalb noch offen.

Wolff nach Unfall: Stallorder künftig möglich

Mercedes-Teamchef Toto Wolff schließt eine Stallorder als Konsequenz aus dem erneuten Crash seines beiden Formel-1-Piloten Nico Rosberg und Lewis Hamilton nicht mehr aus. „Wir müssen über alle Möglichkeiten nachdenken“, sagte er am Sonntag nach dem Großen Preis von Österreich in Spielberg. Er kündigte intensive Gespräche mit den beiden Piloten noch vor dem nächsten Rennen am kommenden Sonntag im britischen Silverstone an. „Alles kommt auf den Tisch, es gibt keine heiligen Kühe mehr.“

dpa

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.