Vettel gegen Verstappen

Formel 1: Zickenkrieg und Generationenkonflikt

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Sebastian Vettel.

Mexiko-Stadt - Ein Generationenkonflikt hielt die Formel 1 in Mexiko in Atem. Vettel gegen Verstappen, Routinier gegen Newcomer. Die beiden Ausnahmepiloten griffen den jeweils anderen heftig an - und schadeten dabei am meisten sich selbst.

Sebastian Vettel wollte nur noch weg. Der Ferrari-Pilot sprang auf ein Golfmobil und ließ sich mit Vollgas zum Ausgang des Fahrerlagers kutschieren - bloß keine Interviews mehr, bloß keine Autogrammjäger am Ende dieses turbulenten, mal wieder frustrierenden Tages in Mexiko-Stadt. In den Stunden zuvor hatte Vettel sich harte Duelle geliefert, seine Kontrahenten beschimpft, den Rennleiter zum Teufel gewünscht, den dritten Platz geerbt - und ihn drei Stunden später wieder verloren.

Das Wochenende in Mexiko gewährte dabei einen kleinen Einblick in das Seelenleben des viermaligen Weltmeisters in dieser verkorksten Saison mit der Scuderia, und Vettel gab dabei kein gutes Bild ab. Gemeinsam mit dem ohnehin viel kritisierten Teenager Max Verstappen von Red Bull Racing hatte er die Schlussphase des Rennens geprägt, und anschließend brach ein Sturm der Entrüstung über beide herein.

"Vettels Verhalten ist eines viermaligen Weltmeisters nicht würdig", urteilte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko. Schon das gesamte Rennwochenende über war Vettel durch dünnhäutige Kommentare aufgefallen, in Training und Rennen beschimpfte er unter anderem Fernando Alonso ("Idiot") und Felipe Massa ("dumm") via Boxenfunk.

Max Verstappen.

Als Verstappen sich dann in der Schlussphase unfair zur Wehr setzte, legte Vettel noch einmal nach. Da eine Strafe zunächst ausblieb, zeterte er über Renndirektor Charlie Whiting. "Fuck off!", brüllte Vettel gleich zweimal in seinen Helm. Besonders pikant war das, weil es ja doch noch eine Strafe für Verstappen gab: Kurz nach Rennende rückte Vettel dadurch vor auf Rang drei - diesen verlor er allerdings drei Stunden später wieder, weil auch er sich auf unerlaubte Weise gegen Verstappens Teamkollegen Daniel Ricciardo verteidigt hatte.

Nun droht Vettel wegen seines Ausrasters sogar weiter Ärger: Jean Todt, Präsident des Automobil-Weltverband FIA, hat Ermittlungen gegen den Heppenheimer eingeleitet. "Jean Todt hat einen Sonderbericht von den Stewards bezüglich der Konversation über das Teamradio zwischen Vettel und dem Renndirektor angefordert", sagte ein FIA-Sprecher der Nachrichtenagentur AFP. Eine Entscheidung über das weitere Vorgehen gegen Vettel werde erst nach dem Sammeln aller Beweismittel getroffen, hieß es weiter. Im schlimmsten könnte er mit einer Rennsperre belegt werden.

Vettels Wut und seine Schimpftiraden seien "lächerlich", sagte Verstappen später, "er sollte mal zur Sprachschule gehen, er schreit das ganze Wochenende über in den Funk. Ich glaube, er ist zur Zeit einfach ein frustrierter Kerl." Diese Aussage traf durchaus den Punkt, denn Vettel ist sein Frust seit Monaten anzumerken. Es läuft nicht wie gewünscht bei Ferrari - und wenn ihm dann die seltenen Erfolgserlebnisse durch die Finger zu rinnen drohen, dann kommt es zu Vorfällen wie in Mexiko.

Allerdings standen Verstappens Worte auch exemplarisch für einen weiteren Aufreger des Wochenendes. Der 19-Jährige hat bei allem Talent einen Hang zur Selbstgerechtigkeit, wirkt mit seinen Aussagen gegenüber Etablierten ziemlich oft unverschämt. Schließlich hatte er auf der Strecke gegen die Regeln verstoßen und damit Vettels Wut geschürt. "Verstappens Talent ist so groß wie seine Arroganz", schrieb Tuttosport.

Anders als Verstappen fand Vettel vor seiner Flucht aus dem Fahrerlager immerhin noch zurück zu gemäßigten Tönen. Er entschuldigte sich bei Whiting, "das war nicht richtig von mir", räumte er ein. Und auch über den jungen Niederländer äußerte er sich versöhnlich. "Er ist ein großartiger Junge, er ist schnell, er macht Druck, er definiert ein wenig die Grenzen neu", sagte Vettel: "Aber mit einigen Aktionen schadet er sich mehr, als dass es ihm nützt."

sid

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