Wenn Vater und Sohn unterschiedliche Teams trainieren, wird ein Fußballspiel zum Familientreffen

„Foul“ war das Wort des Tages

Sohn und Vater: Robin Göring bedeutet seinen Spielern von Grebenstein II, wo es Lücken beim Gegner gibt.

Grebenstein. „Ein Spiel wie jedes andere.“ Familie Göring aus Grebenstein versucht vor dem Spiel zwischen Grebenstein und Reinhardshagen Normalität zu vermitteln. Zum ersten Mal in der Geschichte der hiesigen Fußball-Kreisoberliga stehen sich Vater und Sohn als Trainerkonkurrenten gegenüber.

„Ruhig, ruhig“, fordert indes Vater Henner seine Spieler der SG Reinhardshagen. Und immer wieder rufen beide Trainern ihrer Mannschaft zu, keine Fouls in Strafraumnähe zu begehen. Fotos: Rieß

Vater Henner coacht die Reinhardshäger, Sohn Robin die Grebensteiner. Konkurrenzdenken beim Familientreffen? Sportlich ja, natürlich. Persönlich nein. Das gute Verhältnis zwischen Vater und Sohn beschreibt Henner mit sechs Worten: „Zwischen uns passt kein Blatt Papier.“ Beim Spiel selbst war es anders: Da passten knapp 20 Meter zwischen den beiden. Denn das ist der Abstand der Spieler-Auswechselbänke im Grebensteiner Sauertalstadion.

Auf der Gastgeberseite coacht Robin. Ruhig, in der ersten Halbzeit höchstens mal Namen ins Spielfeld rufend und hin und wieder mit den Armen gestikulierend. Erst in der zweiten Halbzeit wird sein Rufen emotionaler. Auf der Gästeseite Henner Göring. Er, der Grebensteiner, der jahrelang für den TuSpo spielte und später als Trainer im Jugend- und auch im Seniorenbereich coachte, ist quasi Gast im eigenen Wohnzimmer.

Oben auf der Tribüne sitzt in des die Familie: Mutter, Onkel, Schwester (aus Robins Sicht) beobachten das Spiel. „Ich hoffe auf ein 1:1“, sagt Mutter Annette diplomatisch. Die Hoffnung zerschläg sich Mitte der zweiten Halbzeit. Da gehen die Reinhardshäger 2:0 in Führung. Henner ist sichtlich erleichtert. Er, der fast ständig an der Seitenlinie in Bewegung ist, wird ruhiger. Doch ganz schafft er es nicht. Immer wieder dirigiert er die Mannschaft. Der Vorsprung soll gehalten werden. Es gelingt nicht ganz. Kurz vor Schluss gelingt Erik Maiterth der 1:2-Anschlusstreffer.

„Das war eng“ sagt Henner nach dem Spiel und stimmt in der Analyse mit Sohn Robin überein. Und auch sonst gibts fast identische Antworten. Wann sie zuletzt über das Spiel im Vorfeld gesprochen hätten? Am Freitag, da feierte Robin seinen 28. Geburtstag. TuSpo-Spieler waren dabei und natürlich auch Henner. Da bleibt das nicht aus, sagen sie. Und was haben beide noch gemeinsam? Der wohl häufigste Zwischenruf von Henner an seine Abwehr lautete: „Kein Foul, kein Foul, kein Foul“. Zwei bis drei Dutzend Mal kam die Aufforderung an seine Spieler. Ähnlich auch Sohn Robin. „Ohne Foul“, waren seine wiederkehrenden Worte an die Defensivabteilung.

Nein, lacht Henner, unfair seien die Teams nicht. Aber Fouls zögen Freistöße nach sich. Und die bedeuten Torgefahr. Beide Reinhardshäger Treffer fielen übrigens nach Standards und sicherten den Reinhardshäger Sieg.

Aus Sicht von Annette Göring ein unglückliches Ergebnis: „Wenn schon nicht 1:1, dann hätte wenigsten Grebenstein gewinnen sollen“, meinte sie, während Vater und Sohn in getrennte Spielerkabinen gehen –um anschließend gemeinsam ein Bier zu trinken. Ein Spiel wie jedes andere? Nicht ganz. Aber ein Spiel das von der Rivalität der Teams und nicht der Trainer lebte.

Von Michael Rieß

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