Max Schäfer vom Jugendförderverein Aulatal

Auf einem Auge fast blind - und trotzdem ein großes Fußballtalent

Niederaula/Neukirchen. Max Schäfer ist ein großes Talent. Der 18-Jährige Juniorenfußballer des Jugendfördervereins Aulatal bringt alles mit, was ein guter Kicker braucht. Sein Handicap ist auf dem Platz also eigentlich keines.

Max Schäfer ist nicht nur lauf- und zweikampfstark, sondern besitzt auch einen guten Schuss. Überdies setzt er seine Nebenspieler geschickt mit Pässen und Flanken ein.

Max ist ein offensiver Spieler, der stets die Übersicht behält. Nicht umsonst hat er bereits mehr als eine Handvoll Einsätze in der ersten Mannschaft der SG Niederaula/Hattenbach in der Gruppenliga hinter sich. Und er hat dort sogar schon ein Tor geschossen.

Das Besondere an ihm: Er ist so gut, obwohl er ein Sportler mit Handicap ist. Denn Max ist seit seiner Geburt auf dem linken Auge fast blind. Dort hat er gerade einmal 15 Prozent Sehkraft. Jeder, der ihm in die Augen sieht, kann das erkennen. Im Alltag und somit auch beim Fußball aber fällt das kaum ins Gewicht.

Keine 3D-Filme

„Das gute, das rechte Auge gleicht das Manko bei mir aus“, sagt er. Er hat nur Schwierigkeiten mit dem räumlichen Sehvermögen. Wenn er mit seiner Freundin Aline ins Kino gehen will, kann er sich keine 3D-Filme anschauen.

Mit Sicherheit hat auch der Sport einen Teil dazu beigetragen, dass Max dennoch eine fast normale Sehkraft hat. Denn das Training mit dem Ball schult die Sinne. „Für Max“, erläutert sein Vater Klaus, „ist räumliches Sehen eine Erfahrungssache. Das können Menschen ohne diese Sehbehinderung nur schwer nachvollziehen. Wenn beispielsweise ein Flanke oder ein Pass auf ihn gespielt wird, dann lernt das rechte Auge in diesem Moment, eine Entfernung einzuschätzen.“

Training statt Wurstmachen

Das dürfte besonders als Kind und Heranwachsender eine Rolle gespielt haben. „Er wollte immer Fußball spielen, hat alles mit dem Ball gemacht. Bevor er morgens in die Schule gegangen ist, hat er erst einmal eine Stunde lang mit dem Hund und dem Ball gespielt“, erzählt sein Papa, der auch sein erster Trainer in der F- und E-Schüler war. Und lacht dabei.

Obwohl Max als Metzger-Azubi im elterlichen Betrieb in Niederaula stark eingespannt ist und in der Regel in aller Herrgottsfrühe raus muss, lässt ihm sein Vater für den Fußball große Freiräume. Dienstagabends zum Beispiel, wenn oft noch die gute Wurst bei Schäfers zubereitet werden muss, darf Max ins Training.

Beim Kicken erkenne keiner, dass er eine Behinderung hat, erläutert Volker Zettl. Der Trainer seit der D-Junioren schwärmt von seinem Ehrgeiz, Einsatz und Trainingsfleiß: „Max stellt für Fußball alles hinten an.“

Fast blindes Verständnis

Und einer seiner besten Freunde bei den A-Junioren, Jan Ullrich, beschreibt ihn als besonders lustigen Typen: „Wir sehen uns fast jeden Tag, nicht nur beim Fußball. Mit Max verstehe ich mich im wahrsten Sinne des Wortes fast blind.“ Sowohl Trainer als auch sein Teamkollege prognostizieren ihm eine steile Karriere. Zettl: „Er hat noch großes Entwicklungspotenzial.“

Von Hartmut Wenzel

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