Analyse: Warum der Fußball-Verbandsligist Melsunger FV in Abstiegsgefahr steckt

Kein Effenberg in Sicht

Es läuft einfach nicht: Melsungens Florian Korell trifft genauso wie seine Sturmkollegen das Tor nicht mehr und muss sich mit dem Abstiegskampf auseinandersetzen. Foto: Hahn

Melsungen. Am 11. September sah die Welt noch gut aus beim Fußball-Verbandsligisten Melsunger FV. Die vor der Saison in der Breite verstärkten Bartenwetzer spielten oben mit, überzeugten in der Offensive und gaben manchem Zuschauer schon Anlass zum Träumen. Nach neun Spielen ohne Sieg mit nur drei mickrigen Torerfolgen wurde daraus jedoch ein Albtraum für alle Beteiligten.

Das Abstiegsgespenst spukt auf der Freundschaftsinsel herum. Ähnlich wie der Lokalrivale aus Schwalmstadt befindet sich der MFV in einer massiven Ergebniskrise. Während bei den Schwälmern der Trainer von selbst die Brocken hinschmiss, deutet nichts auf eine ähnliche Entwicklung bei den Bartenwetzern hin. „Wenn die Mannschaft uns sagen würde, dass wir sie nicht mehr erreichen, würden wir gehen. Aber dafür gibt es ja noch nicht einmal Anzeichen“, sagt Timo Rudolph und verweist auf eine starke Trainingsbeteiligung.

Jobgarantie bis Winterpause

Normalerweise lichten sich bei Niederlagenserien die Reihen, es kommen weniger Spieler zum Training und auch die Motivation geht schnell flöten. „Daran liegt es aber nicht bei uns. Die Trainingsinhalte und auch die Intensität sind gut. Vielleicht sogar zu gut, wenn man unsere Tabellensituation berücksichtigt“, erklärt Stürmer Florian Korell.

Was er damit meint: Dem MFV fehlt ein Stefan Effenberg. Ein Typ, der auch mal die Ärmel hochkrempelt und auf dem Platz ein Zeichen setzt. „Wir müssen nicht unfair spielen. Aber auf dem Platz sind wir einfach zu brav“, merkt Korell an. Gefordert ist da vor allem die Mittelfeldachse um Christoph Grunewald und Boris Bajic, auch mal auf rustikale Art, den Spielaufbau des Gegners zu unterbinden.

Seitens des Vorstands gibt es Rückendeckung für das junge Trainergespann Rudolph/Beetz – zumindest bis zur Winterpause. „Dann setzen wir uns zusammen und ziehen eine Bilanz“, sagt MFV-Chef Nils Weigand. Und die Tendenz? „Ergebnisoffen.“ Der Rechtsanwalt kritisiert die Chancenverwertung und vermisst einen Führungsspieler in der Mannschaft. Das sei bei seinem homogenen Team indes schon seit Jahren so. Allerdings: Der spielte der MFV auch fernab von Gut und Böse.

Da waren nicht unbedingt Führungsspieler gefragt. So wurde vor der Saison darauf geachtet, dass die Neuzugänge menschlich in die seit Jahren auch durch viele Freundschaften verbundene Truppe passen. In der sportlich verbesserten Verbandsliga in diesem Jahr ist das aber zu wenig.

Von Daniel Schneider

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