Interview über die Stimmung vor dem Debüt

Albaniens Fußball-Ikone Altin Lala: „Fiebern der EM entgegen“

+
So feiert man die erste EM-Qualifikation: Albanische Fans begrüßen die Nationalspieler in der Hauptstadt Tirana nach dem 3:0-Auswärtssieg in Armenien und der damit einhergehenden Qualifikation für die Europameisterschaft in Frankreich.

Kassel. Vor dem EM-Debüt der Albaner sprachen wir mit Altin Lala über die Chancen der Albaner, die Euphorie im Land und welche Bedeutung Shkodran Mustafi hat.

Lala war mit 79 Einsätzen für die albanische Nationalmannschaft lange Rekordspieler seines Landes. In Deutschland spielte er 14 Jahre für Hannover 96 und war einer der Aufstiegshelden im Jahr 2002. 

Herr Lala, ihr Heimatland hat sich erstmals für eine EM qualifiziert. Wie ist die Stimmung gerade in Albanien?

Altin Lala: Es herrscht eine riesige Euphorie, und alle fiebern der EM entgegen. Albanien ist ein sehr kleines Land, viele Menschen sind fußballbegeistert und werden auch live in Frankreich dabei sein. Es ist eine außergewöhnliche Stimmung. Insgesamt muss man sagen, dass es für die Leute, denen es wirtschaftlich oft nicht gut geht, ein Geschenk ist, ihre Mannschaft jetzt bei der EM sehen zu können.

Auf welche Spieler sollte man besonders achten? Wir kennen in Deutschland ja vor allem Mavraj von Köln?

Lala: Elseid Hysaj vom SSC Neapel. Er war in der vergangenen Saison einer der besten Rechtsverteidiger in Italien. Hysaj ist erst 22 Jahre alt und wahrscheinlich der beste, den wir momentan haben.´Albanien kommt aber über die Mannschaft. Wir verteidigen sehr gut, unser Trainer ist schließlich Italiener.

Zu Beginn der Qualifikation waren Sie Co-Trainer Albaniens. Warum jetzt nicht mehr?

Lala: Ich habe die ersten vier Spiele mitgemacht. Aber mir war schon immer klar, dass das nichts für mich ist. Es war ein Wunsch des Trainers Giovanni De Biasi, dass ich den Job mache. Er wollte einen Co-Trainer aus Albanien haben.

Sie waren selbst Nationalspieler und haben es nie zu einer EM geschafft. Wie gerne wären Sie selbst einmal dabei gewesen?

Lala: Vor der EM 2004 hatten wir eine Chance. Wir waren in einer Gruppe mit der Schweiz, Russland, Irland und Georgien und hatten meiner Meinung nach die beste Mannschaft Albaniens seit Jahren. Es war am Ende sehr knapp. Klar wäre ich gerne dabei gewesen. Ein paar Jahre nachdem ich aufgehört habe, hat es nun geklappt. Vielleicht hat es an mir gelegen (lacht).

Der aus Bebra stammende Shkodran Mustafi hat albanische Wurzeln und den WM Titel vor zwei Jahren auch in Albanien gefeiert. Wie sehen die Albaner ihn?

Lala: Er hat zwar einen deutschen Pass, aber er ist der erste Weltmeister, der aus Albanien stammt. Ihm ist hier keiner böse, dass er sich für Deutschland entschieden hat. Im Gegenteil, nach dem Titelgewinn wurde er sogar gefeiert. Insgesamt ist es so, dass bei den Turnieren, bei denen wir nicht dabei waren, viele Albaner für Deutschland waren und in Trikots der deutschen Mannschaft die Spiele verfolgt haben. Den Albaner gefällt die Zweikampfstärke und Zielstrebigkeit des deutschen Fußballs. Und wenn die Väter schon Fans von Franz Beckenbauer und Gerd Müller waren, dann sind es die Söhne auch.

Wie weit wird Albanien kommen?

Lala: Ich bin beim ersten Spiel dabei und zu allen eingeladen. Ich hoffe, es werden mindestens vier. Das Achtelfinale zu erreichen, ist schwierig und trotzdem möglich. Aber wir sind Außenseiter.

Im ersten Spiel gegen die Schweiz kommt es zum Duell der Xhaka-Brüder. Wer ist für sein Land wichtiger?

Lala: Der albanische Xhaka. Er ist extrem wichtig im Mittlefeld und hat in der Qualifikation immer konstant seine Leistung gebracht.

Wir haben im Vorfeld der EM schon öfter den Spieler Andi Lila von Albanien erwähnt. Was sagt denn Lala über Lila?

Lala: (lacht) Ich kenne ihn noch aus meiner eigenen Zeit als Nationalspieler. Es gab noch einen Spieler, der Sabien Lilaj heißt - wir drei haben mal ein Spiel zusammen im Mittelfeld gespielt. Meine Kollegen von Hannover 96 haben damals gelacht und mich gefragt, ob wir in Albanien alle so kurze Namen hätten.

Zur Person

Altin Lala (40) wurde am 18. November 1975 in Tirana geboren. Im November 1991 bestritt er mit der U-16-Nationalmannschaft Albaniens ein Länderspiel in Deutschland, nachdem er sich mit zehn weiteren Spielern absetzte und Asyl beantragte. Von 1992 bis 1998 spielte er für Borussia Fulda, erst in der Jugend, dann bei den Senioren. Anschließend war er 14 Jahre für Hannover 96 aktiv. Lala ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Hannover. 

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.