Was ein Coach im Vorfeld eines Wechsels darf

„Folge könnte Kündigung sein“: Arbeitsrechtler über Regeln bei Trainer-Klubwechseln 

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Pep Guardiola

Wenn Trainer den Verein wechseln, nehmen sie oft Spieler oder Assistenten mit. Ein Gespräch mit Roland Wille darüber, was ein Trainer im Vorfeld eines Wechsels darf.

Herr Wille, mit dem Pokalfinale heute endet die Ära von Pep Guardiola in München. Mit Manchester City befasst er sich aber schon seit Wochen. Ist das unproblematisch? 

Roland Wille: Grundsätzlich gilt für in Deutschland beschäftigte Profisportler und Trainer das deutsche Arbeitsrecht. Das bedeutet, dass auch im Profisport die Loyalitätspflicht zum Arbeitgeber, also dem beschäftigenden Verein, besteht, und jeder Arbeitnehmer dem generellen Wettbewerbsverbot im Arbeitsverhältnis unterliegt.

Das heißt, er darf seinem aktuellen Verein nicht schaden? 

Wille: Genau. Kein Arbeitnehmer darf im bestehenden Arbeitsverhältnis Wettbewerb zu seinem Arbeitgeber betreiben oder die Konkurrenz wie andere Vereine unterstützen.

Gibt es Ausnahmen? 

Wille: In seiner Freizeit darf sich jeder Arbeitnehmer mit zukünftigen Arbeitgebern treffen, um zum Beispiel eine Saisonplanung für das kommende Jahr zu besprechen.

Wie ist es bei Spielern – dürfen die abgeworben werden? 

Wille: Bleiben wir beim Beispiel Pep Guardiola: Wenn der schon jetzt Spieler für seinen neuen Verein abwerben oder Gespräche, die das als Ziel haben, führen würde, wäre das eben genau diese Loyalitätspflichtverletzung.

Könnte das Folgen haben? 

Wille: Die Folge könnte im Extremfall eine fristlose Kündigung sein. Der FC Bayern würde das aber allein wegen des entstehenden Imageschadens sicher kaum machen. Man würde sich eher auf eine vorzeitige Vertragsauflösung einigen.

Wenn in der Wirtschaft ein Geschäftsführer das Unternehmen wechselt, ist dort so etwas gängige Praxis? 

Wille: Die gleichen Regeln zur Loyalitätspflicht im Arbeitsvertrag gelten auch in der Wirtschaft und im sonstigen Arbeitsleben. Trotzdem findet die Mitnahme von „vertrauten Untergebenen“ in der Praxis bei Wechseln von Führungskräften statt. Verhindern lässt sich das nur durch „nachvertragliche Wettbewerbsverbote“.

Was beinhalten die Verbote?

Wille: In der Regel dürfen diese Verbote eine Dauer von zwei Jahren nicht überschreiten. In dieser Zeit darf der Arbeitnehmer nicht für einen Konkurrenten tätig sein, bekommt dafür aber eine Karenzentschädigung von mindestens 50 Prozent des bisherigen Gehalts. Ohne diese Entschädigung ist ein solches Verbot unwirksam.

Wie sieht das Ganze wiederum im Sport aus? 

Wille: Im Profisport sind diese nachvertraglichen Wettbewerbsverbote unüblich und rechtlich bedenklich, da ein Profisportler seinen Beruf in der Regel nur bei einem Wettbewerber ausüben kann. Zudem gehören Klubwechsel zur Natur des Profisports. Hier war das Bosman-Urteil des Europäischen Gerichtshofs 1995 bahnbrechend zur grundsätzlichen Ablösefreiheit beim Vereinswechsel nach Vertragsende.

Wären unrechtmäßige Transfers sogar anfechtbar? 

Wille: Anfechtbar nicht. Bei Abwerbungen trotz bestehenden Vertrags können aber Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche gegen den vertragsbrüchigen Spieler bestehen. Darüberhinaus regelt das Sportverbandsrecht durch sportrechtliche Strafen, zum Beispiel Sperren für bestimmte Wettbewerbe, bei Transfers erlaubt und verboten ist.

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