"Kleiner deutscher Meister"

Leverkusen-Boss Holzhäuser tritt zurück

Wolfgang Holzhäuser verlässt im September Bayer Leverkusen.
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Wolfgang Holzhäuser verlässt im September Bayer Leverkusen.

Leverkusen - Wolfgang Holzhäuser scheidet als Geschäftsführer des Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen zum 30. September 2013 aus. Die Nachfolge tritt Michael Schade an.

Der Boss geht vorzeitig von Bord: Wolfgang Holzhäuser verlässt am 30. September bei Bayer Leverkusen nach 15 Jahren die Kommandobrücke und scheidet als Sprecher der Geschäftsführung aus dem operativen Geschäft beim Fußball-Bundesligisten aus.

„Die Bewertung einer Laufbahn wird von ihrem Ende her beurteilt“, sagte der 63-Jährige:„Die direkte Champions-League-Qualifikation ist für Bayer Leverkusen wie der Gewinn der deutschen Meisterschaft. Das ist nicht zu toppen. Ich fühle mich auch als Dritter wie ein kleiner deutscher Meister, da kann man ruhigen Gewissens gehen.“

Werner Wenning, Chef des Gesellschafterausschusses von Bayer Leverkusen, sowie die Chefetage des Werksklubs waren bereits seit Tagen informiert und präsentierten in dem 60-jährigen Michael Schade den Nachfolger.Schade tritt seinen neuen Job am 1. Juli an, wird dann ab 1. Oktober alleinverantwortlich den ehemaligen Bereich Holzhäusers verantworten. "Das ist ein Fachmann, der sehr nah am Sport ist", lobte Holzhäuser den gebürtigen Solinger.

Wenning würdigte seinerseits die Verdienste Holzhäusers in höchsten Tönen: „Wolfgang Holzhäuser hat sich um Bayer 04 sehr verdient gemacht. Er war maßgeblich beteiligt an der Umwandlung der Fußballabteilung in eine GmbH und hat Bayer 04 zu einem der modernsten Klubs der Bundesliga gemacht. Mit sieben Qualifikationen für internationale Wettbewerbe in den vergangenen zehn Jahren und vier Vizemeisterschaften während seiner Amtszeit ist auch die sportliche Bilanz ausgezeichnet.“

Holzhäuser, der die beiden Champions-League-Finalisten Bayern München und Borussia Dortmund auch in Zukunft in einer Ausnahmerolle sieht, wird nach 35 Jahren in verschiedenen Positionen im Profifußball in den Gesellschafterausschuss (gleichbedeutend mit einem Aufsichtsrat) wechseln, wo er weiterhin die Geschicke der Bayer 04 Fußball GmbH mitbestimmen wird.

„Ich werde sicher nicht nur Golf spielen und mich auch nicht ausschließlich um gute Rotweine kümmern“, äußerte der Hesse, der auch in Zukunft auf der Tribüne der BayArena sitzen wird: „Hoffentlich aber etwas entspannter als in verantwortlicher Position.“

Das wünschen sich auch seine Ehefrau Annelie und sein Sohn Felix, die das Familienoberhaupt in dessen Entscheidung bestärkt hatten. „Wir haben in den vergangenen Wochen viele Gespräche geführt, nachdem ich mich ja schon sein einiger Zeit mit dieser Möglichkeit beschäftigt habe“, berichtete Holzhäuser.

Der gelernte Großhandelskaufmann leitet seit dem 1. Juli 2004 als alleiniger Geschäftsführer die Bayer 04 Fußball GmbH, nachdem Klub-Ikone Reiner Calmund aufgehört hatte. „Es ist immer schwer, einem Volkstribun zu folgen. Das war in den ersten zwei, drei Jahren eine schwierige Zeit. Denn wenn es schlecht lief, lag es an mir. Ich glaube aber, dass ich mir anschließend die Anerkennung erarbeitet habe“, sagte Holzhäuser.

Der ehemalige DFB-Ligasekretär, zwischenzeitlich auch Interims-Liga-Präsident, steht insgesamt seit 1998 in Diensten von Bayer: „Das ist eine lange Zeit. Derzeit fließen noch keine Tränen. Was an meinem letzten Arbeitstag sein wird, weiß ich aber noch nicht.“

Sein Nachfolger Schade, seit 1980 für Bayer tätig, tritt in große Fußstapfen. 1994 übernahm Schade die Leitung der Abteilung Unternehmenspolitik, drei Jahre später zusätzlich die Verantwortung für die Pressearbeit. 2008 wurde er Leiter des Konzernbereiches Communications und damit verantwortlich für die weltweite Kommunikation der Bayer AG.

SID