Mehr Tore, mehr Eigentore, weniger Platzverweise, weniger Trainerentlassungen

Bundesliga-Bilanz: Eine Saison mit vielen Rekorden

Fünf auf einen Streich: Joker Robert Lewandowski beim Bayern-Triumph.

Korbach. Mehr Tore, weniger Platzverweise – die abgelaufene Saison in der Fußball-Bundesliga hat auch unserem Statistiker Werner Welsch aus Korbach wieder viele interessante Zahlen geliefert und etliche Rekorde.

Nach 967 Treffern in 306 Spielen der Spielzeit 2013/14 und nur noch 843 im Spieljahr 14/15 gab es nun wieder eine leichte Steigerung auf 866, das sind immerhin 2,83 Tore pro Spiel. Mit 100 Auswärtssiegen (zuvor 79) wurde der Rekord aus der Saison 2010/11 von 102 fast erreicht.

Die Torjäger

Rekordmeister München wurde zum 25. Mal in 53 Bundesligajahren Titelträger und schaffte erstmals vier Triumphe in Folge. Nach fünf Jahren (2011: Mario Gomez/28) ging auch die Torjägerkanone wieder an die Bayern: Robert Lewandowski war seit 31 Jahren (Dieter Müller/Köln) erstmals wieder mit 30 Toren vorn. Den Rekord bei den Assists von Kevin de Bruyne (Wolfsburg) aus dem Vorjahr (21) erreichte Henrik Michitarjan (20) von Vizemeister Dortmund nicht ganz. Er zog aber mit 20 Vorlagen gleich mit Misimovic (Wolfsburg 2008/09) und Ribery (Bayern 2011/12).

Die Treffer der Joker

Einzigartig ist Lewandowskis Rekord vom 6. Spieltag, als er erst nach der Pause beim 0:1-Rückstand gegen Wolfsburg eingewechselt wurde und binnen neun Minuten fünf Joker-Tore erzielte. Bisherige Bestmarke waren drei Treffer von Einwechselspielern.

Insgesamt wurde mit 85 ein Tor mehr von Einwechselspielern erzielt als im letzten Jahr, aber der Rekord von 2004/05 (110) wurde weit verfehlt. Lewandowski ist mit sieben Jokertoren auch hier der Primus, und das bei nur drei Einwechslungen. Es folgt Adrian Ramos (BVB) mit vier bei 18 einwechselungen.

Bei den Vereinen liegt das Spitzenduo ebenfalls vorn mit jeweils neun Joker-Treffern, gefolgt von der TSG Hoffenheim (7). Am wenigsten passte der so enttäuschende Wolfsburg auf die gegnerischen Joker auf: 13 Mal kassierte der VfL Tore von denen, dahinter Absteiger VfB Stuttgart (10).

Die Eigentore

Die Stuttgarter wurden bei ihrem ersten Abstieg seit 41 Jahren vom Pech verfolgt: Mitsieben Eigentoren stellten sie einen Negativrekord auf (bisher 5). Mit 29 Einschüssen ins falsche Tor wurde der Rekord von 2001/02 mit 32 fast erreicht. Drei Unglücksraben trafen sogar zwei Mal ins eigene Netz: Hinteregger (Gladbach), Niedermeier (Stuttgart) und Sulu (Darmstadt). Leverkusen verzeichnet die meisten „geschenkten“ Tore vom Gegner (5) vor Schalke (4). Tyton (Stuttgart) war der Torwart, der sechsmal von einem eigenen Spieler überlistet wurde.

Die Trainer

Ralph Hasenhüttl und Dirk Schuster von den Aufsteigern Ingolstadt und Darmstadt hätten das Zeug zum Trainer der Saison, denn beide Teams waren vor der Runde als sicherste Absteiger getippt worden. Trainer-Trennungen gab es inklusive Breitenreiter (Schalke) acht gegenüber elf im Vorjahr. Hoffenheim (Gisdol und Stevens) und Hannover (Frontzeck und Schaaf) trennten sich sogar zweimal von ihrem Coach.

Die Dauerbrenner

Vier (im Vorjahr sechs) Torhüter versäumten keine einzige der 3060 Minuten in der gesamten Saison: Wiedwald (Bre-men), Hradecky (Frankfurt), Karius (Mainz) und Zieler (Hannover). Zieler absolvierte in München sein 176. Spiel in Folge, ohne eine einzige Minute zu verpassen und rückte damit in der ewigen Bestenliste auf den siebten Platz vor. Nur zwei Feldspieler zogen mit diesen vier Torleuten gleich: Caldirola (Darmstadt) und Joel Matip (Schalke). Als Ausländer mit den meisten Spielen hat sich Claudio Pizarro mit 28 Einsätzen für Bremen mit inzwischen 411 Spielen vom Georgier Kobiaschwili (Freiburg, Schalke, Hertha BSC, 351) weiter abgesetzt. Außerdem ist der Peruaner mit weitem Vorsprung der Ausländer, der nach seinen 14 Toren mit nun 190 die meisten Tore erzielt hat. Er ist Fünfter der ewigen Torjägerliste).

Aus- und Einwechselspieler

Kein Verein schöpfte das volle Einwechselkontingent aus. Gladbach und der HSV wechselten in jedem der 34 Spiele drei Kicker ein. Nur der 1. FC Köln am 20. Spieltag beim 1:1 in Hamburg bestritt das komplette Spiel mit nur elf Mann. Mahmoud Dahoud (Gladbach) war der Mann mit den meisten unvollständigen Spielen: Bei 32 Einsätzen spielte er nur viermal durch, 23 mal wurde er aus- und fünfmal eingewechselt. Ihm folgt Moritz Hartmann (Ingolstadt) mit 26 (20/6). Dahoud wurde am Häufigsten ausgewechselt, Alexander Baumjohann (Berlin) hingegen 23 mal in 24 Spielen eingewechselt.

Die Kartenspieler

25 gelb-rote und 15 rote Karten ergeben 40 Hinausstellungen (Vorjahr 53). Das ist Minusrekord seit der Einführung der gelb-roten Karte 1991 nach 41 Platzverweisen in der Saison 2009/10 (21 gelb-rot, 20 rot).

Der größte Sünder war Gladbachs Granit Xhaka mit drei (2 gelb-rot, 1 rot) Platzverweisen. Bei den Teams „führt“ Absteiger Stuttgart mit fünf Ausschlüssen, liegt damit aber weit hinter dem Rekord von 1860 München (12) aus 94/95. Die meisten gelben Karten sahen der Darmstädter Peter Niemeyer und der Bremer Clemens Fritz mit je 13.

Spitzenreiter bei den Vereinen ist Eintracht Frankfurt mit 99 (93 gelb, 3 gelb-rot), womit der Saisonrekord von 105 (!) durch Cottbus und Leverkusen (beide 2001/02) nicht weit weg war. Die wenigsten gelben Karten kassierten Dortmund (39) und Gladbach (48).

Die Elfmeter

Von 86 (Vorjahr 71) Elfmetern wurden fünf verschossen und 13 (Vorjahr: 8/20) von den Torhütern abgewehrt. Moritz Hartmann (Ingolstadt) traf acht von acht, Paul Verhaegh (Augsburg) sechs von sechs. Torwart Yann Sommer (Gladbach) stand acht Elfmeterschützen gegenüber. Er konnte keinen abwehren, aber Bremens Kroos schoss vorbei. Ron-Robert Zieler musste alle sieben gegen Absteiger Hannover verhängten Elfer passieren lassen. Elfmetertöter Nummer eins war der Mainzer Torwart Loris Karius, der zwei von sieben abwehrte, zwei gingen vorbei. Die meisten Elfmeter zugesprochen bekam Neuling Ingolstadt (10), gegen Gladbach wurden die meisten verhängt (8).

Die Torhüter

Manuel Neuer war erneut der beste Torwart mit 21 Spielen ohne Gegentor. Rekord! Auch „Titan“ Oliver Kahn hat in einer Saison seinen Kasten so sauber gehalten. Da waren Rune Jarstein (Berlin) und Bernd Leno (Leverkusen) mit jeweils zwölf Spielen ohne Gegentor weit zurück. Die meisten Gegentore kassierte Bremens Felix Wiedwald mit 65 „vor“ den Absteiger-Torhütern Zieler (Hannover/62) und Przemyslaw Tyton (Stuttgart/61).

Die Schiedsrichter

Gleich drei Schiedsrichter müssen nun ihre Karriere in der Eliteliga aus Altersgründen mit 47 Jahren beenden: Knut Kircher, Florian Meyer und Michael Weiner. Im nächsten Jahr erwischt es Wolfgang Stark. Er leitete in dieser Saison 17 Spiele, verbucht jetzt 326 Einsätze und kann Spitzenreiter Dr. Markus Merk (339) in seinem letzten Jahr sogar noch überholen. Als Dritter verbleibt Meyer mit 287 Spielen. Die meisten Einsätze der 24 eingesetzten Erstliga-Referees hatte Felix Brych mit 19 vor Manuel Gräfe und Felix Zwayer (je 18). Zwei Unparteiische mussten wegen Verletzung durch einen Linienrichter ersetzt werden: Drees am 7. wegen Oberschenkelverletzung und Welz am 11. Spieltag durch eine Verhärtung an der Wade.

Die Zuschauer

Die meisten Zuschauer kamen erneut nach Dortmund: 1,390 Millionen (Schnitt: 81 765). Wieder folgen die Bayern, die seit neun (!) Saisonen jedes Spiel ausverkauft hatten und nun auf 1,275 Mio. Fans in 17 Heimspielen kamen. Dritter ist Schalke 04 mit 62 000 (1,054 Mio), vor dem HSV (919 000/ 54 059). Insgesamt kamen zu den 306 Matches 13,393 Millionen Besucher, das sind 57 000 weniger als 2014/15 und 557 000 weniger als im Rekordjahr 2011/12. Der Schnitt von 43 771 pro Spiel ist weiterhin der mit Abstand höchste im europäischen Fußball.

Von Werner Welsch

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