Deutschland - Italien: Ein Spiel gegen den Fluch

Moment seiner bittersten Niederlage: Bundestrainer Joachim Löw beim 1:2 gegen Italien im EM-Halbfinale 2012. Foto:  dpa

Kassel. Noch nie hat die deutsche Fußball-Nationamannschaft bei einem großen Turnier gegen Italien gewonnen. Im EM-Viertelfinale nimmt die DFB-Elf den nächsten Anlauf, um den Fluch zu brechen.

Als Italien den Einzug ins Viertelfinale dieser Fußball-EM perfekt gemacht hatte, war der Aufschrei hierzulande erst mal groß. Nicht schon wieder Italien! Wie so oft stößt die deutsche Nationalmannschaft bei einem großen Turnier auf die Azzurri, und die Statistik verrät: In acht Vergleichen bei Welt- und Europameisterschaften sprang nie ein Sieg heraus. Mehr noch: Die Geschichte ist gespickt mit bitteren Niederlagen, als laste ein gewaltiger Fluch auf der DFB-Elf, sobald der Gegner Italien heißt.

Nicht umsonst fällt im Zusammenhang mit der Squadra Azzurra der Begriff Angstgegner. Für die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gibt es nun mal die unschöne Gesetzmäßigkeit, dass die Italiener immer wieder zu Spielverderbern werden. Der jüngste Tiefschlag liegt erst vier Jahre zurück, als ein gewisser Mario Balotelli im EM-Halbfinale von Warschau die Mannschaft von Joachim Löw fast im Alleingang ausschaltete. Der Bundestrainer bleibt in diesen Tagen dennoch gelassen. Löw sagt: „Wir haben kein Italien-Trauma. Die Vergangenheit ist kalter Kaffee.“

Trotzdem steht da dieser eine letzte Makel. Diese italienische Misere. Gegen jede große Fußballnation war Deutschland erfolgreich. Die Siege gegen Spanien liegen zwar ein Weilchen zurück - bei der WM 1982 gab es ein 2:1 und bei der EM 1988 ein 2:0. Aber immerhin: die Spanier geschlagen. Über England müssen wir sowieso nicht reden, auch nicht über die Niederlande. Und seit Joachim Löw das Sagen hat, wird selbst Argentinien mehr und mehr zum Lieblingsgegner für den Weltmeister.

Ohnehin scheint der 56-Jährige der richtige Mann zu sein, wenn es darum geht, Gesetzmäßigkeiten zu durchbrechen. Bis vor zwei Jahren galt es als in Stein gemeißelt, dass für Europäer auf südamerikanischem Boden nichts zu holen ist, schon gar nicht gegen Brasilien. Löw und die deutsche Nationalmannschaft haben die Fußballwelt eines Besseren belehrt. Erst feierte die DFB-Elf im Halbfinale den 7:1-Jahrhundertsieg über den Gastgeber und schließlich in Rio de Janeiro den WM-Titel. Geschichte geschrieben.

So soll es am Samstag im EM-Viertelfinale gegen Italien weitergehen (21 Uhr). Wir denken an die WM 1970 und das irre 3:4 in Mexiko-Stadt, wir haben die Tränen von Michael Ballack vor Augen nach dem 0:2 im WM-Halbfinale 2006, und wir sehen Balotellis Hulk-Pose, als wäre das 1:2 vor vier Jahren erst gestern gewesen. In Bordeaux haben Löw und seine Spieler nun die nächste Chance, den letzten Fluch in der Geschichte der DFB-Elf zu brechen.

Für den Bundestrainer geht es nicht zuletzt darum, eine offene Rechnung zu begleichen. Dieses 1:2 gegen Italien in Polen war die bitterste Niederlage seiner Amtszeit. Löw hatte sich taktisch verzockt. Daraus zog er seine Lehren. Heute agiert er pragmatischer. Nicht nur deshalb wächst die Hoffnung, dass es dieses Mal endlich klappt gegen Italien.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.