Schnellcheck zum Spiel

0:2 gegen Frankreich: Deutschlands Titeltraum ist beendet

Das ist die Entscheidung: Antoine Griezmann (links) schaltet schnell, die Grätsche von Bastian Schweinsteiger und der Abwehrversuch von Manuel Neuer haben keinen Erfolg. Es steht 2:0 für Frankreich. Foto: dpa

Wieder ein Handelfmeter, später ein Patzer in der Hintermannschaft, dazu vergebene Chancen - Deutschland ist im EM-Halbfinale ausgeschieden. Der Schnellcheck von Frank Ziemke.

Finale ohne den Weltmeister, aus der Traum auch vom EM-Titel. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist im Europameisterschafts-Halbfinale an Frankreich gescheitert. Der Gastgeber gewann 2:0, trifft nun am Sonntag im Endspiel auf Portugal. Der Schnellcheck:

Für welche Aufstellung hatte sich Löw entschieden?

Es war ja viel spekuliert worden über das, was Bundestrainer Löw und seine Abteilung „Morgensliegenbleiben“ ausbrüten würden. Bastian Schweinsteiger oder Emre Can? Mario Götze oder Leroy Sané? Es gab dann Schweinsteiger und Can. Aber keinen Götze, keinen Sané. Das Ganze wieder mit Viererabwehr. Can ergänzte das Sechser-Duo Schweinsteiger und Toni Kroos. Thomas Müller stürmte im Zentrum. Ein wenig Überraschung geht also immer.

Wie war es denn, dieses Halbfinale?

Sieben Minuten sorgen die Gastgeber für Unruhe. Greifen unglaublich früh an. Sorgen für Konfusion und eine schnelle Chance durch Griezmann, die Manuel Neuer zur Großtat zwingt. Dann übernimmt der Weltmeister die Kontrolle. Fängt die Franzosen früh ab. Inszenierte Angriff um Angriff. Erspielt Chancen. Die erste hat der wieder unglücklich spielende Müller auf Zuspiel von Can (13.), die zweite Can selbst (14.): Draxler passt, Can schießt - aber Lloris tauchte ab und pariert.

Die Überlegenheit ist drückend, doch es fehlt in dieser Phase, der besten für die Deutschen im ganzen Spiel, halt ein Tor. Auch, weil Mario Gomez im Zentrum als Abnehmer fehlt. Das ist ärgerlich. Doch es kommt noch viel, viel ärgerlicher. Nachspielzeit der ersten Hälfte, Handelfmeter und glückliche Führung für Frankreich durch Griezmann.

Das sitzt. Und lähmt Löws Team erst einmal. Der nächste Schock in der 60. Minute: Auch Jeromé Boateng muss verletzt raus. Es kommt Skhodran Mustafi, der Mann aus Bebra. Das deutsche Spiel stockt mittlerweile gewaltig. Kein Durchkommen gegen tief stehende, clever und konsequent verteidigende, gefährlich konternde Gastgeber.

Und nicht nur das. Viel schlimmer. Das 0:2! Joshua Kimmich verstolpert den Ball, Mustafi wird von Pogba ausgetanzt, Neuers Abwehr gerät zu kurz - und wieder ist es Griezmann. Stochert den Ball in der 72. Minute über die Linie. Die postwendende Antwort gelingt nicht. Weil Kimmich den Pfosten trifft. Weil Draxlers Freistoß knapp vorbeigeht. Weil Mustafi verzieht und Höwedes über das Tor köpft. Am Ende pariert Lloris noch einmal gegen Kimmich. er wollte einfach nicht ins Tor, der Ball.

Gab es einen Aufreger im Spiel?

Natürlich. Der Elfmeter für Frankreich bot Stoff für Diskussion. Unstrittig ist: Schweinsteiger war beim Kopfballduell mit der Hand am Ball. Aber reichte das für einen Elfmeter? Die Tendenz geht eher zu: Ja, geben kann man ihn. Bitter bleibt: Der zweite Gegentreffer bei diesem Turnier, der zweite durch einen Handelfmeter.

Wer zeigte die Grätsche des Spiels?

Es half leider wenig, aber Benedikt Höwedes‘ Grätsche gegen kurz vor der Pause war ganz großes Kino. Länger kann das Bein eines Verteidigers nicht werden. Leider gab es dann bald Elfmeter - und Deutschland lag trotzdem zurück.

Wie war die Stimmung im Stadion?

Ein wenig Island war auch da in Marseille. Sie haben halt etwas hinterlassen in den Herzen. Schon zu Spielbeginn feierten deutsche und französische Fans gemeinsam: „Huh“! Das setzte sich während der Partie fort. Am Ende aber, da jubeln nur noch die Franzosen.

Wie lautet das Fazit des Halbfinales?

Pech beim Elfmeter, fehlende Durchschlagskraft vor dem Tor. Es war irgendwo okay, dieses Ergebnis. Die Party ist beendet.

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