Torlinientechnik kommt

Experte bewertet einige der 95 neuen Regelanweisungen zur EM

Kein Tor: Letzte Zweifel werden durch die Torlinientechnik Hawk Eye beseitigt, die nun auch bei der EM eingeführt wird. Foto: afp

Kassel. Es gibt 95 neue Regelanweisungen zu EM-Fußball. Einige sind wichtig, manche interessant, andere absurd.

Keine Angst. Wir werden jetzt nicht alle 95 Punkte aufzählen, aber sechs Änderungen haben wir mit Lutz Wagner diskutiert. Der 53-Jährige aus Kriftel ist einer unserer EM-Experten und zudem Schiedsrichter-Lehrwart des Deutschen Fußball Bundes.

MEHRFACHBESTRAFUNG 

Die Änderung: Die umstrittene Regel (Rote Karte, Elfmeter und eine Sperre bei der Verhinderung einer klaren Torchance im Strafraum) ist modifiziert worden. Wenn ein Spieler keine Chance hat, den Ball zu spielen, oder wenn er die Hände zu Hilfe nimmt, wird es weiterhin Rot geben. Wenn er aber versucht, seinen Gegenspieler mit erlaubten Mitteln zu stoppen, er aber zuspät kommt (wenn er also fair spielen wollte, es aber nicht geschafft hat) dann soll es nur Gelb geben.

Lutz Wagner

Das sagt Wagner: „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, weil die Strafe bisher oft zu hart war, da die Torchance durch den Strafstoß ja wiederhergestellt wurde. Allerdings hätte ich mir eine weniger komplizierte Lösung gewünscht. Grundsätzlich Gelb wegen einer Notbremse im Strafraum hätte meinen Vorstellungen eher entsprochen.“

TORLINIENTECHNIK 

Die Änderung: Nachdem die Technik schon bei der WM in Brasilien im Einsatz war, erlebt sie nun ihre Premiere bei der EM. Verwendet wird dasselbe System wie in der Bundesliga (Hawk Eye).

Das sagt Wagner: „So ist das sinnvoll und entspricht absolut meinen Vorstellungen. Wenn es die Möglichkeit gibt, zweifelsfrei zu erkennen, ob der Ball im Tor war oder nicht, dann sollte man die technischen Möglichkeiten auch nutzen.“

STRAFSTOSS 

Die Änderung: Wenn ein Schütze die Schussbewegung abstoppt, gibt es für die gegnerische Mannschaft einen indirekten Freistoß und Gelb für den ausführenden Spieler. Auch der Torwart kann nun Gelb sehen, wenn er sich zu früh von der Linie nach vorn bewegt und der Ball dann nicht ins Tor geht.

Das sagt Wagner: „Viel hat sich hier nicht geändert. Ich finde aber gut, dass solche Vergehen jetzt etwas strenger bestraft werden.“

BEHANDLUNG 

Die Änderung: Kurze Pausen (20 bis 25 Sekunden) sind nun auf dem Platz erlaubt, wenn der Gegner für das Foul eine Karte gesehen hat. Der gefoulte Spieler muss dafür nicht mehr zwingend vom Feld und darf danach auch bleiben.

Das sagt Wagner: „Das ist nun wirklich eine sehr sinnvolle Änderung. Bisher war es schwer zu verstehen, warum ein gefoulter Spieler nochmals bestraft wurde.“

ANSTOSS 

Die Änderung: Der Anstoß muss nicht mehr zwingend nach vorn ausgeführt werden, auch zurück oder zur Seite ist nun erlaubt.

Das sagt Wagner: „Man hätte auch mit der alten Regelung ganz gut leben können. Diese Änderung wird den Fußball sicherlich nicht revolutionieren.“

ECKSTOSS 

Die Änderung: Aus einem Eckstoß kann kein Eigentor erzielt werden. Das Spiel wird mit einem Eckstoß für den Gegner fortgesetzt.

Das sagt Wagner: „Eigentor mit einem Eckstoß? Das ist zwischen Wolfhagen und Melsungen bestimmt noch nicht oft passiert. Eine nicht zwingend nötige neue Formulierung.“

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