Wichtigster Markt ist Deutschland

Fans sind Jäger und Sammler: Das Geschäft mit Panini-Bildern boomt

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Bis zu acht Millionen Tüten pro Tag: Panini-Bilder verschiedener Nationalmannschaften werden in Modena für das Sammelheft zur Fußball-EM 2016 in Frankreich produziert.

Modena. Einen Monat vor Beginn der Fußball-EM sind Sammelbilder und Sticker bei Händlern und in Geschäften allgegenwärtig. Ein Geschäft, von dem viele profitieren wollen.

Fast rund um die Uhr rattern, surren und stampfen im norditalienischen Modena derzeit die Maschinen. Bis zu acht Millionen Tüten mit Sammelbildern werden im Werk des italienischen Unternehmens Panini jeden Tag produziert und in alle Welt verschickt.

Etwa einen Monat vor Beginn der Fußball-EM (10. Juni bis 10. Juli) herrscht bei dem berühmten Sticker-Hersteller Hochbetrieb. „Im Vergleich zur letzten EM (in der Ukraine und Polen) erwarten wir uns einen deutlich höheren Absatz“, sagt Produktionsleiter Giuseppe Tagliavini. „Es wird in Frankreich gespielt, einem Markt, wo das Interesse sehr viel größer sein sollte.“

Wichtigster Markt für Panini ist Deutschland. Doch nicht nur die Italiener wollen von der Sammelleidenschaft der Fußball-Fans profitieren.

Die deutschen Anbieter

Auch Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler Rewe lockt seit Anfang Mai mit Sammelkarten der deutschen Nationalmannschaft. Für je 10 Euro Einkaufswert erhält der Kunde eine „offizielle DFB-Sammelkarte“. Insgesamt gibt es 36 Motive – neben 30 verschiedenen Spielerkarten kommen auch das Trainer-Trio, die Fans der deutschen Nationalmannschaft als 12. Mann, das DFB-Emblem und das Team-Maskottchen Paule zu Kartenehren.

Für Marketing-Experte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU scheint der Erfolg der Aktion vorprogrammiert. „Aus der Sicht der Supermärkte rechnet sich das allemal. Die Kinder drängen ihre Eltern wegen der Bilder dort einkaufen zu gehen. Und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Eltern zumindest hin und wieder dem Wunsch ihrer Kinder nachgeben“, meint er.

Auch der Süßwarenhersteller Ferrero setzt auf die deutsche Nationalmannschaft und lockt zur Fußball-EM mit Team-Cards in seinen Aktionspackungen. Einen anderen Weg geht Deutschlands zweitgrößter Discounter Lidl. Er verzichtet auf eine eigene Kartenkollektion, setzt stattdessen auf die Zusammenarbeit mit Panini und lockt mit kostenlosen Sammelbildern für Kunden. Und auch Coca Cola und McDonald’s kooperieren mit Panini: Für die kostenlosen Sammelbilder zu den Produkten ist im offiziellen Sammelheft Platz.

Der Altmeister Panini

Panini, das seit dem ersten EM-Album 1980 die offiziellen Rechte für bislang alle Fußball-Europameisterschaften besitzt, hat sein Angebot in diesem Jahr noch einmal ausgebaut: Neben den klassischen Stickern und Sammelkarten gibt es dieses Mal auch Sammelfiguren und Online-Produkte, die für noch mehr Umsatz sorgen sollen.

Das Unternehmen stellt vor Großereignissen wie Welt- und Europameisterschaften täglich bis zu acht Millionen Stickertütchen her. In den vergangenen 20 Jahren wurden insgesamt 150 Milliarden Aufkleber produziert. „Im Fußball ist die Sammlerschaft sehr besonders und lässt sich nicht auf andere Kollektionen übertragen“, sagt Redaktionsleiter Fabrizio Melegari. „Es gibt auch erwachsene Sammler, die sich an ihre Kindheit erinnern oder mit den Kindern gemeinsam sammeln.“

Die digitale Zukunft

Zwar will Panini mit Smartphone-Apps und Online-Angeboten auch den Trend zum Digitalen nutzen, aber an die Zukunft des gedruckten Albums glaubt man in Modena fest. „Es gibt auch Charakteristika des physischen Produktes, die das Digitale nicht erreichen kann“, sagt Melegari. „Die Freude, einen Spieler zu haben, ihn sofort in der Hand zu halten. Wenn man eine Tüte mit Sammelbildern öffnet, hört man das Geräusch des Papiers, man riecht die frisch gedruckten Sticker.“

Auch Marketing-Experte Fassnacht glaubt an den Erfolg der Aktionen und Angebote. „Fußballbilder sind ein hervorragendes Instrument zur Kundenbindung. Wir sind einfach Jäger und Sammler“, meint er. Fußball eigne sich dabei besonders gut, um die Sammelleidenschaft anzufachen: „Es ist ein sehr emotionales Thema.“ (dpa

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