Manuel Neuer vermisst den Punch

Angeschlagen und angefressen: Bayern plötzlich nur noch Jäger

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Manuel Neuer findet, der FC Bayern müsse mehr aus seinen Standardsituationen machen.

Dortmund - Von wegen Durchmarsch: Angeschlagen und angefressen nimmt Bayern München den Verlust der Tabellenführung hin.

Karl-Heinz Rummenigge verließ kopfschüttelnd den Ort des Geschehens, der restlos bediente Thomas Müller erteilte sich Redeverbot, und Philipp Lahm flüchtete in beißenden Sarkasmus. "Das ist doch schön für die Liga, das haben sich doch alle gewünscht", sagte Bayern Münchens Kapitän nach dem 0:1 (0:1) bei Borussia Dortmund. Die Tabellenführung ist verspielt, die ungewohnte Rolle des Jägers schmeckt den Bayern überhaupt nicht.

Nach 39 Spieltagen und insgesamt 425 Tagen schloss der Rekordmeister erstmals wieder eine Runde nicht als Spitzenreiter ab. Platz zwei hinter Überraschungsprimus RB Leipzig, nur zwei Siege aus den jüngsten sechs Spielen, den großen Rivalen Dortmund auf drei Punkte herangelassen: Die erste Niederlage in der Liga seit März saß, ein satter Wirkungstreffer. Statt eines weiteren Durchmarsches könnte ein knüppelharter Titelkampf warten.

"Die Leistung war gut, das Ergebnis nicht", sagte Trainer Carlo Ancelotti, der nach dem Spiel viel redete, dabei aber erstmals in seiner noch kurzen Bayern-Zeit recht ratlos wirkte. Bei aller angedeuteten Extraklasse ging dem Rekordmeister die Spielidee ab, es mangelte sowohl an Kreativität als auch am zwingenden Auftreten der Guardiola-Ära.

Müller gefrustet: „Ich habe schon genug geredet“

In der Anfangsphase mit dem Gegentreffer durch Pierre-Emerick Aubameyang (11.) als Tiefpunkt hatte der FC Bayern praktisch nicht stattgefunden, danach zwar mehr vom Spiel gehabt, großen Aufwand betrieben, der aber in letzter Konsequenz wirkungslos verpuffte. Sinnbildlich dafür stand der Auftritt Müllers.

Der nun seit 772 Bundesliga-Minuten torlose Angreifer erweiterte seine Frustsammlung, er rieb sich auf, haderte und schimpfte auf dem Feld, blieb nach Abpfiff aber weitgehend stumm. "Ich habe schon genug geredet", sagte er sichtlich angefressen.

"Wir haben es nicht verdient, hier keinen Punkt zu holen. Gespielt haben wir gut, aber eben nur bis bis zum Sechzehner. Der letzte Pass hat gefehlt, das muss besser werden", sagte dafür Stürmerstar Robert Lewandowski. "Uns hat die Effektivität gefehlt, es war einen Ticken zu ungenau", meinte Mats Hummels nach seiner unglücklichen Rückkehr an die alte Wirkungsstätte - vor dem Aubameyang-Treffer wurde er von Mario Götze getunnelt.

Auch Manuel Neuer vermisste den berühmten Bayern-Punch. "Wir haben viele Standardsituation. Und da muss man auch mal mit dem Willen und dem Glauben reingehen, ich will da jetzt ein Tor machen. So Benatia-Style oder wie van Buyten damals", sagte der Nationaltorwart. Die Fähigkeiten Medhi Benatias hatten den Bayern-Bossen nicht genügt, der marokkanische Verteidiger war im Sommer an Juventus Turin verliehen worden.

Ein Mentalitätsproblem also? Bei den Bayern? Zumindest sah sich Lahm bemüßigt, die Besinnung auf Grundlegendes anzumahnen. "Wir müssen immer wieder an die nächsten drei Punkte denken, wir müssen uns immer verbessern, offensiv wie defensiv, das ist das Wichtigste", sagte der Kapitän. Er selbst reagierte auf seine Auswechslung (68.) schmallippig: "Da müssen sie den Trainer fragen, ich bin nicht für Ein- oder Auswechslungen zuständig."

Der Champions-League-Trip ins tiefste Russland zum FK Rostow am Mittwoch (18.00 Uhr/Sky) könnte nun zur Charakterprobe für den Meister werden. "Ich weiß nicht, wie die Temperaturen da sind", sagte Lahm. Knapp unter dem Gefrierpunkt werden sie liegen - nicht nur deshalb könnte den Bayern ein frostiger Winter drohen.

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