Freispruch durch Ethikkommission

FIFA-Präsident Infantino: "Die Wahrheit hat sich durchgesetzt"

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Gianni Infantino hat gut lachen. Die Ethikkommission hat ihre Ermittlungen gegen den FIFA-Präsidenten eingestellt.

Zürich/Frankfurt - FIFA-Präsident Gianni Infantino behält seine weiße Weste. Die Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes beendete die Ermittlungen aufgrund fehlender Anhaltspunkte.

Die Ermittler fanden trotz der Eröffnung eines formellen Verfahrens gegen den FIFA-Präsidenten keine Anhaltspunkte für einen Verstoß gegen den Ethik-Code.

Die FIFA ist knapp am nächsten Skandal vorbeigeschrammt. Zwar hat die Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes in den vergangenen Wochen hinter verschlossenen Türen gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino (46) ermittelt und Dutzende Beweismittel ausgewertet - am Freitag wurde die Akte des Schweizers aber endgültig geschlossen. Die Ermittler fanden keine Anhaltspunkte für einen Verstoß gegen den Ethik-Code.

Allein die Verfahrenseröffnung, die unter fragwürdigen Umständen nicht öffentlich gemacht wurde, hinterlässt aber einen faden Beigeschmack. Die Untersuchungskammer befasste sich mit Infantinos nicht von der FIFA bezahlten Flügen, unter anderem zum Papst nach Rom, sowie offenbar eigenartigen Personalentscheidungen im Präsidialbüro und Infantinos Weigerung, endlich einen Vertrag mit der FIFA zu unterschreiben.

Diese Vorfälle hätten "auf den ersten Blick" einen Verstoß gegen verschiedene Artikel des Ethik-Codes nahegelegt, teilte die Kommission mit. "Nach gründlicher Prüfung aller maßgebenden Beweismittel" seien die Ermittler aber zu dem Schluss gekommen, dass die Vorwürfe ins Leere führten. Die Spruchkammer um den deutschen Richter Hans-Joachim Eckert (München) bestätigte die Entscheidung. Infantino behält seine weiße Weste.

Infantino: "Die Wahrheit hat sich durchgesetzt"

"Der Präsident dankt allen, die mit der Ethikkommission zusammengearbeitet haben, damit die Fakten auf den Tisch gekommen sind und sich die Wahrheit durchgesetzt hat", teilte die FIFA mit. Infantino werde sich nun "weiter auf die Fußballförderung und ihre Arbeit zur Verbesserung der Organisation konzentrieren".

Geleitet wurde das formelle Verfahren von Vanessa Allard (Trinidad und Tobago), die keine "relevanten Interessenkonflikt-Situationen mit Bezug zu Gianni Infantinos Position als FIFA-Präsident" feststellen konnte. Die Vorteile, von denen Infantino profitiert hat, "wurden im Lichte der anwendbaren FIFA-Bestimmungen nicht als ungebührlich erachtet".

Gehalt des FIFA-Präsidenten weiter geheim

Die Verwirrung um das Gehalt des neuen Präsidenten, das weiterhin ein Geheimnis bleibt, seien ebenso wie die Personalentscheidungen in dessen Büro "falls überhaupt" ein Fall für die Compliance-Wächter der FIFA, nicht für die Ethiker, die im vergangenen Jahr Infantinos Vorgänger Joseph S. Blatter (80) aus dem Verkehr gezogen hatten.

Öffentlich diskutiert wurde vor allem über den Flug nach Rom, den Infantino mit seiner Mutter und seiner Ehefrau am 30. Mai angetreten hatte. Fraglich und für die Ethikkommission wohl entscheidend war, wer den Trip in den Vatikan bezahlt hatte. Eine öffentliche Erklärung dazu gibt es nicht.

Generalsekretärin: Es dauert sechs Monate, bis die Reputation wieder hergestellt ist

Was von dem Verfahren hängenbleibt, werden die kommenden Wochen zeigen. Zwar hatte Infantino bereits Mitte Mai nach dem Kongress in Mexiko-Stadt verkündetet: "Die Krise ist vorbei!" Die Vorwürfe an sich, und die Tatsache, dass interne Dokumente, die diese belegen, an die Öffentlichkeit gelangten, zeigen aber, dass noch viel zu tun ist.

"Es wird mindestens sechs Monate dauern, bis die Reputation wieder hergestellt ist und sich Ergebnisse zeigen. Im Dezember sollten wir uns die Resultate in Sachen Weiterentwicklung des Fußballs, Gleichberechtigung, Nachhaltigkeit und Verbesserung des Arbeitsumfelds in der FIFA anschauen", hatte die neue FIFA-Generalsekretärin Fatma Samoura (53) zuletzt gesagt. Das könnte ein wenig zu optimistisch gewesen sein.

SID

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