Rechtsverteidiger-Position offen

Löw vor Italien-Spiel: Mutig oder vorsichtig?

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Benedikt Höwedes oder Joshua Kimmich? Löw hat zwei Optionen für rechts hinten.

Evian-les-Baines - Es ist die vakante Position im DFB-Team: Der Rechtsverteidiger. In diesem Turnier hat Joachim Löw zwei Spieler getestet. Wer spielt gegen Italien?

Update vom 4. Juli 2016: Deutschland hat sich den Sieg im Elfmeterschießen gegen Italien teuer erkauft. Zwei Verletzte und eine Gelbsperre sind die Folge für das EM-Halbfinale. So könnte die DFB-Elf am Donnerstag gegen Frankreich aussehen.

Deutschland gegen Italien: Wer spielt?

Mehr als eine Handvoll Rechtsverteidiger hat Jogi Löw seit dem Rücktritt von Philipp Lahm in den vergangenen zwei Jahren ausprobiert. Richtig überzeugen konnte den Bundestrainer dabei keiner, doch in den Testspielen und der ungefährdeten EM-Quali war das nicht weiter schlimm. Jetzt aber wartet der Ernstfall auf den Weltmeister. Die perfekte Lösung hinten rechts hat Löw immer noch nicht gefunden, deshalb muss er sich am Samstag für eine Variante entscheiden – mutig oder vorsichtig?

Mit Joshua Kimmich und Benedikt Höwedes bewerben sich zwei Kandidaten auf den regelmäßig vakanten Posten des Rechtsverteidigers. Beide haben bei dieser EM bislang zweimal auf der Position gespielt, dennoch könnten der junge FCB-Star und der erfahrene Schalker unterschiedlicher nicht sein. Kimmich, gelernter Mittelfeldspieler, interpretiert die Rolle offensiv, marschiert mit nach vorne und schlägt gefährliche Flanken. Höwedes, etatmäßiger Innenverteidiger, konzentriert sich vornehmlich auf die Defensive, bietet dem Gegner keine Räume und macht seine Seite dicht. Gegen tiefstehende Gegner wie Nordirland vertraute Löw – mit Erfolg – auf Youngster Kimmich, gegen Konkurrenten mit Offensiv-Qualitäten wie die Ukraine und Polen ließ er Höwedes ran. Auch der erledigte seinen Job zuverlässig.

Neuer warnt vor sehr schnellen Konterspielern

Das Problem: Mit den Italienern wartet jetzt allerdings eine eher defensive Mannschaft, die im Spiel nach vorne brandgefährlich ist. „Man muss sich daran orientieren, wie die gegnerischen Offensivspieler stehen“, erklärt Manuel Neuer. Der DFB-Keeper weiß um die Qualitäten der Südeuropäer: „Eder ist ein sehr schneller Spieler, der in die Tiefe geht.“ Genau wie seine Vorderleute stellt Neuer sich darauf ein. „Vielleicht stehe ich da auch ein bisschen höher als sonst. Darüber sprechen wir natürlich, im Detail wird der Bundestrainer darauf aber auch nochmal eingehen“, so der 30-Jährige.

Löw muss sich entscheiden, ob er den Druck auf die Defensive der Italiener mit Kimmich verstärkt oder sich zunächst auf die Sicherung des eigenen Tores beschränkt. „Wir wollen gar nicht erst, dass die Italiener ihr Spiel aufziehen können“, betont Neuer. Wie gefährlich das werden kann, musste Titelverteidiger Spanien bereits erfahren. Den ballbesitzorientierten Iberern gelang es trotz Offensivpower nicht, sich in der italienischen Hälfte festzusetzen. Bei den schnellen Gegenstößen der Squadra Azzurra mussten sie dann teilweise Mann-gegen-Mann verteidigen. Ein Szenario, dass Löw unbedingt vermeiden will. Es deutet einiges darauf hin, dass Löw sein Rechtsverteidiger-Roulette fortsetzt. Trotz seiner guten Auftritte droht Kimmich am Samstag die Bank. Höwedes’ Defensivqualitäten sind gegen die abgezockten Italiener in diesem Fall wichtiger.

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