Island, Ungarn und Co.

Außenseiter bei der EM: Das sind die kleinen Unruhestifter

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Ärgern die großen Fußballnationen: Außenseiter wie Island und Ungarn.

Aix-en-Provence - Die "Kleinen" nerven, die ersten "Großen" sind schon gestolpert: Die XXL-EM mit 24 Mannschaften ist bisher ein Erfolg - allen kritischen Stimmen im Vorfeld zum Trotz. Und das liegt vor allem an den Außenseitern.

Leidenschaftlich, respektlos und von euphorischen Fans getragen sind als "Zählkandidaten" eingestufte Mannschaften wie Island, Ungarn oder Nordirland die Farbtupfer des Turniers. Und sportlich finden die Favoriten nicht immer die richtigen Lösungen.

"Man hat gesehen, dass es für alle sogenannten Favoriten gegen kompakte Mannschaften schwierig ist, Lösungen zu finden", sagte Frankreichs Trainer Didier Deschamps. Und er muss es wissen. Zweimal war der Gastgeber kurz vorm Stolpern. Gegen Rumänien erlöste ein Traumtor von Dimitri Payet die Franzosen, gegen Albanien ein Doppelschlag kurz vor dem Abpfiff.

Kein Klassenunterschied bei der EM festzustellen

"Auf dem Platz haben wir bisher ein sehr aufregendes Turnier gesehen. Wie in der Qualifikation sind die Ergebnisse völlig unvorhersehbar", sagte UEFA-Interimsgeneralsekretär Theodore Theodoridis dem SID. Einige der weniger erfahrenen Mannschaften hätten bewiesen, "dass sie die traditionsreicheren Nationen herausfordern können. Das ist großartig zu sehen."

Zu den Kritikern zählte Oliver Bierhoff. "Die Turniere werden etwas verwässert", hatte der deutsche Teammanager vor dem EM-Start gesagt. Doch ein Klassenunterschied war bisher nicht festzustellen.

Island erkämpfte ein 1:1 gegen Portugal um Superstar Cristiano Ronaldo, Ungarn bezwang die favorisierten Österreicher. Dazu zeigten auch andere Außenseiter wie Albanien oder Nordirland trotz Niederlagen furchtlose Leistungen. Selbst Weltmeister Deutschland tat sich gegen die Ukraine über weite Strecken schwer. So wie Ronaldo nach dem verpassten Auftaktsieg gegen Island dürften sich viele Stars gefühlt haben. Der Superstar ließ seinem Frust hinterher freien Lauf. Island hätte nur verteidigt und würde "so nichts reißen".

Die Underdogs konzentrieren sich aufs Verteidigen

Eins vergisst Ronaldo: Um den großen Erfolg bei der EM geht es für die "Kleinen" gar nicht. Sie wollen vielmehr ihre Chance nutzen und sich auf der großen Bühne bestmöglich präsentieren. Mit allen Mitteln. Nicht umsonst konzentrierten sich die Underdogs bisher aufs Verteidigen.

Kein Wunder, dass bisher so wenig Tore fielen. Keine Mannschaft traf bis zum Donnerstag mehr als zweimal, kein Spiel war früh entschieden. "Der Fußball wird immer taktischer", sagte Albaniens Trainer Giovanni De Biasi: "Der Unterschied sind die Hingabe und die Organisation."

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Ein weiterer positiver Effekt der Aufstockung: Euphorisiert von der Qualifikation ihrer Teams sorgen die Fans der Außenseiter für Stimmung - im Gegensatz zu den Anhängern einiger anderer Teams auf friedliche Art: Deutschlands Gruppengegner Nordirland wurde trotz der Niederlage gegen Polen (0:1) lauter gefeiert als der Sieger.

Aus Island, mit 330.000 Einwohnern das kleinste EM-Land der Geschichte, sollen sich knapp 30.000 Fans nach Frankreich aufgemacht haben. Das wären neun Prozent der Bevölkerung. Zum Vergleich: Aus Deutschland müssten dafür 6,4 Millionen Menschen die DFB-Auswahl im Nachbarland unterstützen.

SID

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