Islands Stürmer

Langsam und dick? Sigthorsson verlässt das Abstellgleis

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Kolbeinn Sigthorsson.

Paris - Kolbeinn Sigthorsson war früher zu dick und zu langsam für die französische Liga. Nun soll er die Grande Nation aus dem Turnier schmeißen.

Zu dick, zu langsam - und tschüss. Kolbeinn Sigthorsson musste sich noch vor einem halben Jahr einiges anhören. Beim FC Nantes, seinem französischen Klub, wurde Islands EM-Stürmer schon so gut wie aussortiert, für die letzten fünf Ligaspiele vor der Fußball-EM stand er nicht mehr im Kader. "Er hat ein paar Kilos zu viel - und die falsche Einstellung", urteilte (Ex-)Trainer Michel Der Zakarian. Nach vier EM-Spielen steht fest: Stimmt nicht!

Spätestens mit seinem Siegtor im Achtelfinale gegen England (2:1) steht Sigthorsson in den Notizbüchern der Scouts aus ganz Europa - und bestimmt nicht nur wegen des Wortspiels mit seinem Nachnamen. Insgeheim zittern viele Fans des Gastgebers Frankreich vor dem Viertelfinale am Sonntag (21 Uhr/ARD) in St. Denis: Sigthorssons Island ist ein gefährlicher Außenseiter.

"Wir haben eine starke Mentalität", sagte die Nummer Neun mit den platinblonden Haaren: "Wir werden bis zum Schluss alles versuchen." Von wegen falsche Einstellung.

21 Tore in 43 Länderspielen

Nach dem 1:1 gegen Ungarn in der Vorrunde wurde der 26-Jährige zum "Mann des Spiels" gewählt, auch wenn ein anderer, der Ex-Hoffenheimer Gylfi Sigurdsson, den wichtigen Treffer erzielt hatte. "Ich möchte meiner Mannschaft in jedem Spiel so gut wie möglich helfen", sagte Sigthorsson.

In 43 Länderspielen hat der Stürmer, dessen Name im Übrigen nur zum besseren Verständnis für den Großteil der Europäer so prägnant auf dem Trikot steht (es heißt eigentlich "Sigþórsson"), sehr respektable 21 Tore erzielt. Streng übersetzt traf da jedes Mal der Sohn des Sigthor - im Isländischen gibt es fast keine Familiennamen.

Groß aufgefallen war Sigthorsson vor der EM aber nicht. Einigen deutschen Fans könnte er höchstens wegen seines Treffers beim 4:1 gegen die U21-Nationalmannschaft bekannt sein. Der Sieg der isländischen Jungspunde beendete 2010 den Traum von Olympia und der EM 2011 für die deutschen Junioren.

Form erst im Nationaltrikot wiedergefunden

Bei Ajax Amsterdam in den Niederlanden lief es für Sigthorsson im Anschluss mehr schlecht als recht - obwohl die Niederländer gut vier Millionen Euro für den No-Name-Stürmer aus dem hohen Norden an AZ Alkmaar überwiesen hatten. 2015 ging es für eine ähnliche Zahlung nach Nantes, wo die Kritik wuchs und Sigthorsson Leistungskurve fiel.

"Ich bin nicht zufrieden", sagte der Isländer, dessen älterer Bruder und heutige Berater Andri sich in seiner Jugend mal erfolglos beim FC Bayern versucht hatte, nach der Winterpause: "Ich war verletzt, der Trainer hat mir gesagt, ich müsse in Form kommen." So richtig geklappt hat das dann erst im Nationaltrikot.

Deshalb kommen aus Nantes inzwischen auch ganz andere Töne. "Wenn er mit der EM durch ist, hat er Urlaub", sagte der neue Trainer René Girard zuletzt: "Er hat einen Vertrag bis 2019. Ich weiß, seine letzte Saison war kompliziert. Der Klub erwartet mehr von ihm. Kolbeinn ist ein Spieler von internationalem Format. Wenn wir das dann sehen, werden wir es auch nutzen."

sid

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