Schwache Leistung gegen Polen

Götze enttäuscht erneut - Wechsel zu Topklub wackelt

München - Mario Götze bekommt gegen Polen erneut das Vertrauen des Bundestrainers - und enttäuscht wieder. Das einstige Wunderkind sucht seine Form. Wenn er so weitermacht, wird es nichts mit dem Vorhaben, sich bei der EM für einen Topklub zu empfehlen.

Spätestens, als die deutschen Fans im Pariser Stade de France mit Sprechchören die Einwechslung von Mario Gomez forderten, war klar: Das 0:0 der deutschen Nationalmannschaft gegen Polen war nicht das Spiel von Mario Götze. Man könnte auch sagen: wieder nicht.

Mario Götze: Nach schwacher Ukraine-Vorstellung erneut enttäuschend

Bundestrainer Joachim Löw hatte dem Offensivmann des FC Bayern auch im zweiten Gruppenspiel bei der EM 2016 vertraut und brachte ihn als sogenannte "falsche Neun" im Sturmzentrum. Obwohl sich die Fußballexperten von München bis Kiel einig waren, dass der technisch beschlagene, aber körperlich unterlegene Götze im Auftaktspiel gegen die Ukraine einen, sagen wir vorsichtig: eher bescheidenen Auftritt hingelegt hatte. Statistiker beobachteten sogar eine über 18-minütige Phase, während der Götze gegen die Ukraine überhaupt keinen Ballkontakt hatte.

Löw hingegen hielt am WM-Finaltorschützen fest. Zum einen, so seine Begründung, habe er "Götze gegen die Ukraine nicht so schlecht gesehen, wie das viele sagen". Zum anderen aus taktischen Überlegungen: "Von der Strategie her war klar, dass Mario Götze spielt. Gegen so eine Mannschaft musst du am Boden operieren, nicht mit hohen Bällen." Vielleicht hoffte Löw auch, dass Götze eine ähnliche Leistung abliefern würde wie in der EM-Qualifikation gegen Polen. Beim 3:1-Erfolg in Frankfurt im September 2015 steuerte er zwei Treffer, einen Pfostenschuss und eine Rettungstat auf der eigenen Torlinie bei - sein vielleicht bestes Spiel in den vergangenen zehn Monaten.

Boateng und Kroos kritisieren Offensivabteilung

In der 66. Minute holt Joachim Löw Mario Götze vom Platz.

Doch Löw wurde, wie die über 27 Millionen Zuschauer an den TV-Bildschirmen, wieder mal enttäuscht. Eine Flanke von Julian Draxler köpfte der 1,76 m große falsche Neuner aus guter Position über das Tor (4.). Und tauchte danach ab. Ein Torschuss kurz nach Wiederanpfiff, der allerdings eher zur Rückgabe zum polnischen Torhüter geriet, das war's. Nach 65 Minuten wurde der 24-Jährige gegen André Schürrle ausgewechselt. Unzweifelhaft war Götze nicht der einzige Offensivspieler, der weit unter Form agierte. Und oft ließen ihn seine Mitspieler auch in der Luft hängen und lieferten ihm nicht die nötigen Zuspiele. Dass Götze sich auf Fußballdeutsch den Hintern aufgerissen hätte, kann man hingegen auch nicht behaupten.

Die Kritik der Teamkollegen nach dem Schlusspfiff blieb zwar unpersönlich, zwischen den Zeilen verteilten Jerome Boateng und Toni Kroos aber einige Spitzen in Richtung der deutschen Spitze.

2x Note 2 - 4x Note 4 - Bilder und Einzelkritik

"Vor allem vorne war das zu wenig. Wir spielen bis zum letzten Drittel sehr gut und lückenfrei, aber dann kommen wir nicht am Gegner vorbei und werden nicht gefährlich. Wir haben kein einziges Eins-gegen-eins-Duell gewonnen vorne. Da müssen wir uns verbessern, sonst kommen wir nicht weit", schimpfte etwa Abwehrchef und "Man of the Match" Jerome Boateng. Und auch Toni Kroos kritisierte Götze zumindest indirekt: "Das Problem war, dass wir die Bälle vorne nicht fest gemacht haben, den Ball nicht kontrollieren konnten. Dann ist es halt schwer, zu vielen Chancen zu kommen."

Mario Götze neben der Spur - so wird's nichts mit Wechsel zu einem Topklub

Was ist nur los mit dem einstigen deutschen Wunderkind? Seit langem hat der mit soviel Talent Gesegnete kein richtig gutes Spiel mehr abgeliefert. Dabei ließ er Fußball einst so spielerisch einfach aussehen, wenn er gegnerische Abwehrreihen so problemlos durchschnitt wie ein warmes Messer ein kaltes Stück Butter.

Nagt die abgelaufene Saison noch an ihm, in der er bei FCB-Coach Pep Guardiola kein Land sah? Macht ihm das Wirrwarr um seinen Beraterwechsel und den Ja-oder-Nein-Verbleib beim Rekordmeister zu schaffen? Offiziell will sich Götze ja unter dem neuen Trainer Carlo Ancelotti ein Jahr vor Ablauf seines Vertrages durchsetzen. Von Klubseite sieht man dieses Unterfangen eher skeptisch, wenn man sich die Aussagen von FCB-Boss Karl-Heinz Rummenigge und den Wirbel um eine angebliche Drohung des Klubs, Götze nicht für die kommende Champions-League-Saison zu nominieren, betrachtet.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich Götze bei der EM mit guten Leistungen für einen anderen Topklub empfehlen wollte, der FC Arsenal soll sogar schon ein Angebot vorbereitet haben. Wenn Götze allerdings nicht schnellstmöglich eine Steigerung gelingt, dürfte das Interesse potenzieller Götze-Abnehmer relativ zügig sinken.

Pressestimmen: "Deutschland macht keine Angst"

Rubriklistenbild: © AFP

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