Ehepaar Seipp aus Waldeck-Frankenberg macht auf  Island Urlaub

„Die drehen hier durch“ - Nordhessen erlebten EM-Sensation auf Island

Fan-Freundschaft: Volker Seipp und Carmen Heiner-Seipp aus Oberasphe (2. und 3. von rechts) machen gerade Urlaub auf Island. Den Sieg der Isländer gegen England haben sie beim Public Viewing in Reykjavik mit den Einheimischen gefeiert. Foto:  nh

Reykjavik. „Das war der Wahnsinn“, sagt Volker Seipp. Der 45-Jährige, der aus Laisa stammt und in Battenfeld/Eder ein Sportgeschäft betreibt, hat im Fußball schon viel erlebt, hat selbst mit dem TSV Battenberg in der Oberliga gespielt.

Im Moment macht er mit seiner Frau Carmen Urlaub auf Island. Mit Tausenden Isländern haben sie am Montagabend in Reykjavik beim Public Viewing den Sensationssieg gegen England gesehen.

„Die drehen hier vollkommen durch“, erzählt Volker Seipp am Dienstag am Telefon. Schon während des Spiels hat er uns Fotos geschickt: jubelnde Fans vor der Großleinwand auf dem Hügel Arnarhóll, Menschen mit Wikingerhüten in den Nationalfarben Rot, Weiß, Blau. „Nach dem frühen Tor der Engländer waren die Isländer natürlich deprimiert, nach dem postwendenden Ausgleich war die Euphorie aber wieder da“, erzählt Volker Seipp. Und nach dem Sieg kannte der Jubel keine Grenzen. „Die haben hier richtig groß gefeiert, mit Autokorso und Feuerwerk. Und alles friedlich, ohne Randale.

Nicht an die EM gedacht

Das Ehepaar, das in Münchhausen-Oberasphe (Marburg-Biedenkopf) wohnt, macht neun Tage Urlaub auf Island. Als es den gebucht hat, hat es an die Fußball-EM nicht gedacht und schon gar nicht geglaubt, dass Island jetzt noch im Turnier sein würde. „Ich habe die Vorrundenspiele der Isländer zu Hause am Fernseher gesehen. Es ist schon toll, wie die spielen und kämpfen“, sagt Volker Seipp. „Auf dem Platz kehren die Spieler zu ihren Wurzeln zurück und werden zu Wikingern, hat unsere Reiseführerin gesagt.“

Und die Isländer sind optimistische Menschen: „Die schlagen wir heute, haben uns viele vor dem England-Spiel gesagt“, erzählt Seipp, der dem Außenseiter im Achtelfinale höchstens eine knappe Niederlage zugetraut hätte.

Auch in der Hauptstadt Reykjavik sei die positive EM-Stimmung nicht zu übersehen: „Hier hängen überall Fahnen mit übergroßen Fotos der Spieler an den Häusern, alle laufen in Trikots rum, auch die Verkäufer in den Geschäften.“ Während des Spiels gegen England sei jede gelungene Szene der Isländer von den Fans vor der Großleinwand bejubelt worden. „Unglaublich“, sagt Volker Seipp.

„Als wir gesagt haben, dass wir aus Deutschland kommen und hoffen, dass Island gewinnt, sind uns die Leute um den Hals gefallen.“

Halbfinale noch kein Thema

Das mögliche Halbfinale gegen Deutschland sei für die Isländer noch kein Thema. „Die haben erstmal nur gefeiert.“ Für das Viertelfinale am Sonntagabend gegen Gastgeber Frankreich traut Volker Seipp den Isländern jetzt alles zu. „So wie Griechenland bei der EM 2004“, sagt seine Frau Carmen.

Das Ehepaar wird das Viertelfinale leider nicht in Reykjavik sehen können, es fliegt am Sonntagmittag zurück nach Deutschland, will aber rechtzeitig zum Anpfiff vor dem Fernseher in Oberasphe sitzen, um seine Isländer anzufeuern. (jpa)

Von Jörg Robertson

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