Mit 30 geht es so richtig rund:

Kasseler steht vor Debüt in der tunesischen Nationalelf

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Ein Kasseler in Würzburg: Nej Daghfous auf der Alten Mainbrücke, die einen perfekten Blick auf die Festung bietet.

Würzburg. Ach ja, Geburtstag hat er auch noch. Am Samstag sogar. 30 wird er. Aber das ist wirklich nur Nebensache.

Im Moment läuft es für den aus Kassel stammenden Fußballer Nej Daghfous so gut, dass es keine Geburtstagsparty braucht, um in Feierlaune zu kommen. Daghfous hat eine Geschichte zu bieten, die ihn zu einem der interessantesten Profis dieser Tage macht

Das hat damit zu tun, dass er zu den Stützen bei den Würzburger Kickers zählt - und damit bei jenem Verein, der sein eigenes Märchen schreibt. Die Franken waren vor eineinhalb Jahren noch viertklassig, jetzt sind sie als Aufsteiger sehr ordentlich in die zweite Liga gestartet. Daghfous bekommt regelmäßig so hervorragende Kritiken, dass sich für ihn ein Traum erfüllt: Erstmals ist er für ein Länderspiel der tunesischen Nationalmannschaft berufen worden. Am Montag bricht er zum Lehrgang ins Heimatland seiner Eltern auf.

Erlebt er gerade die beste Phase seines Lebens? „Das kann man so sehen“, sagt er bei einer Tasse Cappuccino im Café Fred in der Würzburger Innenstadt, die sich seiner Stimmung anpasst: Am letzten Septembertag sind es 24 Grad, die Leute sitzen draußen, genießen die Güte des Wetters und die Schönheit dieser Stadt. Daghfous trägt Sonnenbrille. Das Leben ist gerade so richtig sein Freund.

Die harten Zeiten waren einmal. Keine zwei Jahre ist es her, da erlitt er einen Kreuzbandriss. Er spielte damals in Aalen, der Klub stieg in die dritte Liga ab, Daghfous stand ohne Vertrag da. Für einen Fußballer mit 28 kann solch eine Mischung schon mal das Karriereaus bedeuten. Der Offensivspieler aber kämpfte sich zurück. Die Würzburger Kickers und deren Trainer Bernd Hollerbach kamen wie gerufen.

„Womöglich habe ich so einen harten Hund gebraucht, der mich dressiert“, sagt Daghfous über Hollerbach, dem das „Wunder von Bernd“ mit den Würzburger Aufstiegen zugeschrieben wird und der einen Ruf als Schleifer hat. „Er ist aber noch härter als sein Ruf“, sagt Daghfous, der gerade vom Training gekommen ist.

Unter Hollerbach blüht er auf. Jetzt steht er so sehr im Fokus wie noch nie in all den Jahren Profi-Fußball. Im Café grüßen ihn die Menschen, in der örtlichen Zeitung war er gestern groß Thema - und heute ist er es wieder.

Würzburger Jubel: Nej Daghfous (Nummer 10) freut sich mit Rico Benatelli. 

Wer wird mit 30 halt noch Nationalspieler? „Ich habe ja selber kaum mehr daran geglaubt. All die Jahre zuvor habe ich immer gehofft, dass es mal klappt.“ Jetzt ist alles möglich: ein Einsatz nächste Woche gegen Guinea, eine Teilnahme am Afrika-Cup, eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft. Daghfous, der Mann, der in Kassels Nordstadt aufwuchs, ist nah dran am internationalen Geschäft.

Heute also runder Geburtstag. Aber dies eben nur am Rande. Morgen steht das Heimspiel gegen 1860 München an; seit dieser Saison treffen sich die Spieler der Kickers einen Tag vor jedem Heimspiel im Hotel und übernachten dort. Da fällt die Party flach. Aber das kann Daghfous locker verkraften.

Zur Person:

Nejmeddin Daghfous (30), genannt Nej, wurde in Kassel geboren. Seine Eltern stammen aus Tunesien. Er wuchs in der Kasseler Nordstadt auf, spielte beim TSV Wolfsanger und beim KSV Baunatal in der Jugend Fußball, ehe er eine Profikarriere einschlug. Er war zunächst für die Reserve von Manz 05 aktiv, stieg dann in den Profikader auf. Nach Abstechern zum SC Paderborn und Preußen Münster kehrte er zu Mainz 05 zurück, kam dort vornehmlich in der zweiten Mannschaft zum Einsatz, aber auch einmal in der Bundesliga. Er ging dann zum VfR Aalen, ehe er 2015 zu den Würzburger Kickers kam. Daghfous hat zwei Brüder, eine Schwester und ist ledig. Er wohnt in Würzburg.

Ein paar Fragen an Nej Daghfous:

Mourinho oder Guardiola? 

„Mourinho, er kommt eher nach Bernd Hollerbach.“

Berge oder Meer? 

„Meer, ich habe früher immer bei Verwandten in Tunesien Urlaub gemacht, da liegt das Meer mir näher.“

Wein oder Wasser? 

„Wasser, ich trinke generell keinen Alkohol.“

Nacht oder Tag? 

„Das ist schwer, aber ich sag mal: Tag.“

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