Sonntag, 21 Uhr, ZDF

Isländer fiebert Viertelfinale entgegen: „Nun nehmen sie uns ernst“

Ohne Nationaltrikot geht nichts: Der Isländer Siggi Narfi Birgisson mit seinen Island-Pferden. Foto: Fischer

Sichelnstein. So wirklich trennen will er sich von einem ganz bestimmten Kleidungsstück nicht. Siggi Narfi Birgisson trägt es in diesen Tagen fast nur noch - selbst beim Ausmisten im Stall.

Und es ist ein Jersey, um das ihn viele Fans beneiden, weil es längst ausverkauft ist: das Trikot Islands. Der 43-Jährige ist Isländer, schwebt derzeit auf einem Fußball-Hoch durchs Leben und fiebert Sonntag entgegen, wenn Island im EM-Viertelfinale im Stade de France in Paris auf Gastgeber Frankreich trifft (21 Uhr, ZDF). Dem Pferdezüchter ist die Begeisterung im Gespräch rund um die EM-Sensation Island anzumerken.

Birgisson über:

... das Nationateam: „Das, was da gerade in Frankreich passiert, ist die größte Sporterfahrung seit Olympia-Silber im Handball 2008. Die Isländer sind im Fußball immer belächelt worden. Nun nehmen sie uns ernst, unsere Gegner.“

... das Erfolgsgeheimnis der Mannschaft: „Es ist dieser unbedingte Wille, immer weiterzumachen, der das Team auszeichnet. Egal wie hoffnungslos die Lage auch ist. Isländer sind standfester als eine deutsche Eiche. Den Lohn, der mit den Tüchtigen ist, holen sich die Spieler gerade ab. Dazu kommt die Verbundenheit mit der Heimat. Unsere Nationalspieler sind isländische Musketiere.“

... die Trikots der Familie: „Das meines Sohnes hat mein Vater in Island besorgt. Er hat dafür mehrere Sportgeschäfte abgeklappert und vermutlich das letzte bekommen, das es dort zu kaufen gab. Denn es ist Jakob eigentlich zu groß. Aber so kann er reinwachsen. Meins habe ich rechtzeitig vor der EM übers Internet bestellt. Sonst hätte ich jetzt auch in die Röhre geguckt. Deutschland-Trikots haben wir natürlich auch.“

... den Fußballboom in Island: „Wahnsinn, was da passiert. Ich habe viel Kontakt nach Island. Und plötzlich rede ich selbst mit Leuten über Fußball, die nie etwas damit zu tun hatten. Fußball schafft eine eine neue, starke Verbundenheit bei uns. Die Nationalspieler sind unsere neuen Helden. Da gibt es keinen, der herausragt. Jeder hat seinen eigenen Lieblingsspieler. Meiner ist unser Kapitän Aron Gunnarson, ein echter Wikinger, während mein Sohn Sigthorsson am besten findet.“

... die neugewonnene Popularität seiner Heimat: „Es ist doch schön, dass Island mal anders auf der Landkarte wahrgenommen wird. Wir können nicht nur Handball und Vulkanausbrüche. Du hörst und siehst sonst so selten davon - und auf einmal ist es ständig im Fernsehen. Ich war zuletzt selbst vor sieben Jahren da, im Moment bekomme ich glatt Heimweh. Aber mit 40 Pferden im Stall ist eine Reise nicht so einfach.“

... sein Tipp fürs Viertelfinale: „Ein 1:0 reicht mir. Gastgeschenke müssen wir an Frankreich nicht verteilen. Die haben ja schon genug an uns verdient mit all den Touristen, die länger geblieben sind als geplant. Aber sollten wir verlieren, auch kein Problem. Unsere Mannschaft kann auch dann erhobenen Hauptes vom Platz gehen.“

... über ein mögliches Duell mit Deutschland im Halbfinale: „Ich kann nicht verlieren. Dann schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Island ist mein Ursprungsland, Deutschland mein Heimatland.“

Zur Person 

Siggi Narfi Birgisson (43) lebt mit mit seiner Frau Susanne (38), den Kindern Jakob (10) und Greta (5) und 40 Pferden - Isländer versteht sich - seit dem Umzug aus Niedermeiser vor vier Jahren im Staufenberger Ortsteil Sichelnstein. Er arbeitet als Pferdezüchter und Bereiter. Eigentlich wollte er Sportlehrer werden, doch dann kam er vor 23 Jahren nach Deutschland, um die Sprache zu lernen - und blieb. Seit acht Jahren ist nun die Region seine Heimat. Er sagt: „Deutschland hat mich weicher gemacht. Jetzt trage ich schon bei zehn Grad langärmelig."

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.