Brendan Kennedy hatte Geburtstag

Kasseler feiert Achtelfinal-Einzug seiner Iren in Lille: „Immer weitergesungen“

Begeistert nach dem Abpfiff: Das zeigt das Selfie von Brendan Kennedy, Holger Schmidt und Conor Gaylord (von links). Foto: privat

Viel geschlafen hat Brendan Kennedy nicht. Drei, dreieinhalb Stunden – mehr sind es für ihn in der Nacht zu Donnerstag nicht gewesen. Und das aus gutem Grund.

Denn der Ire, der in Kassel den Pub „Shamrock“ betreibt, hat seinen 40. Geburtstag gefeiert – auf eine Art und Weise, die er so schnell nicht vergessen wird: Bei der Europameisterschaft. Im Fußballstadion von Lille. Mit dem letzten Gruppenspiel zwischen seinen Iren und den Italienern. Und mit einer packenden Schlussphase: Denn in der 85. Minute köpft Robbie Brady die Iren ins Glück, ins Achtelfinale, an dessen Erreichen nicht mal mehr Optimist Kennedy in diesem Moment geglaubt hatte. „Das war Wahnsinn, so fantastisch. Wir haben eine halbe Stunde nach dem Abpfiff noch getanzt und gesungen und wollten gar nicht mehr aufhören.“ 

Auf der Rückreise am Tag danach, irgendwo auf der Autobahn in den Niederlanden, schwärmt der nun 40-Jährige immer noch. „Das war der beste Abend überhaupt. Es war schon toll, als wir Deutschland in der EM-Qualifikation geschlagen haben. Aber dieses Spiel in Lille, das ist nicht zu toppen.“

Natürlich, weil die Iren es doch noch in die K.o.-Runde geschafft haben. Zum ersten Mal bei einer EM überhaupt. Doch auch, weil die Stimmung im Stadion so eine besondere war. „Es war geil. Alles war friedlich, die Italiener um ums herum total nett, aber wohl auch überrascht von uns. Man hat nur Iren gehört, aber keine Italiener. Wir haben in einer Tour gesungen und nur gestanden. Auf den Sitzen hat es niemanden mehr gehalten“, schwärmt Kennedy. Und irgendwie logisch, dass Bradys Tor nur der Auftakt für eine dritte Halbzeit der ebenso unvergesslichen Art ist.

Nach dem Spiel zieht das Kasseler Freundes-Trio Kennedy, Holger Schmidt und Conor Gaylord mit den glückstrunkenen irischen Fans in die Innenstadt. Doch die Gastwirte haben wohl nicht damit gerechnet, von feierfreudigen Iren überlaufen zu werden. Vor den Kneipen bilden sich lange Schlangen. Kennedy hilft spontan als Barkeeper aus. Das Fassbier geht viel zu früh aus. „Die Wirte waren nicht auf uns Iren vorbereitet“, erklärt der 40-Jährige und lacht. Irgendwann zwischen fünf und sechs Uhr morgens liegt auch er dann mal im Bett.

Von den 60 Pint Guinness, die er von Kassel nach Lille mitgenommen hatte, hat Kennedy selbst nicht viele abbekommen. „Als wir am Hotel ankamen, sind wir mit anderen Iren ins Gespräch gekommen. Die hatten Durst und wir haben geteilt. So sind wir Iren eben.“

Im Achtelfinale wartet nun Gastgeber Frankreich. „Das wird die Revanche für die Niederlage in der WM-Qualifikation 2009“, sagt der Fußballfan. Damals hat Thierry Henry per Handspiel die Vorlage fürs entscheidende Tor gegeben, mit dem Irland letztlich die WM verpasste. „Wir werden defensiv stehen, auf Konter lauern und 1:0 gewinnen.“ Das hatte er übrigens auch vor dem Spiel gegen Italien getippt.

Und sollte es ein mittelschweres irisches Fußball-Wunder geben, wäre auch Kennedy wieder dabei: Denn: „Ich habe die Bestätigung der Uefa bekommen: Schafft es Irland ins Halbfinale, bin ich dabei.“

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