Rettig: "Kein Freifahrtschein"

Lienen zehrt bei St. Pauli noch vom Retter-Bonus

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Trainer Ewald Lienen hat mit St. Pauli seit zehn Spielen nicht gewonnen. Foto: Daniel Bockwoldt

Zehn Spiele ohne Sieg haben den FC St. Pauli ans Tabellenende der 2. Liga rutschen lassen. Noch hält der Club an Ewald Lienen fest. Doch der Bonus des Retters von 2014 könnte bald aufgebraucht sein.

Hamburg (dpa) - Ausgerechnet in seiner Jubiläums-Saison hat der FC St. Pauli in der 2. Fußball-Bundesliga die schlechteste Startbilanz der Vereinsgeschichte hingelegt.

Lediglich sechs Punkte hat der Kiezclub in seiner 25. Saison im Unterhaus nach 14 Spieltagen auf der Habenseite. Sechs Zähler ist die Nicht-Abstiegszone entfernt, doch Ewald Lienen genießt weiterhin das Vertrauen der Vereinsspitze.

"Die Frage nach dem Trainer stellt sich nicht", wiederholte Sportchef Andreas Rettig zuletzt in schöner Regelmäßigkeit. Auch Clubboss Oke Göttlich stellte sich stets vor den Coach. "Wenn es anders wäre, dann bräuchte man ja nicht weiterzuarbeiten", sagte Lienen vor dem Heimspiel am Freitag (18.30 Uhr) gegen den 1. FC Kaiserslautern.

Allerdings hat für Rettig die Geduld mit dem erfahrenen Coach Grenzen. "Wenn wir glauben, dass eine Entlassung zu einer Verbesserung der Situation führt, dann sind wir handlungsfähig", sagte er der "Hamburger Morgenpost". Dieser Zeitpunkt sei aber noch nicht erreicht. "Es gibt weder ein Ultimatum für Ewald Lienen, noch einen Freifahrtschein für ihn", stellte Rettig klar.

Die Fakten sprechen gegen den 63-Jährigen. Das 0:2 in Heidenheim war das zehnte sieglose Spiel in Serie, acht erzielte Tore sind Vereins-Minusrekord - so liest sich die Bilanz eines Absteigers. In der vorigen Saison hatten die Braun-Weißen nach 14 Runden bereits satte 26 Punkte (also 20 mehr als jetzt) auf dem Konto. Lienen & Co. war zwar bewusst, dass es schwer werden würde, die gestiegenen Erwartungen im Umfeld erfüllen zu können. "Aber niemand hätte gedacht, dass wir noch einmal in eine Situation wie vor zwei Jahren kommen würden", sagte Lienen.

Rückblick: Im Dezember 2014 übernahm er den Club ebenfalls auf Platz 18 und führte ihn noch auf den rettenden 15. Rang. Das erhofft man sich nun erneut von Lienen, der nicht nur dank seiner Retter-Aktion einen Bonus genießt. Auch bei den Fans ist er beliebt, weil er sich stets volksnah gibt und mit den Zielen des Kiezclubs identifiziert.

Trotz der im Fußball bei Erfolglosigkeit üblichen Gesetzmäßigkeit des Trainerwechsels wurde nicht Lienen, sondern am 1. November Thomas Meggle freigestellt. Dessen Sportchef-Job erledigt Geschäftsführer Rettig seither mit. Meggle hatte es versäumt, den Verlust der Leistungsträger Marc Rzatkowski (RB Salzburg), Marcel Halstenberg (RB Leipzig) und Lennart Thy (Werder Bremen) zu kompensieren.

Den Ausfall von bis zu acht Leistungsträgern auf einmal konnte Lienen mit dem zu unausgewogen besetzten Kader nicht auffangen. Das hält man ihm zugute. Auch wenn gegen den FCK erneut sechs Mann fehlen, bleibt er kämpferisch. Die Pfälzer seien ein gutes Beispiel, wie schnell es aufwärts gehen könne, wenn man zusammenhalte und intensiv arbeite. "Die hatten vor ihren letzten fünf Spielen auch nur sechs Punkte wie wir. Und dann haben sie dreimal gewonnen und zweimal Unentschieden gespielt." Solch eine Dynamik will er nun auf St. Pauli entwickeln.

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