Sechs wurden Weltmeister

Die "Klasse von 2009" als U21-Vorbild

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Die "Klasse von 2009".

Prag - In Tschechien greift die deutsche U21 nach dem EM-Titel. Vorbild ist die „Klasse von 2009“, die später sechs Weltmeister stellte - aber auch Bankdrücker in der 3. Liga.

Natürlich kennen sie alle die „Klasse von 2009“. Jenes Team, das vor sechs Jahren unter Horst Hrubesch U21-Europameister wurde und im vergangenen Sommer das Gerüst der Weltmeister-Elf von Rio stellte. „Für uns sind das Vorbilder“, sagt Leonardo Bittencourt und spricht aus, was wohl jeder seiner Teamkollegen denkt: „Wir haben die Chance, auch da anzukommen. Davon träumt die ganze Mannschaft.“

Zwei Siege fehlen der heutigen U21 noch zum EM-Titel in Tschechien, es wäre der erste große Schritt in den Spuren der Vorbilder. Ihre Namen: Jerome Boateng, Manuel Neuer, Mats Hummels, Benedikt Höwedes, Sami Khedira und Mesut Özil. Sie alle holten 2009 in Schweden als Junioren den EM-Titel und stemmten fünf Jahre später den WM-Pokal in die Höhe.

„Diese Jungs sind wie wir über die U21 gekommen. Weltmeister zu werden ist sicher ein unbeschreibliches Gefühl“, sagt Mittelfeldspieler Bittencourt und träumt. Hrubesch traut seinem jetzigen Team um Marc-Andre ter Stegen, Emre Can und Kevin Volland Ähnliches zu. „Es sind wieder einige dabei, die den Sprung nach oben schaffen können. Ob wieder sechs davon Weltmeister werden, wird die Zeit zeigen“, sagt der Trainer.

Nicht jeder schafft den Sprung

Doch es gibt auch andere Beispiele. Nicht jeder aus der „Klasse von 2009“ erklomm die Karriereleiter. Sandro Wagner etwa, der beim 4:0 im Endspiel gegen England zwei Tore erzielte, suchte sein Glück nach der EM in Duisburg, Bremen, Kaiserslautern und jetzt Berlin, ohne es richtig zu finden. Sein heutiger Marktwert: 800.000 Euro. Neuer, Özil und Boateng liegen bei 40 Millionen oder mehr.

Zwei Spieler liefen in der vergangenen Saison sogar in der 3. Liga auf: Dennis Grote schaffte mit dem MSV Duisburg immerhin den Aufstieg, Torhüter Florian Fromlowitz saß beim SV Wehen Wiesbaden fast nur auf der Bank. „Die letzten drei Jahre gingen schnell. Von der 1. in die 3. Liga, als zweiter Torwart. Die Zeit in Dresden war der absolute Tiefpunkt“, sagt Fromlowitz, 2009 in Schweden Ersatzmann von Neuer.

Marin wird zum Wandervogel

Oder Marko Marin. Der Top-Talent wechselte nach der EM von Gladbach nach Bremen und 2012 sogar zu Chelsea. Dort wurde er zum Wandervogel und an den FC Sevilla, AC Florenz und zuletzt RSC Anderlecht ausgeliehen. Auch Patrick Ebert (Spartak Moskau), Chinedu Ede (Anorthosis Famagusta/Zypern) und Ashkan Dejagah (Al-Arabi/Katar) waren zuletzt in exotischeren Gefilden unterwegs.

Und dann sind da noch vier Spieler, die nach der EM sogar das DFB-Trikot auszogen, um für ein anderes Land zu spielen. Sebastian Boenisch (Polen), Fabian Johnson (USA), Dejagah (Iran) und Änis Ben-Hatira (Tunesien) schafften es nie in das Notizbuch von Joachim Löw und müssen sich heute eine andere Hymne vor Spielbeginn anhören als damals, im Sommer 2009 in Schweden.

Weltmeister oder Bankdrücker in der 3. Liga? Wohin der Weg der jetzigen U21-Generation führt, wird die Zukunft zeigen. Zunächst gilt es aber, den EM-Titel zu gewinnen. So wie damals die die „Klasse von 2009“.

SID

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