Fußballclubs leihen sich öfter Geld von ihren Anhängern

Milliarden-Geschäft Bundesliga: Der riskante Deal mit dem Fan-Geld

Fußballvereine suchen im Milliardengeschäft Bundesliga stets nach neuen Geldquellen. Immer öfter zapfen sie eine emotional aufgeladene Geldquelle an: ihre Fans.

Am heutigen Montag startet zum Beispiel die Zeichnungsfrist für die neue Fan-Anleihe des FC Schalke 04. Der Club will sich von seinen Anhängern 50 Millionen Euro leihen und verspricht bis zu fünf Prozent Rendite. Das Geschäft klingt verlockend, kann aber für Fans auch riskant sein. Ein Überblick.

Was steckt hinter den Fan-Anleihen? 

Gut ein Dutzend Fußballvereine hat Schulden bei den eigenen Fans. Für die Clubs haben die Schuldscheine den Vorteil, dass ihnen nicht ständig ein Banker über die Schulter schaut. Geworben wird mit hohen Zinsen und einer „emotionalen Rendite“ – denn: Der leidenschaftliche Fan kann so den nächsten Millionentransfer mit ermöglichen.

Was macht diese Anleihen so verlockend? 

MSV Duisburg: Fan-Anleihe als Schmuckurkunde.

Die Zinsen sind gerade im Niedrigzinsumfeld enorm. Die Papiere der Vereine und ihrer Fußballfirmen bieten rund fünf bis sechs Prozent – also deutlich mehr als Sparbuch und Festgeld. Anlegerschützer warnen aber, dass es sich bei den Papieren kaum um eine klassische Altersvorsorge handelt. „Ein hoher Zinssatz bedeutet immer auch ein erhöhtes Risiko“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. „Solche Rendite auch zu erwirtschaften, ist ja nicht ganz einfach.“

Gibt es bereits Erfahrungen mit diesen Fan-Anleihen? 

Ja. Auffällig: Gerade wenn die Not groß ist, darf der Anhänger das Portemonnaie aufmachen.

Beispiel 1. FC Köln: Der Club war 2012 gerade abgestiegen und stand vor einem sportlichen wie finanziellen Scherbenhaufen. Und doch holte sich der FC mit dem Slogan „Liebe verzinst sich“ insgesamt 12,5 Millionen Euro bei Fans und Investoren. Beim MSV Duisburg verlief das nicht ganz so rund. Wegen eines schleppend verlaufenden Schuldenschnitts und eines Zwangsabstiegs sammelten die „Zebras“ nur 0,7 der geplanten fünf Millionen ein.

Kann sich solch eine Anleihe für den Verein überhaupt lohnen? 

Im Prinzip schon, weil die meisten Anleihen als Schmuckurkunden die Wohnzimmerwand zieren. Wer den jährlichen Zinscoupon mit dem aufgedruckten Konterfei einer Spielerlegende dann nicht abschneidet und zur Bank geht, bekommt auch keine Zinsen. Und ob am Ende der Laufzeit die ganze Urkunde wieder in Geld getauscht wird, ist auch fraglich. Genau darauf spekulieren natürlich auch die Vereine.

Welchen Ruf haben die Fan-Anleihen in der Finanzwelt? 

Einen eher durchwachsenen. Als Alemannia Aachen vor mehr als drei Jahren in die Insolvenz musste, fiel die Rückzahlung des 2008 ausgegebenen Schuldscheins „Tivoli-Anleihe“ aus. 4,2 Millionen Euro hatten die Anhänger dem Verein für den Stadionbau geliehen.

Wer ist denn der größte Schuldenmacher? 

Krösus unter den Bundesliga-Schuldnern ist der FC Schalke 04. Ende Mai kündigten die Königsblauen an, die bestehende 50-Millionen-Euro-Anleihe vorzeitig zurückzahlen zu wollen und dafür wiederum zwei neue Anleihen in insgesamt gleicher Höhe zu planen.

Ist Schalke 04 da eine Besonderheit? 

Keineswegs. Auch der klamme Hamburger SV könnte im Sommer für die Rückzahlung diverser Schulden und für die in drei Jahren fällige 17,5-Millionen-Euro-Anleihe – und laut Bild-Zeitung wohl auch für neue Spieler – 40 Millionen Euro über Anleihen von seinen Fans einsammeln.

Wenn das Geld plötzlich weg ist

Dass Fananleihen riskant sein können, zeigt das Beispiel des 1. FC Kaiserslautern. Der finanziell angeschlagene Zweitligist hatte sich 2013 sechs Millionen Euro von seinen Fans geliehen. „Ich kann jedem Fan versichern: Diese sechs Millionen werden nicht angetastet“, sagte damals der inzwischen zurückgetretene Aufsichtsratsvorsitzende Dieter Rombach. Als kürzlich der neue Finanzvorstand Michael Klatt (Foto) einen öffentlichen Kassensturz machte, musste er einräumen, dass Teile der Fananleihe, die zum Ausbau des Nachwuchsleistungszentrums aufgenommen worden war, weg sind. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung zitiert Klatt: „Die Reste der Fananleihe waren am 31. März nicht mehr vorhanden.“ Eigentlich hätte er 1,9 Millionen Euro erwartet. In der Sommerpause muss sich die Vereinsführung also nicht nur Gedanken um die Kaderplanung für die kommende Saison machen. Sie muss auch so langsam klären, wie sie ihren Fans die sechs Millionen Euro zurückzahlen kann. Denn die werden 2019 fällig.

Stichwort: Anleihe

Anleihen sind nichts anderes als eine Form des Kredits. Sie gehören zu den Forderungspapieren, die dem Gläubiger das Recht auf Rückzahlung sowie auf vereinbarte Zinsen in einem Zeitraum einräumen. Typischerweise dienen Anleihen dem Schuldner zur Finanzierung und dem Gläubiger zur Kapitalanlage. (mit dpa)

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Rubriklistenbild: © dpa

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