„Es gibt auch bei uns mal Konflikte"

Mönchengladbachs Trainer André Schubert im Interview

Europa im Blick: Gladbachs Trainer André Schubert. Foto: dpa

Kassel. Für Borussia Mönchengladbach geht es schon früher rund als für manch anderen Fußball-Bundesligisten. Zuerst geht es für den Trainer in seine Heimatstadt: Kassel.

Mitte August steht für die Rheinländer die Qualifikation für die Champions League an.

Erst einmal gastiert die Mannschaft von André Schubert aber in der Heimatstadt des Trainers: Am Mittwoch bestreitet Mönchengladbach ein Testspiel beim Regionalligisten KSV Hessen Kassel. Anpfiff im Auestadion: 18 Uhr. Im Gespräch äußert sich Schubert aber vor allem über seine Mannschaft.

Herr Schubert, Sie sind jetzt seit knapp einem Jahr Cheftrainer der Profis von Mönchengladbach. Was hat sich in diesem Jahr in Ihrem Leben verändert? 

Schubert: Nicht so wahnsinnig viel. Wie in den vergangenen Jahren auch ist meine Tätigkeit glücklicherweise mit Fußball verbunden. Und meine Arbeit darf ich bei der Borussia nun auf sehr hohem Niveau machen. Natürlich sind daher die Rahmenbedingungen noch einmal besser und professioneller geworden als etwa zu Zeiten, in denen ich in der zweiten Liga Trainer war. Aber das Eigentliche ist geblieben: Es dreht sich alles um Fußball.

Aber Sie stehen noch mehr im Fokus, die mediale Aufmerksamkeit hat zugenommen, oder? 

Schubert: Man steht öfter vor der Kamera, das ist richtig. Das gehört zu dem Job bei einem Bundesligisten dazu.

Ist das dann ein angenehmer oder unangenehmer Nebeneffekt? 

Schubert: Von dieser Aufmerksamkeit und von der Berichterstattung leben wir, sie macht es ja auch spannend. Nicht zuletzt deswegen gehen jedes Wochenende Hunderttausende Menschen in die Stadien, und Millionen schauen sich die Spiele im Fernsehen an. Für einen selbst ist diese gesteigerte Aufmerksamkeit manchmal etwas anstrengend, in der Regel aber auch positiv und nett. Gerade das Zusammenspiel mit den Fans macht hier in Mönchengladbach sehr viel Spaß.

Ihr Spieler Christoph Kramer hat jüngst gesagt, er habe nach seiner Rückkehr zur Borussia das Lachen gar nicht mehr aus dem Gesicht bekommen. Was macht denn Mönchengladbach so besonders? 

Schubert: Die Borussia ist ein sehr familiärer Klub - ein Verein, bei dem in allen Bereichen sehr bodenständig gearbeitet wird. Es herrscht ein sehr guter und offener Umgang miteinander. Die Profis treffen jeden Tag auf die Jugendlichen der Nachwuchsteams, wir Trainer sind ständig in Kontakt. Es kommt nicht von ungefähr, dass der Klub zum dritten Mal in Folge zum familienfreundlichsten Verein der Bundesliga gewählt worden ist. Was hinzukommt: Die Borussia ist durch und durch finanziell gesund. Sie hat ein eigenes Stadion, eine eigene Trainingsanlage, und an der Infrastruktur wird immer weiter gefeilt.

Christoph Kramer hat zugleich gesagt, Gladbach habe die netteste Mannschaft, die er je kennengelernt habe. Fällt es da schwerer, als Trainer auch mal autoritärer zu sein? 

Schubert: Nett heißt ja nicht, dass etwa nach nicht so guten Spielen keine Kritik geübt werden darf. Sie gehört zum Alltag dazu. Chris meint wahrscheinlich, dass wir eine Mannschaft haben, die extrem sozialkompetent ist, und alle Spieler den Blick für den Nebenmann haben. Dieses harmonische Verhältnis führt aber auch nicht dazu, dass wir keinen Konkurrenzkampf haben. Und wie in jeder Mannschaft gibt es auch bei uns mal Konflikte und Reibungspunkte. Und das muss auch so sein.

Gladbach ist trotz des Fehlstarts in der vergangenen Saison und trotz vieler Verletzter noch Vierter geworden. Was ist denn in dieser Saison zu erwarten? 

Schubert: Wir haben grundsätzlich das Ziel, einen einstelligen Tabellenplatz zu erreichen. Das ist die Basis. Was man beachten muss: Es gibt einige Vereine, die noch deutlich anders aufgestellt sind als wir - Bayern, Dortmund, Schalke, Wolfsburg, Leverkusen. Aber wenn vor uns jemand schwächelt, wir am Limit agieren und das nötige Matchglück haben, können wir eine gute Rolle spielen. Wir haben auf alle Fälle einen guten Kader.

Ist es ein Vorteil oder ein Nachteil, dass noch vor dem Bundesligastart zwei wichtige Spiele anstehen, die darüber entscheiden, ob Gladbach Champions League oder Europa League spielen wird? 

Schubert: Wir wollten auf jeden Fall international dabei sein, das haben wir glücklicherweise geschafft. Und das wird sich auch nach diesen beiden Spielen nicht ändern. Natürlich wollen wir in die Champions League, weil das was Außergewöhnliches ist. Aber wir würden auch die Europa League dankbar annehmen, weil wir wissen, wo wir herkommen: Wir haben in der vergangenen Saison schließlich Historisches geschafft, indem wir nach den fünf Niederlagen zu Beginn noch einen internationalen Platz erreicht haben. Das kann uns keiner mehr nehmen.

Sie haben vor knapp einem Jahr immer wieder betont, dass Sie die Bundesliga nicht bräuchten, um glücklich zu sein. Hat sich daran nun eigentlich etwas geändert? 

Schubert: Daran hat sich nichts geändert, nein.

Im Rahmen des Interviews äußerte sich Schubert auch zum KSV Hessen Kassel.

Herr Schubert, bleibt als Gladbach-Trainer eigentlich noch Zeit, sich über den Regionalligisten KSV Hessen Kassel zu informieren? 

Schubert: Klar, ich habe ja noch Freunde und Bekannte in Kassel, die mich informieren. Und natürlich schaue ich immer, wie der KSV gespielt hat. Man ist ja nicht nur beschränkt auf seinen Verein.

Aber Ratschläge in schlechten Zeiten gibt es nicht mehr, oder? 

Schubert: Wenn mich jemand fragt... Wobei: Rat geben kannst du ja auch nur, wenn du dich ein bisschen auskennst. Und der Blick für die Regionalliga Südwest fehlt mir im Moment, weil ich einfach zu stark eingespannt bin.

Zur Person: 

André Schubert (45) kommt aus Kassel. Er studierte an der Uni Kassel Sport und Germanistik und ist ledig.

Stationen als Spieler: Rothwesten, Lohfelden, Wolfsanger, Vellmar, KSV Baunatal.

Stationen als Trainer: Er arbeitete für Auswahlmannschaften beim DFB, dann bei den Zweitligisten Paderborn (2006 - 2011) und FC St. Pauli (2011 - 2012), ehe er zum DFB zurückging und dort die U15 trainierte. Zur Saison 2015/16 übernahm Schubert das Traineramt bei der U 23 von Borussia Mönchengladbach. Im September 2015 ersetzte er zunächst bis auf Weiteres den zurückgetretenen Lucien Favre als Cheftrainer. Im November wurde er Cheftrainer.

Wo gibt es Karten im Vorverkauf? 

Eintrittskarten für die Regionalliga-Generalprobe der Löwen gibt es in der Geschäftsstelle des KSV Hessen Kassel (Damaschkestraße 35), im Fan Point Hüther am Kasseler Friedrichsplatz und im Internet über die Ticket-Homepage der Kasseler Löwen.

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