Portugiesischer Superstar

Gockel mit Herz und Willen: Warum Ronaldo manchmal nervt und auch beeindruckt

Kassel. Ein Phänomen. Kein Fußballer polarisiert so wie Cristiano Ronaldo. Hier der Selbstdarsteller – da der Vollblutprofi.

Am Sonntag im Stade de France von Saint-Denis kann sich der Superstar seinen großen Traum erfüllen und mit der portugiesischen Nationalmannschaft einen Titel gewinnen. Das EM-Endspiel gegen Frankreich beginnt um 21 Uhr (live in der ARD). Vor dem Finale werfen wir einen Blick auf den 31-Jährigen. Warum Ronaldo nervt und zugleich beeindruckt:

Die Posen: Wenn er sich vor einem Freistoß in Position bringt, werden Erinnerungen wach an frühere Western. Ronaldo, der Cowboy. Viel Show vor einem Schuss, der selten von Erfolg gekrönt ist. Noch nerviger ist seine Jubel-Pose wie nach dem 1:0 gegen Wales im Halbfinale. Da vollführte er den eingesprungenen Cowboy, obwohl ihn seine Teamkollegen längst gefeiert hatten. Sobald die Kameras auf ihn gerichtet sind, muss sich Ronaldo inszenieren. Und es drängt sich die Frage auf: Warum macht er das nur?

Das Gejammer: Ronaldo muss viel einstecken. Aber fast jedes Mal, wenn er zu Boden geht, folgt wildes Gestikulieren mit weinerlichem Blick. Von dem Gejammer lassen sich Schiedsrichter kaum beeinflussen. Den neutralen Zuschauer stört es nur. Es drängt sich die Frage auf: Warum macht er das?

Die Marke: CR7 – Ronaldo ist eine Marke. Eigene Schuhkollektion, selbst designte Kleidung, Parfüm, CR7-Museum mit einer Ausstellung über das eigene Leben und, und, und – Ronaldo inszeniert sich auch fernab des Platzes. Kein Fußballer hat so viele Fans bei Facebook (etwa 114 Millionen) wie der Portugiese. Die Haare sind stets akkurat gegelt, er trägt vorzugsweise Sonnenbrille, fährt protzige Autos und wirkt bei all dem wie ein eitler Gockel. Es drängt sich die Frage auf: Warum macht er das?

Die Tore: Bei all der Inszenierung gerät in Vergessenheit, dass Ronaldo ein exzellenter Fußballer ist. Seine Rekorde und Tore sprechen für sich. Nur ein Beispiel: In 236 Spielen in der Primera Division hat er für Real Madrid 261 Treffer erzielt. Und nebenbei: Der Kopfball zum 1:0 gegen Wales war extrem beeindruckend.

Das Engagement: Ronaldo wirft sich nicht nur in Posen, er zeigt auch Herz. Er spendet regelmäßig für wohltätige Zwecke, und zwar in Millionenhöhe. Auf seiner Heimatinsel Madeira hat er eine Stiftung für sozial Benachteiligte ins Leben gerufen. Ronaldo verzichtet auf Tattoos, weil er regelmäßig Blut spendet – nach einer Tätowierung ist Blutspenden verboten, außerdem besteht ein Risiko für Infektionen. Und: Das einrasierte Muster in seiner Frisur ist kein modischer Schnickschnack. Damit zeigt er Verbundenheit mit einem krebskranken Jungen – das Muster im Haar symbolisiert die Operationsnarben. Auch das ist beeindruckend.

Die Einstellung: Die Teamkollegen loben Ronaldo in höchsten Tönen, vor allem dessen vorbildliche Einstellung. Er ist der Erste beim Training und legt oft Sonderschichten ein. Sein durchtrainierter Körper zeugt von unbändigem Willen. Der Mann ist 31 Jahre alt, erscheint aber wie ein 25-Jähriger. Ronaldo ist Profi durch und durch. Und wie er bei dieser EM gleich mehrmals für Selfies bereitstand, zeigt, dass er auch ein Star zum Anfassen ist. Das war menschlich und beeindruckend.

Von Robin Lipke und Lena Krause

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