Rauball vor Wiederwahl als Ligapräsident

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Reinhard Rauball steht vor seiner Wiederwahl als Liga-Präsident. Foto: Alex Grimm

Reinhard Rauball wird dem deutschen Profifußball auch in Zukunft als Ligapräsident vorstehen. In seiner vierten Amtszeit wird der Jurist einige wichtige Debatten moderieren müssen. Bei der Versammlung der 36 Clubs aus Erster und Zweiter Liga stehen diese aber noch nicht an.

Berlin (dpa) - Wenn sich der deutsche Profifußball in Berlin zur alljährlichen Generalversammlung trifft, dann wird nach außen hin wieder viel Harmonie demonstriert. Die Wiederwahl von Ligapräsident Reinhard Rauball findet ebenso ohne Gegenkandidat statt wie die seines Stellvertreters Peter Peters.

Auch für den aus der Zweiten Liga entsandten Vize-Präsidenten wird man sich bis zum Beginn der Sitzung im Hotel Intercontinental am Mittwoch-Vormittag auf eine Lösung verständigt haben - für öffentlich ausgetragene Kampfabstimmungen sind Sportfunktionäre nicht gemacht. Helmut Hack von Greuther Fürth soll diesen Posten vom Mainzer Harald Strutz übernehmen, der auf eine neue Kandidatur verzichtet.

Der Großteil der Tagungsordnungspunkte dürfte daher weitgehend geräuschlos über die Bühne gehen. Dabei gibt es im deutschen Fußball gerade durchaus brisante Themen - die in der Hauptstadt (offiziell) aber nicht auf der Tagesordnung stehen.

Vor allem die zukünftige Verteilung der Fernsehgelder ab der Saison 2017/18 wird den Fußball in den kommenden Monaten beschäftigen. Zu unterschiedlich sind die Interessen zwischen Erster und Zweiter Liga, wie die insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro, die ab Sommer des kommenden Jahres aus dem neuen TV-Vertrag garantiert sind, verteilt werden.

Das Unterhaus will auch in Zukunft eine Festschreibung der Ausschüttung nach dem Schlüssel 80:20 Prozent zugunsten des Oberhauses festschreiben. Für die 18 Zweitligisten würde dies eine gewaltige Steigerung der Erlöse bedeuten, von derzeit etwa 140 Millionen Euro hin zu künftig 230 Millionen Euro.

Doch wenn es ums Geld geht, stößt Solidarität meist an seine Grenzen - das ist auch im Profifußball so. Die Erstligisten verweisen auf die relativ geringe Bedeutung der Zweiten Liga für den TV-Deal und wollen den Zweitliga-Anteil bei wie bisher 140 Millionen Euro deckeln.

Vor allem der FC St. Pauli mit Geschäftsführer Andreas Rettig an der Spitze hat sich zuletzt zum Anführer im Kampf um die Interessen der Zweiten Liga aufgeschwungen. In einem Brief an die Deutsche Fußball Liga hatte Rettig, einst selbst in der Frankfurter Ligazentrale tätig, angeregt, künftig die Mitgliederversammlung des Ligaverbandes und nicht mehr den neunköpfigen Vorstand über die Verteilung der TV-Millionen entscheiden zu lassen.

Die Kritik des Fußball-Establishments ließ nicht lange auf sich warten. Rauball bezeichnete es "absolut unangebracht, die Zusammensetzung und Statik des Ligavorstandes anzugreifen". Auch Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge wies Rettig zurecht. "Vielleicht sollte Rettig einfach das Vertrauen aufbringen, das der DFL zusteht."

Am Mittwoch dürfte das Thema auf den Fluren diskutiert werden, darüber entschieden wird aber erst im Laufe der kommenden Monate. Gleiches gilt für die Verlängerung des Grundlagenvertrages mit dem Deutschen Fußball-Bund, die wegen der WM-Affäre harte Verhandlungen erwarten lässt, und die den internationalen Fußball betreffenden Punkte: Wie ist der deutsche Fußball in Zukunft in UEFA und FIFA vertreten? Wen wünschen sich die Clubs als neuen UEFA-Präsidenten? Und wie positioniert sich der Vereinsfußball, wenn die FIFA ihre Weltmeisterschaft in Zukunft, wie zu erwarten ist, auf 40 Teilnehmer aufstockt? Sportpolitisch steht der Fußball vor spannenden Monaten. Am Mittwoch wird es aber noch einmal harmonisch zugehen.

Struktur der DFL

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