Gedenken in Paris

Rumänen-Trainer Daum in Rage wegen Böller-Wurf

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Robert Lewandowski muss nach der Böller-Attacke medizinisch behandelt werden, kann aber weiterspielen. Foto: Robert Ghement

Die Niederlage gegen Polen war für Rumäniens Trainer Christoph Daum schlimm genug, mehr noch regt ihn ein Böllerwurf auf. In England wird nach der WM-Qualifikation indes über Interimstrainer Gareth Southgate diskutiert. Und Frankreich erlebte einen symbolträchtigen Abend.

Berlin (dpa) - Rumäniens Nationaltrainer Christoph Daum musste sich sichtlich zurückhalten. Der einstige Bundesliga-Coach hatte nicht nur das 0:3 gegen Polen in der WM-Qualifikation zu verkraften, in Rage brachte ihn vor allem der Böllerwurf eines sogenannten Fußball-Fans in der Partie in Bukarest.

"Davon distanzieren wir uns, da erübrigt sich jeder Kommentar", sagte er im TV-Sender RTL. Man bemühe sich, mit den Fangruppierungen zu sprechen, aber es sei "schwierig, dort hart durchzugreifen".

Beim Stand von 0:1 gegen die Rumänen durch ein Tor von Kamil Grosicki (11.) warfen Zuschauer Böller auf das Spielfeld. Einer explodierte in der 55. Minute unmittelbar neben Polens Kapitän Robert Lewandowski. Minutenlang musste er behandelt werden. "Zu Anfang klingelten meine Ohren", sagte der Stürmer des deutschen Rekordmeisters Bayern München. "Ich habe ein paar Minuten gebraucht, um zu mir zu kommen. Zum Glück ist nichts passiert."

Auf den "Akt des Banditentums" (polnische Boulevardzeitung "Super Express") reagierte Lewandowski auf seine bestmögliche Weise: Er erzielte noch zwei Tore (82./90.+1/Foulelfmeter) und ist nun mit 42 Treffern dritterfolgreichster Nationalspieler seines Landes.

"Über die gesamte Spielzeit hat Polen dominiert", sagte Daum und musste anerkennen: "Die individuelle Qualität eines klar besseren Gegners hat sich durchgesetzt." Mit dem Sieg übernahm Polen die Tabellenführung in der Gruppe E vor Montenegro (7), das 2:3 in Armenien verlor. Rumänien ist mit fünf Zählern Vierter. Beinahe noch bitterer als die Niederlage für die Rumänen dürften wahrscheinliche Sanktionen der FIFA wegen des Böllerwurfs sein.

Post vom Disziplinar-Ausschuss des Fußball-Weltverbandes werden möglicherweise auch die Verbände Englands und Schottlands erhalten. Trotz Verbots der FIFA waren die Spieler im Londoner Wembleystadion mit schwarzen Armbinden mit der sogenannten "Poppy" aufgelaufen. Die rote stilisierte Klatschmohn-Blüte erinnert an die Toten der beiden Weltkriege.

Englands Spieler und Medien interessierte das nach dem 3:0 im Prestigeduell gegen den Nachbarn Schottland wenig. Diskutiert wurde nach dem höchsten Sieg seit 41 Jahren gegen den alten Rivalen über die Zukunft von Interimscoach Gareth Southgate. "Er hat alles dafür getan, und ich bin mir sicher, dass er der Topkandidat ist", sagte Three-Lions-Kapitän Wayne Rooney und machte sich zum prominentesten Fürsprecher von Southgate.

Der gab sich zurückhaltend. "Ich möchte erst mal in Ruhe nachdenken", sagte er, machte aber deutlich, dass er den Job annehmen würde. "Ich liebe das. Ich habe die Rolle wirklich genossen, die Verantwortung, die Herausforderung. Jetzt müssen andere entscheiden."

Mit einer Schweigeminute begann das emotionale Spiel der französischen Nationalmannschaft gegen Schweden fast ein Jahr nach der Terrornacht von Paris. "Die Zeit vergeht und niemand wird das je vergessen", sagte Trainer Didier Deschamps. Es sei wichtig gewesen, den Betroffenen der tragischen Ereignisse das Mitgefühl auszudrücken. Doch ansonsten spielten mögliche Gefühle und Erinnerungen während der Partie gegen die Skandinavier in der französischen Spiel-Bilanz kaum eine Rolle - sondern vielmehr das glückliche 2:1, das das Gastgeber-Team nach einem 0:1-Rückstand noch geschafft hatte. Immerhin übernahm der EM-Finalist in der Gruppe A damit die alleinige Tabellenführung, unabhängig vom Ausgang der Sonntag-Spiele. "Das erlaubt uns, den Winter im Warmen zu verbringen", meinte Deschamps.

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