Underdog trifft erstmals in WM-Quali

Irre Szenen im norwegischen TV nach historischem Tor von San Marino

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Grenzenloser Jubel: Nach dem Treffer gegen Norwegen gab es bei der Mannschaft von San Marino kein Halten mehr.

Oslo - Mit dem Treffer in Norwegen gelang Fußballzwerg San Marino erstmals seit 15 Jahren ein Auswärtstor in einer WM-Qualifikation. Beim Gegner gingen dagegen buchstäblich die Lichter aus.

Die Niederlage gegen Norwegen war für San Marino letztendlich völlig egal, das historische Tor von Mattia Stefanelli war für den krassen Außenseiter Grund genug zu feiern. Erstmals seit 15 Jahren hatte das 30.000-Einwohner-Land beim 1:4 auswärts ein Tor in einer WM-Qualifikation erzielt - und mit dem zwischenzeitlichen Ausgleich den haushohen Favoriten in eine Sinnkrise gestürzt.

Völlig entsetzt hatten die Experten der Boulevardzeitung VG, die das Spiel vor laufenden Kameras analysierten, den Treffer zum 1:1 mitangesehen. Geschockt die Hände über den Kopf geschlagen - und dann sogar im Dunkeln sitzen müssen: Das Licht im Studio war ausgegangen. Irgendwie passend.

"Es gab viele schwache Resultate in den letzten 30 Jahren, aber nichts war so peinlich wie die ersten 77 Minuten", schrieb VG. Denn erst in der Schlussphase kamen die schwachen Norweger gegen den körperlich abbauenden Gegner gerade noch so zum Sieg. Der viel kritisierte Trainer Per-Mathias Högmo fand das Gegentor sogar "unwirklich".

Dieses Gefühl hatten auch die Außenseiter aus San Marino. Allerdings in einem positiven Sinn. Nach dem Treffer wurde Stefanelli schnell unter einer Jubeltraube begraben. Spieler, Trainer, Offizielle feierten das Tor wie den Gewinn der Weltmeisterschaft. "Es ist ein unglaublicher Spaß. Das hat unglaublich viel Gefühle ausgelöst", sagte Stefanelli. Ich habe mich so gefreut, wir haben uns so gefreut. Das ist sowohl für mich als auch die ganze Nation etwas ganz Besonderes." Und im san-marinesischen Fernsehen RTV hieß es: "Dieser Treffer sollte jedem zeigen, was es für Amateure aus einem kleinen Land heißt, auf der höchsten internationalen Ebene zu spielen." Auch das Social-Media-Team der Nationalmannschaft von San Marino gab an diesem Abend vollen Einsatz und feierte dieses bedeutenden Tor frenetisch.

Denn schließlich sind solche Erfolgserlebnis etwas Besonderes für den 201. der FIFA-Weltrangliste. Gerade einmal ein Sieg steht in den Annalen der Länderspielgeschichte San Marinos: 2004 - ein 1:0 gegen Liechtenstein. Seit 2013 gelangen dem Team überhaupt nur zwei Treffer. Bis zum Dienstagabend. Am 11. November ist Weltmeister Deutschland der nächste Gruppengegner San Marinos - ein Tor gegen den Weltmeister dürfte höchstwahrscheinlich sogar noch mehr Euphorie auslösen.

SID

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