EM geht ins Halbfinale

Schafe, Bergbau, Zungenbrecher: Was Wales zu bieten hat

+
Sie bevölkern Wales: Neun Millionen Schafe.

Es ist der kleine Bruder Englands: Wales. Im Fußball aber gibt es in diesen Tagen den Rollentausch: England scheiterte im Achtelfinale, Wales steht im Halbfinale.

Grund genug also, mal einen genaueren Blick auf Land und Leute zu werfen. Wir tun dies mit Ex-Fußballer Wayne Thomas.

Englische Wurzeln 

Eigentlich ist der ehemalige Zweitliga-Spieler des KSV Baunatal ja Engländer. Weil sein Opa und Vater aber aus dem südwalisischen Brynmawr stammen, hätte er auch für Wales spielen können. Zweimal klopfte der walisische Nationaltrainer Mike England in den 1980ern bei Thomas an. „Zweimal aber habe ich mich aber kurz vorher verletzt. Da dachten sie wohl, ich wollte nicht mehr. Aber ich hätte es gern gemacht. Mein Vater hätte sich gefreut“, sagt er.

Rugby 

Die Nationalsportart Nummer eins ist nicht etwa Fußball, sondern Rugby. Die ersten Spiele wurden bereits um 1850 ausgetragen - zum Vergleich: 1876 erst wurde der Walisische Fußballverband gegründet. Die Nationalmannschaft ist jedes Jahr am Rugby-Klassiker Six Nations beteiligt, Wales hat das Turnier bislang 33-mal gewonnen. Europas drittwichtigste Rugby-Liga ist die walisische Pro12, mit zwölf Profi-Teams aus Wales, Irland und Schottland. Trotz des jüngsten EM-Erfolgs der Fußballer prophezeit Thomas: „Nur im Rugby ist Wales besser als England. Fußball wird Rugby nicht ablösen. Dazu sind die Waliser zu verrückt nach Rugby.“

Essen 

Auf drei Millionen Einwohner kommen in Wales etwa neun Millionen Schafe. „Wir haben im Englischen die Redewendung, dass es in Wales viele Gummistiefel gibt“, erklärt er. Das schlägt sich auch auf den Tellern nieder. „Es gibt viel Lamm. Ein Klassiker ist Lamm mit Minzsauce“. Ansonsten gilt: „England hat großen Einfluss auf die walisische Küche - ob das nun gut oder schlecht ist.“

Industrie 

Kohle-Bergbau und der Abbau von Kupfer waren lange die Eckpfeiler der walisischen Industrie. Als die Minen geschlossen wurden, gingen viele Waliser nach England. So auch der Opa von Wayne Thomas. „Deshalb wurde ich in Coventry geboren“, erklärt er.

Sprache 

„Ich kann die Worte auch nicht aussprechen“, sagt Thomas und lacht. Damit steht er nicht allein da. Denn wohl alle Nicht-Waliser erinnert das Walisische eher an Zungenbrecher - gern zitiertes Beispiel ist einer der längsten Ortsnamen der Welt: Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch (kurz Llanfair PG). Im Walisischen bedeutet es „Marienkirche in einer Mulde weißer Haseln in der Nähe eines schnellen Wirbels und der Thysiliokirche bei der roten Höhle“. Seit 1993 sind Englisch und das walisische Cymraeg gleichgestellt. Orts- und Straßenschilder gibt’s in beiden Sprachen. Noch 1981 gab es mehr als 20 000 Menschen, die nur Walisisch, aber kein Englisch verstanden. Heute sprechen schätzungsweise 600.000 Menschen Cymraeg. Es zählt zu den keltischen Sprachen, wie das Kornische und das Bretonische.

Walisisch zum Reinhören: Die walisische Band Candelas hat zur EM den Song „Rhedig Paris“ geschrieben. Auf Walisisch versteht sich: Reinhören geht hier.

Zur Person

Wayne Thomas (57) wurde im englischen Coventry geboren. 1978 kam der nach Deutschland. Er spielte unter anderem für den damaligen Zweitligisten KSV Baunatal, für die Bundesligisten Hannover und Uerdingen, mit denen er den 1985 Deutscher Pokalsieger wurde. Mit Frau Petra lebt er in Kirchheim. Tochter Sarah (28) arbeitet als Ergotherapeutin in Baunatal, Tochter Lucy (21) wird in Kassel zur Ergotherapeutin ausgebildet, Sohn Oilver (20) macht eine Ausbildung bei EAM in Baunatal. Thomas betreibt ein Hausverwaltungsbüro.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.