Trotz eines 2:1

Der Schnellcheck: Bayern scheitern nach dramatischem Spiel an Atletico

Am Ende blieb nur Enttäuschung: Arturo Vidal, Thomas Müller und Kingsley Coman (von links) verlassen nach dem Ausscheiden im Halbfinale schwer geschockt das Spielfeld der Münchener Arena. Foto: afp

Aus der Traum vom Champions-League-Finale – trotz einer starken Leistung und eines 2:1-Sieges gegen Atletico Madrid.

Zum dritten Mal in Folge scheidet der FC Bayern München gegen einen spanischen Klub im Halbfinale aus. Der Schnellcheck:

Vorab die Frage: Müllerte es denn diesmal in Münchens Startaufstellung? 

Tat es. Anders als im Hinspiel vermied Trainer Pep Guardiola die Diskussion, ob man einen Thomas Müller auf der Bank lassen könne. Thomas Müller – das wird noch wichtig sein – war dabei. Und mit ihm Franck Ribéry. Etwas überraschend: Auch Innenverteidiger Jerome Boateng, gerade erst genesen, spielte von Beginn an.

Wie war es, dieses zweite Halbfinal-Duell? 

Mit einem Wort: hochklassig! Gäbe aber noch jede Menge mehr: Packend! Dramatisch! Leidenschaftlich! Temporeich! Und am Ende leider: Traurig!

Tief betrübt: Trainer Pep Guardiola. Foto: afp

„Spielkontrolle bekommen. Schnell Chancen erarbeiten“ – so hatte unsere Taktikexperte Matthias Hamann einen Weg zum möglichen Bayern-Sieg skizziert. Und sie machten es genau so, diese Bayern. Bauten viel Druck auf. Ließen der besten Abwehr Europas kaum Zeit, Luft zu holen. Hatten frühe Chancen, die beste durch Robert Lewandowski (20.). Vorausgegangen: Ein langer Pass von Boateng, ein quergelegter Ball von Müller. Offenbar alles gut gemacht, Herr Guardiola.

Und noch besser: Die Gastgeber erzielten auch das ersehnte frühe Tor. Es traf ein Spanier gegen die Spanier: Xabi Alonso versenkte einen Freistoß von der Strafraumgrenze abgefälscht im Netz. 1:0 nach 31 Minuten, Hinspiel egalisiert, Hoffnung belebt.

Alles schien gut gehen zu können. Trotz eines kurz darauf vergebenen Foulelfmeters stürmten die Gastgeber weiter. Attackierten früh. Eroberten Bälle. Hatten Chancen. Hatten alles im Griff – und wurden kalt erwischt.

Der Schock, er kommt aus dem Nichts: In der 53. Minute geht einer dieser Aufbauversuche Boatengs schief. Atletico kontert, zum ersten Mal überhaupt gefährlich. Plötzlich ist Antoine Griezmann frei durch, allein vor Manuel Neuer. Schiebt dem Ball am Torhüter vorbei zum 1:1.

Die Gastgeber brauchen nun mindestens zwei Tore. Doch sie brauchen, um sich zu erholen. Bis zur 75. Minute: Dann trifft Lewandowski per Kopf, befreit sein Team aus der Schockstarre. Die Schlussphase wird zum Sturmlauf, zu einem Drama. Die Gäste bekommen einen Elfmeter. Unberechtigt, weil Martinez Torres außerhalb des Strafraums foult. Torres schießt selbst, doch Neuer hält. Den Ball. Die Hoffnung. Doch das erlösende Tor fällt nicht. Es bleibt dabei: Gestürmt, gehofft, geschockt.

Gab es eine Schlüsselszene in der Partie? 

Am Ende war er es dann wohl doch, dieser vergebene Foulelfmeter in der 35. Minute. Javi Martinez war zu Boden gerungen worden, doch Madrids Torhüter Jan Oblak parierte. Die Bayern taten, als sei nichts passierten, stürmten weiter beherzt. Doch genau das mussten sie halt auch. Und Offensive bedeutet Risiko. Offensive bedeutet Momente der Entblößung in der Defensive. Ein 2:0 hätte das Spiel taktisch stark verändert.

Wer geschossen hat? Thomas Müller. Ausgerechnet Müller. Was für eine Geschichte.

Wie benahm sich Madrids Rastelli an der Seitenlinie?

Sagen wir es so: Trainer Diego Simeone benahm sich, wie sich wohl nur Diego Simeone benimmt. Legte Kilometer an der Seitenlinie zurück. Legte sich mit so ziemlich jedem Münchner an, der in seine Nähe kam. Kam Ribéry etwas zu nah. Und witterte spätestens nach dem Elfmeter gegen sein Team eine Verschwörung aller Fußballmächte. Minimum.

Wie war die Übertragung im ZDF? 

Oliver Schmidt kommentierte so engagiert, wie die die Bayern spielten. Den Satz des Tages gab es aber schon in der Vorberichterstattung: „Bitte kein k.o. gegen Atletico.“ Schade, es kam dann leider doch so.

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