Deutschland gewinnt 1:0 gegen Nordirland, hat aber Torchancen ohne Ende

Schnellcheck zum Spiel: Mit Spielfreude ins Achtelfinale

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Die Freude muss raus: Thomas Müller und Schütze Mario Gomez nach dem Tor zum 1:0.

Kassel. 1:0 gegen Nordirland, Gruppenerster, Achtelfinale – die gestern verbesserte deutsche Fußball-Nationalelf hat ihre Pflicht bei dieser EM bravourös erfüllt. Der Schnellcheck.

Wie war das Spiel im Pariser Prinzenpark? 

Zumindest bis zur 55. Minute sehr unterhaltsam, was ausschließlich an der deutschen Elf lag, die diesmal fast keinen Anlass gab zu meckern. Die Defensive stand gegen harmlose Nordiren sicher – und vorne erarbeitete sie sich endlich eine Reihe an Torchancen. Das ist auch deswegen erwähnenswert, weil die Nordiren sich im eigenen Strafraum verschanzten.

Das deutsche Team aber kombinierte sich durch das Bollwerk, allein im Abschluss fehlte es an der nötigen Konsequenz. Thomas Müller und Mesut Özil vergaben in der Anfangsphase frei vor des Gegners Tor, Mario Götze ließ sich anstecken von der Zaghaftigkeit im entscheidenden Moment.

Wie es geht, zeigte in der 30. Minute der klassische Stoßstürmer: Mario Gomez war nach einem tollen Doppelpass mit Özil zur Stelle und belohnte seine Elf für eine drückende Überlegenheit. Auch nach dem Wechsel bestimmte die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw das Geschehen. Nach weiteren Großchancen durch Götze und Gomez verflachte die Partie aber etwas. Egal: Es reichte ja, da im Parallelspiel die punktgleichen Polen gegen die Ukraine kein Schützenfest feierten.

Welcher Spieler stand besonders im Blickpunkt?

Irgendwie Thomas Müller. Dem 26-Jährigen machte nach den ersten beiden Spielen ja weniger die Tatsache zu schaffen, dass er noch kein Tor geschossen hat. Vielmehr ärgerte ihn, dass er gar keine Torchance bekam. Diesmal kamen die Möglichkeiten fast im Minutentakt. Aber was Müller auch anstellte: Er scheiterte. Er köpfte an den Pfosten, er schoss an die Latte – und bestätigte damit den Trend dieser EM. Die Superstars treffen ganz gern das Aluminium. Gut, dass Müller keinen Elfmeter hat schießen müssen. Und trotzdem: Müller ist irgendwie wieder Müller – und da, wo es gefährlich wird.

Hatten die Maßnahmen von Bundestrainer Joachim Löw die gewünschte Wirkung?

Das lässt sich so sagen. Joshua Kimmich war auf der rechten Seite eine Bereicherung. Er ersetzte Benedikt Höwedes als Außenverteidiger und interpretierte seinen Part wesentlich offensiver. Er wurde so zu einem belebenden Element im deutschen Spiel. Mario Gomez im Sturmzentrum fiel lange kaum auf. Daher war es eine Pointe, dass er das Tor machte.

Ist nach der Kritik jetzt alles wieder gut? 

Naja, jetzt kann die mangelnde Chancenverwertung das neue Thema werden. Bundestrainer Joachim Löw sprach sie nach dem Spiel schon an – leicht verärgert. Dass er stark verschnupft war, hatte aber erkältungstechnische Gründe. Außerdem gibt es ein paar Sorgen um Jerome Boateng. Der Verteidiger wurde mit Wadenproblemen ausgewechselt.

Wie war die Fernsehübertragung? 

ARD-Kommentator Tom Bartels hatte einen leichten Hang zu Floskeln, ansonsten war das alles okay. Wobei: Eine kleine Schwäche offenbarte er in Sachen Anatomie. Als ein Linienrichter den Ball kurz vor der Halbzeit aus kurzer Distanz voll in den Bauch bekam, sprach Bartels von einem Schlag „voll in die Zwölf“. Da schlägt’s beim Biologen 13.

Wer war der Beste bei den Nordiren? 

Da sind wir wieder bei der Zahl zwölf. Bester Nordire war nämlich der zwölfte Mann – bestehend aus Tausenden von Fans, die fortwährend sangen und sich schon freuten, wenn ein Spieler der eigenen Elf mal am Ball war. Dass es keine einzige Möglichkeit gab? Egal.

Wie geht es nun weiter für die Deutschen?

Fest steht, dass sie am kommenden Sonntag ab 18 Uhr in Lille ihr Achtelfinale bestreiten. Der Gegner wird ein Gruppendritter sein. Am wahrscheinlichsten ist nach einem Blick auf das komplizierte Verfahren ein Duell gegen die Slowakei, die nun sicher eine Runde weiter ist. Aber auch Albanien ist noch als möglicher Kontrahent im Rennen.

Hier finden Sie unseren Liveticker zum Nachlesen.

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