Schnellcheck: Verletzter Ronaldo bejubelt EM-Titel mit Portugal

Der schmerzhafte Moment: Bei Cristiano Ronaldo geht es nach einer Knieverletzung nicht weiter. Foto:  afp

Portugal ist erstmals Fußball-Europameister. Nach einem spannenden Finale gegen Frankreich erzielte Eder den entscheidenden Treffer zum 1:0 (0:0, 0:0) nach Verlängerung in der 109. Minute. Topstar Cristiano Ronaldo musste bereits in der 25. Minute verletzt ausgewechselt werden. Der Schnellcheck:

Was war das Thema des EM-Finales?

Cristiano Ronaldo. Der portugiesische Topstar ist ja immer ein Thema, aber ausgerechnet im Finale musste er eine unglaubliche Tragik miterleben. In der achten Minute wurde der 31-Jährige so hart von Dimitri Payet am linken Knie getroffen, dass er nur noch eine knappe halbe Stunde durchhielt und ausgewechselt werden musste. Unter Tränen. Und begeleitet von Pfiffen der französischen Fans. „Das ist völlig unangebracht. Dieses Aus in einem Finale wünscht man niemandem“, sagte ARD-Kommentator Gerd Gottlob. Wie recht er hatte. Bitter obendrein: Der englische Schiedsrichter Mark Clattenburg gab Payet, der zuvor den Ball gespielt hatte, weder eine Karte, noch gab er Freistoß.

Was tat sich sonst noch auf dem Rasen?

Frankreich war von Beginn an überlegen, startete so forsch wie im Halbfinale gegen Deutschland. Nach einem Fehler von Pepe hatte Antoine Griezmann in der zehnten Minute die erste Chance – per Kopfball. Portugals Torwart Rui Patricio parierte mustergültig. Ansonsten verdiente sich der starke Moussa Sissoko die Bestnote der ersten Halbzeit, die er zweimal mit einem Tor hätte krönen können. Ansonsten fiel auf, dass nach dem Aus von Ronaldo ein Bruch ins Spiel kam.

In der zweiten Halbzeit gestaltete Portugal die Partie ausgeglichen, doch die Möglichkeiten hatte Frankreich. Der in der 58. Minute für Payet eingewechselte Bayern-Spieler Kingsley Coman sorgte mächtig für Wirbel und bereitete zwei dicke Chancen durch Griezmann (66.) und Giroud (75.) vor. Auch Sissoko hatte die Führung auf dem Fuß (84.). Die beste Chance hatte André-Pierre Gignac, der in der Nachspielzeit den linken Pfosten traf – Verlängerung.

Wie war die Zugabe des Finales?

Es bleibt spannend, und auf einmal kommen die Portugiesen zu Chancen. In der 104. Minute findet Eder mit einem Kopfball in Frankreichs Torwart Hugo Lloris seinen Meister. Wenig später knallt Dortmunds Neuzugang Raphael Guerreiro einen Freistoß an die Latte (108.). Und dann kommt die große Stunde von Eder. Mit einem satten Schuss ins linke untere Eck trifft er in der 109. Minute zum 1:0 und macht Portugal damit erstmals zum Europameister.

Wer war der Spieler des Abends?

Wir widmen diese Frage heute Cristiano Ronaldo. Der Rekordspieler mit den meisten EM-Einsätzen hat zwar in seinem zweiten Finale nach 2004 eine seiner bittersten Stunden als Fußballer erlebt, dürfte sich aber über seinen ersten Titel mit dem Nationalteam kaum weniger freuen. Vor dem Spiel scherzte er übrigens diesmal nicht mit einem Flitzer, sondern mit dem einzigen deutschen Einlaufkind Zoe Stehle. Die Neunjährige aus Baden-Württemberg hatte es wahrhaftig geschafft, die Hand von Ronaldo zu ergattern.

Was gab es denn abseits des sportlichen Geschehens?

Weniger schöne Szenen gab es von der Fanmeile in Paris, die mit 92 000 Menschen bereits übervoll war. Weil noch mehr Anhänger hineindrängen wollten, setzte die Polizei Tränengas ein. Indes wurde das Stade de France von einer Falter-Plage heimgesucht. Erst die Rasensprenkler brachten etwas Besserung in der Insektenfrage.

Wie war die Fernsehübertragung?

Kommentator Gerd Gottlob hat überzeugt. Dort, wo Emtionen angebracht waren, ließ er sie raus. Dort, wo das Finale eher abflachte, wurde auch er deutlich ruhiger. Erzählte sogar in Manier eines Radioreporters von der Flic-Flac-Aktion eines Flitzers, die sich auf dem Rasen abspielte. Bilder davon gab es keine, weil die Uefa diese zensiert.

Von Torsten Kohlhaase

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