Favorit verliert EM-Viertelfinale - der Schnellcheck

Wales-Wahnsinn geht weiter: Außenseiter besiegt Belgien

So sieht Freude aus: Die Bank feiert den 1:1-Ausgleich durch Ashley Williams (rechts), der auf den Pulk aus Spielern und Trainern springt. Foto:  dpa

Kassel. Die nächste Sensation bei dieser Fußball: Wales besiegt Belgien 3:1 und zieht ins Halbfinale ein. Unser Schnellcheck:

Unfassbar! Wales schreibt Geschichte und zieht nach einem 3:1 (1:1)-Sieg gegen den haushohen Favoriten Belgien ins Halbfinale der EM ein. Dort trifft die Mannschaft auf Portugal. Unser Schnellcheck:

Wie war das Spiel im Stade Pierre Mauroy von Lille? 

Spannend. Temporeich. Brisant. Jeder Fußball-Fan dürfte gestern freudig gedacht haben: Endlich! Nach der Magerkost vom Vortag boten die Waliser und Belgier endlich das, was von einem EM-Viertelfinale erwartet werden darf: richtig gute Unterhaltung. Beide Teams drangen auf Tore, da gab’s kein taktisches Abwarten, und da gab’s kein irgendwie ins Elfmeterschießen retten.

Nein. Von Beginn an war Musik im Spiel. Die Anfangsphase gehörte dem Favoriten, der erwartungsgemäß die Waliser unter Druck setzte. Bereits nach sieben Minuten hatte der Außenseiter mächtig Glück, als nacheinander Yannick Ferreira-Carrasco, Thomas Meunier und Eden Hazard vergaben - aber erst Torwart Wayne Hennessey, dann Ben Davies und schließlich Neil Taylor retteten in höchster Not. Belgien war auf Betriebstemperatur, und kurze Zeit später folgte die Führung. Mit einem wunderbaren Schuss aus gut 25 Metern erzielte Radja Nainggolan das 1:0 für die Mannschaft von Marc Wilmots (13. Minute).

Danach schalteten die Belgier zwei Gänge runter, und Wales verdaute seinen ersten Rückstand in diesem Turnier erstaunlich gut. Das Team um Superstar Gareth Bale arbeitete sich in die Partie und kombinierte sich sogar in den belgischen Strafraum. Die Großchance von Taylor, die Torwart Thibaut Courtois gerade so entschärfte, kam nicht überraschend (26.). Und nach einer Ecke war Kapitän Ashley Williams mit dem Kopf zur Stelle (31.) - 1:1, und das komplett verdient.

Nach der Pause waren dann wieder die Belgier an der Reihe. Schnelle Kombinationen zielstrebig in die Spitze - und: zwei gute Chancen durch Romelu Lukaku (48.) und Hazard (50.). Doch das Tor fiel auf der anderen Seite. Hal Robson-Kanu narrte die belgische Abwehr und markierte das 2:1 für Wales (55.). Ja, genau: Wales! Der Wales-Wahnsinn.

Und der ging weiter. Belgien drängte zwar. Aber der eingewechselte Sam Vokes sorgte in der 86. Minute für die Entscheidung und für die Sensation.

Ist das Ergebnis eigentlich gerecht? 

Absolut. Belgiens ersatzgeschwächte Abwehr war nicht EM-tauglich. Und die Waliser, sie zeigten Herzblut. Und sie zeigten, dass sie mehr können, als nur den Ball nach vorn zu dreschen.

Gab es an diesem Abend einen Aufreger? 

Nein, dafür aber einen Ausschwärmer. Vor den Eckbällen, wie vor dem 1:1, bildeten die Waliser eine Formation wie beim Rugby. Fünf Waliser drängten sich dicht zusammen, und schwärmten dann wild auseinander. Das brachte die belgische Defensive mehrmals durcheinander.

Wer war der Mann des Abends? 

Hal Robson-Kanu. Unglaublich, dieser Kerl. Zweitliga-Fußballer, aber der bullige Stürmer hielt die Belgier mächtig auf Trab. Dann erzielte er auch noch das 2:1, und vernaschte dabei gleich zwei Gegenspieler. Herrlich.

Wie war die Fernsehübertragung im ZDF? 

Kommentator Oliver Schmidt reihte sich nahtlos in diese Partie ein und kommentierte mit viel Esprit. Nach Nainggolans Hammer zum 1:0 sprach er vom „rauchenden Irokesenschnitt“, die walisische Eckballvariante nannte er die „rote Lokomotive“. Das kam spontan und richtig gut. Schmidt hat gute Chancen auf den Titel: bester Reporter dieser Europameisterschaft.

Wer muss sich nach diesem Abend besonders ärgern? 

Alle Waliser, die auf dem Weg nach Lille im Eurotunnel festgesteckt haben. Stau wegen technischer Probleme. Das ist mal richtig bitter.

Statstik: Wales - Belgien 3:1 (1:1)

Wales: Hennessey - Chester, Ashley Williams, Davies - Allen, Ledley (78. King), Ramsey - Taylor, Gunter - Robson-Kanu (80. Vokes), Bale

Belgien: Courtois - Meunier, Alderweireld, Denayer, Jordan Lukaku (75. Mertens) - Nainggolan, Witsel - Ferreira-Carrasco (46. Fellaini), De Bruyne, Hazard - Romelu Lukaku (83. Batshuayi)

Schiedsrichter: Damir Skomina (Slowenien).

Zuschauer: 45.936

Tore: 0:1 Nainggolan (13.), 1:1 Ashley Williams (31.), 2:1 Robson-Kanu (55.) 3:1 Vokes (86.)

Gelbe Karten: Davies (2), Chester, Gunter, Ramsey (2) - Fellaini (2), Alderweireld

Das Spiel gibt es außerdem in unserem Liveticker zum Nachlesen.

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