Fußball-Kolumne "An der Seitenlinie": Der André aus Andorra

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Marc-André ter Stegen

Für Marc-André ter Stegen läuft es nicht gerade gut als Torwart der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Beim 1:3 gegen die Slowakei kullerte ihm der Ball so dämlich durch die Beine, dass er noch nicht einmal das miserable Wetter für diesen Fauxpas verantwortlich machen konnte.

Das Missgeschick reiht sich ein in eine Karriere voller Pannen in der Nationalelf: In seinem ersten Länderspiel kassierte der 24-Jährige gleich fünf Gegentore. Und in einem Test gegen die USA unterlief ter Stegen tölpelhaft ein Eigentor, weil er den Ball nach einem harmlosen Rückpass nicht richtig traf – ein Fest für jede Pleiten-, Pech- und Pannen-Show.

Insgesamt musste er in 418 Länderspielminuten 16-mal hinter sich greifen – alle 26 Minuten einmal. Er weiß also, wie sich die Kollegen aus Gibraltar und Andorra so fühlen.

Trotz allem wird ter Stegen mit zur EM fahren – nicht als Tourist, sondern als Ersatztorhüter. Es gibt kein Zurück mehr, auch wenn die Befürchtung bleibt, dass die deutsche Mannschaft demnächst automatisch ein Gegentor angerechnet bekommt, sobald ter Stegen nur den Platz betritt. Bundestrainer Joachim Löw erwägt daher eine andere Lösung für den Notfall. Sollten Manuel Neuer und Bernd Leno plötzlich ausfallen, will Löw lieber die Flucht nach vorn antreten, elf Feldspieler aufbieten und sie so offensiv agieren lassen, dass der Gegner gar nicht in die Nähe des eigenen Strafraums gelangt.

Ter Stegen soll auf diese Weise geschützt und für die kommende Weltmeisterschaft geschont werden. Im Elfmeterschießen des Endspiels 2018 gegen Argentinien könnte er schließlich noch wichtig werden. Auf eine Heldentat als deutscher Torwart kann er nämlich verweisen: Er parierte einen Strafstoß gegen einen gewissen Lionel Messi. Das unterscheidet ihn von den Kollegen aus Gibraltar und Andorra.

Über den Autor

An der Seitenlinie ist eine Kolumne über den kleinen und großen Fußball, weil Fußball überall funktioniert. Florian Hagemann (40) ist Redakteur der HNA und macht das, was einem nicht ausreichend talentierten Fußballer bleibt, wenn er kein Schiedsrichter werden will: Er schreibt über Fußball. Immer montags erscheinen seine Beobachtungen an der Seitenlinie.

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