Die Songs zur Fußball-EM: viele Eigentore, wenig Hits

Hit aus Kassel: Alberto García (vorn) drehte das Video zu „Arriba Deutschland“ mit seiner Band Cuba Libre auf dem Friedrichsplatz.

Trotz Grönemeyer und David Guetta: Musikalisch war diese Fußball-EM kein Volltreffer. Dafür kommt ein Überraschungs-Hit aus Kassel, wie unsere Übersicht zeigt.

Einer der wenigen wirklich guten Fußball-Songs stammt von Thees Uhlmann. Vor elf Jahren besang der deutsche Bruce Springsteen in „Das hier ist Fußball“ seinen Verein FC St. Pauli. Wenn man Uhlmann fragt, warum es so viele schlechte Lieder über die schönste Nebensache der Welt gibt, sagt er: „Weil Musiker wahnsinnig viel Kohle verdienen wollen. Und dann kommen sie auf dumme Ideen.“ Auch diesen Fußball-Sommer haben einige mit ziemlich dummen Ideen viel Kohle gemacht. Unser Überblick über die EM-Hits.

Pariser Kirmestechno 

Für die französischen Gastgeber führte kein Weg an David Guetta vorbei. Der Pariser ist der berühmteste DJ der Welt und durfte darum den offiziellen Uefa-Song beisteuern. Leider ist „This One’s For You“, das der 48-Jährige mit der schwedischen Sängerin Zara Larsson (18) aufgenommen hat, nur ein weiteres Stück Kirmestechno. Zudem klingt es stark nach dem letztjährigen Hit „Lean On“ von Major Lazer und DJ Snake. Ein Eigentor mit mehr als einer Million Klicks.

Im Ersten dreht sich Nichts 

Das Erste hat das Pop-Dreamteam aufgeboten: Herbert Grönemeyer (60) und Felix Jaehn (21), der deutsche David Guetta. Für die ARD-Chefs ist das, als würden Günter Netzer und Mesut Özil in einer Elf auflaufen. An Grönemeyers „Zeit, dass sich was dreht“ kommt „Jeder für jeden“ nicht heran. Der Altmeister singt nicht vom „Schuss“, sondern vom „Wurf“. Gut so: Die nächste Handball-WM kommt bestimmt.

Der Mann mit der Kappe 

An Mark Forster (32) kann man nichts aussetzen. Der Pfälzer ist nett, trägt coole Kappen und macht passable Musik. Auch sein ZDF-Lied „Wir sind groß“ bekommt man nicht mehr aus dem Kopf. Nur leider hat die Freundschaftshymne mit Fußball wirklich überhaupt nichts zu tun.

Die Überraschung 

Max Giesinger ist der Isländer unter den Songschreibern. Zwar kommt der 27-Jährige aus der Nähe von Karlsruhe, aber wie die Wikinger hatte den Ex- „Voice of Germany“-Kandidaten niemand auf der Rechnung. Sein „80 Millionen“ verkaufte sich so oft wie kein anderer Fußball-Song. Für alle, die auf das neue Album von Andreas Bourani nicht mehr warten können.

Der Hit aus Kassel 

Ein größerer Außenseiter war nur die Latin-Formation Cuba Libre. In Kassel, wo sich die Musiker einst beim Studium kennengelernt hatten, drehten sie das Video zu ihrem Lied „Arriba Deutschland“. Dort feuern Menschen aus vielen Kulturen „Die Mannschaft“ an. Für die AfD muss das ein Albtraum sein. Für alle anderen ist es eine große Freude, wie mehr als eine halbe Million Youtube-Klicks beweisen.

Aus dem Pop-Mutterland 

Britische Mannschaften haben nicht nur die besten Fans der Welt, sondern auch das Mutterland des Pop im Rücken. Aus dem stammen etwa die Manic Street Preachers. Die walisischen Glam-Rocker haben geschafft, seit 1992 nicht ein einziges schlechtes Album aufzunehmen. „Together Stronger (C’mon Wales)“, die voranpreschende Hymne für den Überraschungs-Halbfinalisten, ist fast so gut wie der Britpop-Fußball-Klassiker „Three Lions“ von den Lightning Seeds.

Komplett vermüllert 

Eine rote Karte verdient hätte Melanie Müller. Das Erotiksternchen gewann 2014 das RTL-Dschungelcamp. Nun hat sie ein, nun ja, Lied, aufgenommen, das „Ab nach Frankreich“ heißt und von Bayern-Star Thomas Müller handelt. Zu tumben Plastik-Beats und einer Gaga-Melodie heißt es dort: „Der Thomas, der trifft immer.“ Wer das nur einmal gehört hat, der trifft nimmer.

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