Wechsel? Allofs & Co. zum aktuellen Stand

Gustavo: "Ich muss spielen, spielen, spielen"

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Luiz Gustavo wird die Bayern wohl verlassen. Der VfL Wolfsburg dementiert aber noch einen abgeschlossenen Wechsel

Wolfsburg - Der Berater von Luiz Gustavo hat einen Wechsel des Brasilianers zum VfL Wolfsburg verneint. Auch deren Trainer Dieter Hecking verneint den Vollzug - noch.

Nach wochenlangen Interessensbekundungen zeichnet sich immer deutlicher ein Transfer von Bayern-Star Luiz Gustavo zum VfL Wolfsburg ab. Die finanzstarken Niedersachsen seien bei der Vereinssuche des 26-Jährigen klarer Favorit, berichteten mehrere Medien am Donnerstag. Nach Informationen der Tageszeitung „Die Welt“ ist der Wechsel des defensiven Mittelfeldakteurs sogar bereits perfekt. Gustavo-Berater Roger Wittmann dementierte allerdings Vollzugsmeldungen: „Er hat noch nirgendwo unterschrieben“, sagte der Chef von „Rogon Sportmanagement“ der Nachrichtenagentur dpa.

Wittmann kündigte gleichwohl eine zeitnahe Entscheidung seines Klienten an. „Wenn er jetzt von der Nationalmannschaft zurückkommt, dann reden wir miteinander, dann sagt er uns: Er will den FC Bayern verlassen oder nicht.“ Im Fußball könne „alles schnell gehen“. Wolfsburgs Manager Klaus Allofs hielt sich ebenfalls zurück: „Wir haben uns in letzter Zeit zu dem Thema nicht mehr geäußert. Wir bereiten uns auf das Spiel gegen Schalke vor“, sagte Allofs.

Wie der Kicker berichtet, hat bereits eine mündliche Einigung stattgefunden, unterschrieben sei allerdings noch nichts.

„Wir haben uns bemüht, unsere Chancen stehen nicht schlecht“, sagte VfL-Manager Klaus Allofs am Donnerstag zum Stand der Gespräche. „Ich glaube, dass er mit seiner Entscheidung nicht bis zum 31. August wartet“, fügte Allofs auf der Pressekonferenz vor dem Wolfsburger Samstag-Heimspiel gegen Schalke 04 an.

Luiz Gustavo hatte am Mittwochabend mit der brasilianischen Nationalelf 0:1 in der Schweiz verloren und kehrte am Donnerstag nach München zurück. Nach Informationen der „Wolfsburger Nachrichten“ sollte noch am selben Tag in einem Gespräch zwischen Wittmann und dem Spieler eine Entscheidung über die Zukunft fallen. Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge hatte zuletzt von Angeboten aus ganz Europa für den soliden Abräumer berichtet - und neben Deutschland auch Spanien, England und Russland aufgezählt. Zuletzt war gar von einem Interesse des FC Barcelona berichtet worden.

Für die Wolfsburger würde der millionenschwere Gustavo-Transfer ein schnelles Ende der neuen Bescheidenheit bedeuten, die die VfL-Macher erst in der Sommerpause angekündigt hatten. Zugleich wäre durch das Kommen von Luiz Gustavo eine brasilianische Dreierachse im Teamgefüge perfekt - inklusive Abwehrchef Naldo und Spielmacher Diego.

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Vor zweieinhalb Jahren war Luiz Gustavo auch dem FC Bayern noch viel Geld wert, mehr sogar als einst Luca Toni. Im Januar 2011 hatten die Bayern für den filigranen Taktgeber eine Ablösesumme von rund 17 Millionen Euro an 1899 Hoffenheim bezahlt. Unter Trainer Pep Guardiola sieht der stolze Südamerikaner beim Triple-Sieger aber kaum noch Einsatzchancen. „Ich bin bei den Bayern zurzeit in einer sehr heiklen Situation. Ich habe persönliche und berufliche Gründe, weggehen zu wollen“, hatte er vor dem Schweiz-Länderspiel gesagt.

"Es ist noch nichts entschieden", sagte auch Luiz Gustavo nach seiner Rückkehr vom Länderspiel aus der Schweiz ins Sky-Sport-News-HD-Mikrofon. Er wolle sich nun mit seinem Berater treffen "und mal schauen, was er mir sagt. Bis zum 31. ist noch alles möglich, aber bis jetzt ist noch nichts fix." Mit Wolfsburgs Manager Klaus Allofs und Trainer Dieter Hecking habe er noch nicht gesprochen, meinte der Brasilianer. "Mein Berater macht das alles, und was er mir in den kommenden Tagen dann erzählt, werde ich mir überlegen und dann auch eine Entscheidung treffen."

Vor allem mit Blick auf die Heim-WM der Brasilianer sei ihm Spielpraxis wichtig. Nationalcoach Luiz Felipe Scolari hatte zuletzt schon betont, beim Fußball-Großereignis vor allem auf jene Profis zu setzen, die auch bei ihren Vereinen Stammspieler sind. "Er will einfach, dass jeder spielt aus seiner Mannschaft. Er hat gesagt, dass seine Spieler Spielpraxis haben sollen", sagte Gustavo laut SZ über das Gespräch mit Scolari: "Das ist auch für mich wichtig. Ich muss spielen, spielen, spielen. Ich will mich verbessern, auch für die WM. Deswegen ist ein Wechsel zu einem anderen Klub möglich.

Spätestens nach dem Neueinkauf von Guardiolas Wunschspieler Thiago verfügen die Münchner über ein Überangebot im defensiven Mittelfeld, das in der Saison eher Unruhe als Geschlossenheit heraufbeschwören dürfte. Neben dem 25-Millionen-Neueinkauf vom FC Barcelona stehen Guardiola in Bastian Schweinsteiger und Javi Martínez auch noch zwei weitere Weltklassekicker für die Sechser-Position zur Verfügung. Und das, obwohl der Taktiktüftler ein 4-1-4-1-System bevorzugt, in dem elementar nur noch ein Abräumer vorgesehen ist.

Luiz Gustavo spürte, dass er - anders noch als unter Guardiolas Vorgänger Jupp Heynckes - nicht mehr gefragt ist. Nach seinem verlängerten Confed-Cup-Urlaub verpasste er einen Großteil der Vorbereitung, danach gönnte der neue Startrainer dem stolzen Brasilianer nur einen einzigen Testspieleinsatz. Im Pokal gegen den Amateurclub Rehden gehörte Luiz Gustavo genauso wenig zum 18er-Aufgebot der Bayern wie zum Bundesligastart gegen Gladbach.

dpa/SID