Europaspiele: "Riesenehre" für Fahnenträger Hambüchen

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Fabian Hambüchen trägt in Baku die deutsche Fahne. Foto: Rungroj Yongrit

Für Fabian Hambüchen ist der Job als deutscher Fahnenträger bei den ersten Europaspielen "eine Riesenehre". Dabei hätte er beinahe schon einmal das deutsche Team angeführt. Ohne den Vater wäre Hambüchens Reise nach Baku aber früh beendet gewesen.

Frankfurt/Main (dpa) - Schnell sprach Fabian Hambüchen an Schalter 494 in sein Smartphone und eilte wieder davon. Ohne Reisepass stand der Turn-Star am Frankfurter Flughafen.

Da die Übergabe mit seinem getrennt angereisten Vater dann aber klappte, konnte der Fahnenträger doch noch pünktlich zu den ersten Europaspielen nach Baku abheben. "Es war ein bisschen viel Action die letzte Woche", entschuldigte der 27-Jährige vor dem Abflug aus Frankfurt/Main seine Vergesslichkeit und freute sich umso mehr über die anstehende Aufgabe bei den ersten Kontinental-Wettkämpfen. "Ich bin sprachlos. Es ist eine Riesenehre für mich."

In einem schwarzen Beutel erhielt der zweimalige Olympia- Medaillengewinner die schwarz-rot-goldene Fahne von Michael Vesper. Hambüchen sei ein "wirkliches Vorbild" für junge Sportler, lobte der Vorstandschef des Deutschen Olympischen Sportbunds. "Er hat sich immer wieder aufgerappelt. Wesentlich ist auch, dass er neben seiner Spitzensportkarriere auch studiert hat."

Schon bei Olympia vor sieben Jahren in Peking habe er die Chance gehabt, das deutsche Team bei einem sportlichen Großereignis ins Stadion zu führen, verriet der Reck-Weltmeister von 2007. "Aber da war ein Tag später der Wettkampf. Deshalb freut es mich, dass ich erneut gefragt wurde." Bei den Sommerspielen in China war schließlich Basketball-Superstar Dirk Nowitzki als Fahnenträger bestimmt worden.

Der 50 Zentimeter kleinere Hambüchen stand im knallgrünen Polo-Shirt als prominentester deutscher Europaspiele-Teilnehmer am Airport im Mittelpunkt des Interesses, Tischtennis-Star Timo Boll hielt sich eher im Hintergrund. "Wir wissen noch nicht richtig, was uns erwartet", erklärte Hambüchen über die erste Auflage des Ereignisses mit 20 Sportarten. "Wir freuen uns, das ist etwas ganz Neues, ganz Spannendes. Aus den Top-Nationen sind schon die starken Leute da."

Die Saison war für ihn bisher geprägt von Absagen. Vor dem American Cup im März zwang ihn eine fiebrige Grippe zum Verzicht, die ihn auch wochenlang im Training zurückwarf. Den im Mai geplanten Start beim Challenge Cup in Sao Paulo sagte er wegen seines "Bauchgefühls" ab.

Das Auslassen der EM in Montpellier zugunsten von Baku stand indes schon lange fest. Auch reizt ihn das ungewohnte Format der Spiele: Nur drei Turner bilden ein Team, zwei kommen an jedem Gerät in die Wertung. "Ich bin gespannt und hoffe auf olympisches Flair", meinte er zuletzt im Trainingscamp in Kienbaum.

Baku wird für Hambüchen der Auftakt zu einer stressigen Saison, an deren Ende bei den Weltmeisterschaften in Glasgow (23. Oktober bis 1. November) die direkte Olympia-Qualifikation für Rio stehen soll. Dieser sind alle anderen Wettkämpfe untergeordnet, auch die Universiade in Gwangju im Juli. "Ich habe lange überlegt, ob ich dort starte. Klar, es wird stressig mit den weiten Flügen nach Südkorea", sagte er. "Aber eigentlich passt das ganz gut in meinen Terminkalender. Ich brauche noch ein paar Wettkämpfe." Dann soll auch der Pass von Beginn an dabei sein.

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