Potenzielle Nachfolge von Sigurdsson

Prokop liebäugelt mit Bundestrainerposten - Leipzig blockt ab

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Leipzigs Trainer Christian Prokop. 

Sollte Erfolgscoach Sigurdsson gehen, ist Christian Prokop erster Kandidat als neuer Handball-Bundestrainer. Der Leipziger Bundesligacoach könnte sich das gut vorstellen. Handball-Ikone Stefan Kretzschmar hofft aber, dass alles so bleibt, wie es ist.

Leipzig - Der als potenzieller Nachfolger von Dagur Sigurdsson gehandelte Christian Prokop steht einem möglichen Engagement als Handball-Bundestrainer offen gegenüber. Ihm falle zwar eine Entscheidung zwischen Leipzig und dem Nationaltrainerposten schwer, sagte der Coach des Bundesligisten SC DHfK Leipzig der "Leipziger Volkszeitung" (Donnerstag). Aber der Job beim DHB sei ein interessantes Amt und eine spannende Aufgabe.

Der für den Leistungssport zuständige DHB-Vizepräsident Bob Hanning hatte mit dem Wunschkandidaten des Deutschen Handballbundes (DHB) ein Sondierungsgespräch geführt. "Es ist richtig, Bob Hanning hat mich kontaktiert und wir sprechen seit mehreren Wochen miteinander", bestätigte Prokop.

Leipzigs Aufsichtsmitglied Stefan Kretzschmar hofft derweil, dass alles beim Alten bleibt. "Ich hoffe, dass der DHB ernsthaft und mit aller Konsequenz alles dafür tut, um Dagur zu halten", sagte der frühere Weltklasse-Linksaußen am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Das Thema Prokop als möglicher Nachfolger stelle sich für ihn momentan nicht, da Sigurdssons Entscheidung noch nicht gefallen ist. "Zudem hat Prokop bei uns einen Vertrag bis 2021 und es gab bisher keine offizielle Anfrage des DHB", sagte der 43-Jährige.

Sigurdsson hat zwar noch einen Kontrakt mit dem DHB bis 2020, kann bis Ende des Jahres aber eine Ausstiegsklausel ziehen. Über den Abschied des Isländers, der die Deutschen in diesem Jahr sensationell zu EM-Gold und Olympia-Bronze geführt hatte, wird seit Wochen spekuliert. Er will sich bis Ende November entscheiden und könnte die deutschen Handballer nach der WM 2017 Ende Januar verlassen. Ihm liegt ein Angebot aus Japan vor.

"Dass ich weit oben auf der Liste stehe, habe ich meiner Mannschaft und dem Verein zu verdanken", sagte Prokop. Denn für den in Köthen geborenen Prokop, einst Bundesliga-Spieler in Wuppertal und Minden, geht es seit seinem Amtsantritt in Leipzig 2013 nur in eine Richtung - nach oben. Mit dem umtriebigen Geschäftsführer Karsten Günther und Kretzschmar als prominentem Förderer formte er in der 2. Liga eine homogene Truppe und stieg 2015 ins Oberhaus aus. Nach dem sicheren Klassenverbleib wurde er von seinen Kollegen zum "Trainer des Jahres" gewählt.

Für Geschäftsführer Günther überlagert die öffentliche Diskussion vor allem eines: Das Alltagsgeschäft mit dem schweren Heimspiel am Sonntag gegen Minden. Zwar sei die Diskussion um Prokop eine "Wertschätzung für unsere Arbeit. Aber ganz Handball-Deutschland wünscht sich, dass Dagur Trainer bleibt", sagte er der dpa. Der DHB habe den Verein über das Gespräch informiert. "Aber es gab keine Anfrage, alles Weitere ist aktuell völlig offen und öffentliche Spekulation, an der wir uns nicht weiter beteiligen wollen."

Günther hatte den Vertrag mit Prokop erst vor knapp fünf Wochen bis 2021 verlängert. Da er keine Ausstiegsklausel hat, würde eine Ablösesumme fällig werden. Die beiden Macher des Leipziger Projekts wissen um die Qualitäten Prokops. Der zweifache Familienvater gilt als zielstrebig und erfolgsorientiert.

"Er ist ein talentierter und akribischer Trainer, der das Team immer perfekt auf den Gegner vorbereitet. Für unser Projekt ist er ein herausragender Trainer", sagte Kretzschmar, gab aber zu bedenken: "Das hat aber auch ein anderes Anforderungsprofil als das eines Nationaltrainers. Ob es dafür reicht, weiß ich nicht." Er und Günther wünschen sich, dass alles so bleibt, wie es ist: Sigurdsson beim DHB, Prokop in Leipzig.

Von Sandra Degenhardt, dpa

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