2. Bundesliga: Weiss-Sieben überragt gegen den TV Nellingen – Jana Pollmer führt nun Torjägerliste an

27:24 - ein Kirchhofer Festspiel

Die pure Freude: Jana Pollmer (Nummer 7), Sandra Kühlborn (verdeckt), Lena Hildebrandt und Swantje Heimburg (rechts) im Jubel vereint. Foto: Hahn

Melsungen. Wenn die Spielerinnen schon eine Minute vor dem Abpfiff um die Wette strahlen, wenn die Zuschauer kurz darauf „Oh, wie ist das schön“ skandieren und wenn Trainer Gernot Weiss anschließend jeden in und um das Team in den Arm nimmt und lobt, dann ist klar, dass etwas Besonderes geschehen sein muss. Die Handbellerinnen der SG 09 Kirchhof haben in der 2. Handball-Bundesliga gegen den hoch gehandelten TV Nellingen mit 27:24 (15:12) gewonnen und sich damit nach sechs sieglosen Spielen das wohl schönste Weihnachtsgeschenk bereitet.

„Unser junges Team muss immer über seine Grenzen gehen, um gewinnen zu können. Die Mädels haben Herz gezeigt, Gas gegeben und bewiesen, dass sie mit Druck umgehen können“, sagte Weiss stolz. Denn die Nerven waren es mitunter, die in den vergangenen Wochen den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausgemacht hatten. Kleine Fehler, die eiskalt vom Gegner bestraft wurden.

Und auch dieses Mal hätte sich Geschichte wiederholen können. Wie beim Spiel gegen die SGH Rosengarten-Buchholz lag bis auf das 0:1 (Geissmann, 2. Minute) stets die SG 09 vorn. Diktierte das Geschehen, spielte konzentriert. Vor drei Wochen war die SGH in der 55. Minute erstmals in Führung gegangen - und siegte mit 31:26. Christine Maric hatte eine vergleichbare Chance für Nellingen ebenfalls in der 55. Minute. Beim Stand von 22:22. Marics Aufsetzer ging aber drüber. „Da kamen die Erinnerungen hoch. Nur diesmal haben wir das Ding eben für uns gedreht“, frohlockte Vilte Duknauskaite.

Denn im direkten Gegenzug ließ sich Lena Hildebrandt nicht zweimal bitten und traf am Kreis zum 23:22. Eine rotzfreche Aktion von Lena Dietrich, die über den halben Platz marschiert war, ebnete den Weg zum 24:22 per Siebenmeter durch Jana Pollmer. Und weil Kirchhofs Nummer sieben zwei weitere Tore folgen ließ, geriet der vierte Saisonsieg nicht mehr in Gefahr.

Ein Erfolg, der nur konsequent war, weil Nilla Oross im Tor überragte, die 6:0-Deckung überaus stabil war und das Team Rückschläge verkraftete. So konnte Linksaußen Christin Kühlborn wegen einer Ellbogenprellung ab der 38. Minute nicht mehr mitwirken. Die Verstärkung vom Thüringer HC war erneut ausgeblieben, weil Shenia Minevskaya nach Sonja Frey angeschlagen nicht mittun durfte. Dafür biss eine echte Kirchhoferin auf die Zähne. Carina Kühlborn kämpfte sich nach einem Nasenbeinbruch durch und löste den Job mit Inga Trautmann-Klaus im rechten Rückraum mit Bravour.

Fast nach Belieben traf einmal mehr Jana Pollmer. „Wir haben über 60 Minuten einen Kampfgeist gezeigt, wie ich ihn lange nicht mehr gesehen habe. Die zwei Punkte sind ein schönes Weihnachtsgeschenk“, freute sich die Regisseurin. Als I-Tüpfelchen hat Pollmer mit 105 Treffern sogar die Führung in der Torjägerliste übernommen. • Kirchhof: Bärthel (n.e.), Oross (16 Paraden) - Hildebrandt 2, Dietrich, Trautmann-Klaus 2, Weiß (n.e.), Pollmer 11/6, Ca. Kühlborn, Chr. Kühlborn 2, Heimburg 4, Duknauskaite 6, S. Kühlborn, Nolte (n.e.). Nellingen: Brandl (n.e.), Schneider (9 Paraden), Wolf 1, Maric 1, Geissmann 5, Zukauskaite 3, Weigel 3/1, Wilamowska 2, Heinzelmann 3, Stratmann 6/3. SR: Köppl/Krispenz (Bingen/Wiesbaden) - Z: 350. Siebenmeter: 6/7:4/4. Zeitstrafen: 14:12-Minuten.

Von Sebastian Schmidt

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