Beide Teams können personell aus dem Vollen schöpfen

Drittliga-Gipfeltreffen: Derby ohne Experimente

Direkte Gegenspielerinnen im Derby: Kirchhofs Christin Kühlborn (Nummer 10) gegen Fritzlars Melina Horn (unten). Fotos: Kasiewicz/Hahn

Kirchhof/Fritzlar. Vorhang auf zum Derby der 3. Handball-Liga Ost. Und zum Gipfeltreffen, wenn der Spitzenreiter SG 09 Kirchhof auf den Tabellenzweiten SV Germania Fritzlar trifft (So. 17 Uhr Stadtsporthalle Melsungen). Und auch wenn beide Trainer verständlicherweise die Bedeutung des Nachbarduells etwas herunterspielen wollen, ist es an Brisanz wohl kaum zu überbieten.

1. Die Bilanz: Die letzten beiden Derbys in der 3. Liga gewann Kirchhof: In der Aufstiegsssaison 2011/2012 mit 29:27 (in Melsungen) und 26:21 (in Fritzlar). In der Spielzeit zuvor hatte Germania Fritzlar zuhause mit 35:25 die Nase vorn und spielte bei der SG remis (27:27).

2. Die Form: „Konstant steigend“ beschreibt SG-Trainer Berchten die Formkurve seiner Schützlinge, die sich auch im letzten Spiel beim Schlusslicht Hannover-Badenstedt (35:31) keine Blöße gaben. Allerdings durch Unkonzentriertheiten in der Schlussphase einen weitaus höheren Sieg vergaben. Markus Berchten sah‘s mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Einerseits hat es ihn natürlich gestört, „dass wir das nicht durchziehen konnten“, andererseits wirkten die Nachlässigkeiten wie eine Euphoriebremse. Und war einer konzentrierten Vorbereitung aufs Derby durchaus förderlich.

Nach dem Wirbel um den Rücktritt von Trainer Detlef Kleinmann mit der folgenden zweiten Saisonniederlage in Halle konnte die Germania beim klaren 31:24-Erfolg gegen Bayreuth Selbstvertrauen tanken. „Das tat uns gut, zumal wir bis auf eine kleine Schwächephase eine richtig gute Leistung abgerufen haben“, freute sich Interimstrainerin Viktoria Marquardt.

3. Das Personal: Kirchhof meldet „volle Kapelle“ und auch Fritzlar kann nach monatelangen Verletzungssorgen personell aus dem Vollen schöpfen. Nur Janina Dreyer und Nilla Oross fallen aus.

4. Die Taktik: Aller Brisanz zum Trotz kündigen Marquardt und Berchten unisono „keine Experimente“ an. Da sich ihr taktisches Konzept durchaus ähnelt - beide bauen auf eine aggressive 6:0-Deckung mit offensiven „Halben“ - kommt es wohl auf die Zweikämpfe an. Sabine Kirmse und Lisa-Marie Berz sollen dabei das Kirchhofer Rückraum-Duo Blase/Mihai in Schach halten, auf der Gegenseite Kim Mai und Christin Kühlborn Denecke/Horn. „Wir müssen versuchen, über Tempogegenstöße zum Erfolg zu kommen“, sagt Fritzlars Linkshänderin Melina Horn. Genau deshalb hat der SG-Coach besonders die Rückzugsphase seiner Mannschaft trainieren lassen. In der Hoffnung, dass sein Positionsangriff den Ball gut zirkulieren lässt und damit Chancen zum Abschluss kreieren kann.

5. Der Derbyfaktor: Räumliche Nähe und gewachsene Rivalität kennzeichnen dieses Duell genauso wie die Tabellenkonstellation. Die Derby erfahrene Kirchhoferin Christin Kühlborn glaubt sogar, dass beim Gast „noch mehr Herzblut im Spiel ist.“ Schließlich trugen sechs Domstädterinnen bereits das SG-Trikot, schließlich hatte Kirchhofs Trainer Berchten einst die Fritzlarerinnen Esther Meyfarth, Sabine Kirmse, Vanessa Maier, Jessica Kleinmann und Bibiana Huck unter seinen Fittichen. Für die meisten seiner Spielerinnen seiner neuformierten Mannschaft ist das Derby hingegen noch Neuland. Also sollte sie ihr „Chef“ auf ein Spiel unter ganz besonderen Vorzeichen einstimmen.

Von Ralf Ohm

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