Handball: 16 Klubs, Playoffs und Reformen

Forderung nach Bundesliga-Reduzierung geht Roth nicht weit genug

Alles gut? Von wegen: MT-Trainer Michael Roth sieht einigen Reformbedarf im deutschen Handball. Archivfoto: Schachtschneider

Kassel. Das Thema ist alt. Nun aber hat Stefan Kretzschmar den Dauerbrenner erneut zur Diskussion gestellt:

„Meiner Meinung muss man ernsthaft darüber nachdenken, ob man die Handball-Bundesliga von derzeit 19 nicht auf 16 Teams verringert“, fordert der Ex-Nationalspieler und TV-Experte angesichts vieler Verletzungen und der enormen Belastungen für die Topspieler in der Liga, im DHB-Pokal und auf internationaler Bühne. Der 41-Jährige fordert mit „ein wenig Arroganz und Konsequenz“ zudem eine herausragende Stellung der Bundesliga, „der sich andere Wettbewerbe, selbst die Champions League, unterzuordnen hätten. Für Michael Roth ist Kretschmars Vorstoß ein Steilpass: „Ich bin schon lange für die Verkleinerung der Bundesliga, denn die physischen Belastungen sind einfach zu groß für die Spitzenspieler“, erklärte der Trainer der MT Melsungen.

Und geht noch einen Schritt weiter: „Wir sollten zudem eine Playoff-Runde einführen. Im Eishockey, im Basketball, in den USA - überall um uns herum machen sie uns vor, wie wir den Handball für die Mannschaften, für die Fans und für die Fersensender attraktiver machen können.“ Roths Argument: „Playoff-Spiele gegen Kiel, die Löwen oder Flensburg wären am Saisonende noch ein enormer Anreiz für die Mannschaften auf den Plätzen im Niemandsland. Dann ist es nicht mehr egal ob du als Siebter oder Achter abschließt.“

2. Liga aufteilen: Der Baunataler Ralf Horstmann. Archivfoto:  Fischer

Auch in der zweiten Liga, bei Ralf Horstmann, bekommt Kretschmar Zustimmung. „Es wäre ein richtiger Schritt, die erste Liga auf 16 Teams zu reduzieren“, erklärt der Coach von Eintracht Baunatal, „denn was die Jungs da körperlich leisten, das ist auf Dauer kaum zu bewältigen.“ Und auch Horstmann geht einen Schritt weiter: „Im selben Zug sollten wir die zweite Bundesliga wieder zweigleisig aufstellen - mit jeweils 16 Teams in beiden Staffeln Nord und Süd.“ Mehr Zuschauer durch mehr Derbys, weniger Ausgaben für Fahrten und Übernachtungen - „nur so wird das für viele Vereine mittelfristig zu stemmen sein“, sagt Horstmann. Derzeit spielen 39 Mannschaften in den beiden Topligen, dann wären es 48. Dass dies die sportliche Klasse der zweiten Liga verwässere, wie die Macher beim DHB stets argumentieren, sieht Horstmann nicht. „In der Spitze wird die zweite Liga dann besser besetzt sein als heute, allenfalls in der Breite ein wenig schwächer. Aber es gebe mehr Plätze für junge Leute, die aufgebaut werden können.“

In der Bundesliga dagegen wird „Kretzsche“ abseits der reichen Topklubs energisch widersprochen. „Die Verkleinerung der Liga wäre der falsche Weg“, urteilt Frank Flatten, Geschäftsführer des VfL Gummersbach. „Die Liga ist mit 18 Klubs in der Spitze und in der Breite gesund. Nein, es müssen eher die europäischen Spielpläne abgespeckt werden. Und: Die für unseren Sport so wichtigen Klubs der mittleren und hinteren Tabellenplätze müssen endlich finanziell entschädigt werden für ihre Nachteile, wenn sie wegen Europapokal-Spielen der Topteams ihre Punktspiele auf weniger attraktive Wochentage verlegen müssen.“

Weitere Reaktionen

Horst Bredemeier (GWD Minden, bis 2013 DHB-Vizepräsident Sport): „Ich halte nichts von Kretzsches Vorschlag. Die Bundesliga ist eine von wenigen Topligen in Europa, die sportlich und wirtschaftlich funktionieren - in Kiel und in allen anderen Klubs auch. Wir müssen uns vielmehr wehren gegen das weitere Aufmotzen der Vorrunden in den europäischen Wettbewerben.“

Christopher Nordmeyer (Trainer Hannover-Burgdorf): „Die Perspektive der Topklubs ist eine andere als die der meisten anderen Vereine. Gerade diese Saison beweist doch, dass in der Bundesliga fast jeder jeden schlagen kann. Also ist der Leistungsgedanke erfüllt - auch mit 19 Teams. Gedanken machen müssen wir uns über die zweite Liga, da ist die Eingleisigkeit keine glückliche Form. Profitum, wie zunächst erwartet, kann sich da doch kaum jemand leisten.“

Christian Fitzek (Geschäftsführer HSV Handball): „18 Vereine in der Bundesliga, das ist völlig okay. Wir müssen unseren Sport in viele Regionen des Landes tragen. Und: Auch die Aufsteiger brauchen eine Perspektive, den Klassenerhalt schaffen zu können. Das ist schwer genug. Nein, wir haben zu viele deutsche Klubs in der Champions League. Da gehört nur der Meister hin - der Champion eben.“ (sam

Von Gerald Schaumburg

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