Oberliga-Derby: Gensungen/Felsberg „ohne Vier“ - MT II mit Jungstar Golla?

Mehr Kampf als Taktik

Gensunger Hoffnungsträger: Abwehrchef Christoph Koch, der zudem als Kreisläufer bei den Edertalern gesetzt ist. Foto: Hahn

Gensungen/Melsungen. Es ist erst das dritte Duell dieser Art in der Handball-Oberliga und doch für Fans sowie Spieler eins der zwei wichtigsten Saisonspiele überhaupt. Eine erstaunliche Brisanz, deren Wurzeln schon viel weiter zurück liegen. In 26 „großen“ Derbys nämlich, als sich Gensungen und Melsungen in der 2. Liga und der Regionalliga gegenüber standen. Die Erinnerung daran wird wieder lebendig, wenn sich heute (20 Uhr Kreissporthalle Gensungen) im Nachbarduell die ESG Gensungen/Felsberg und die MT Melsungen II gegenüberstehen. Noch bedeutender ist allerdings die Gegenwart, denn beide Teams brauchen einen Sieg, um sich von der Abstiegszone fernzuhalten.

1.Die Bilanz: Bisher gab‘s zwei Oberliga-Derbys, die in der letzten Saison beide die Gensungen/Felsberg gewann. Zu Hause mit 28:21, als Benedikt Hütt als Spielmacher und Torschütze zur Höchstform auflief. Im Rückspiel war der Bundesliga-Nachwuchs dank seines bärenstarken Rückraums um Merlin Kothe lange auf der Siegerstraße, ehe die Edertaler die Wende zum 29:28 schafften. Matchwinner: Der Ex-Melsunger Max Pregler (12/3), der aus allen Lagen traf.

2.Die Form: Bei beiden nicht ganz einfach einzuschätzen. Denn: Gensungen ließ zuletzt einem formidablen 29:28 gegen Titelkandidat Bruchköbel eine ernüchternde Schlappe in Pohlheim folgen, Melsungen musste sich beim 24:25 gegen Kleenheim wieder mal in einem engen Spiel beugen. Und wartet immer noch auf den ersten Punkt in der Fremde.

3.Das Personal: „Ohne Vier“ (Schneider, Otto, Potthoff und Balke) und damit ohne Linkshänder im rechten Rückraum geht Gensungen ins Derby. Bis auf Marius Krug kann die MT II nach der Rückkehr von Matthias Kienast dagegen personell aus dem Vollen schöpfen. Bleibt die Frage, ob Bundesliga-Spieler Johannes Golla, tags darauf im Europapokal-Einsatz, in der „Reserve“ aushilft. Trainer Sviridenko ist (noch) skeptisch: „Ich rechne nicht mit ihm.“ Der 19-Jährige selbst hält sich bedeckt, bekundet aber durchaus seinen Gefallen an diesem spannungsgeladenen Duell mit seiner „tollen Atmosphäre“. Für seine Teilnahme spricht das grüne Licht seines „Chefs“ Michael Roth: „Wenn sich Johannes fit genug fühlt, kann er spielen.“

4.Die Taktik: In Erwartung eines Kampfspiel dürften taktische Finessen nicht die Hauptrolle spielen. „Wir müssen unsere Fehler im Angriff abstellen und Druck auf den Melsunger Rückraum ausüben“, lautet die Marschroute von ESG-Trainer Kauffeld. Wie sein Kollege hat er zwei Abwehrvarianten im petto: 5:1 und 6:0. Bei beiden spielen mit Christoph Koch (ESG) und Petr Hruby (MT) zwei Routiniers eine zentrale Rolle. Eine ideale Ergänzung bzw. willkommene Entlastung für den auch im Angriff arg geforderten ehemaligen tschechischen Nationalspieler wäre Jungstar Golla, mit dem sich Sviridenkos Optionen auch im Angriff (4:2) erhöhen würden.

5.Die Perspektive: Für Arnd Kauffeld steht das Derby auch „im Zeichen der Absicherung nach unten“. Denn: die Abstiegsränge sind lediglich drei Punkte entfernt. Obwohl nur Tabellenelfter (und damit drei Punkte hinter Gensungen) sieht Georgi Sviridenko die Lage etwas gelassener. „Wir werden uns weiter entwickeln und dann auch die knappen Spiele gewinnen“, wähnt er sein junges Team auf dem richtigen Weg. Und durchaus mit der Chance auf den ersten Auswärts- bzw. Derbysieg, „wenn wir in den entscheidenden Situationen die Ruhe behalten.“ Was in der proppenvollen Hölle Nord mit ihrer einzigartigen Derbystimmung nicht ganz einfach fallen dürfte.

Von Ralf Ohm

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