Handball: Nachbarduell vor 800 Zuschauern klare Sache - Gensunger Blitzstart und Melsunger Totalausfall

„Wir wussten, was die machen“

Verlässlicher Schütze aus der zweiten Reihe: Gensungens Franco Rossel (l.) setzt sich in dieser Szene gegen den Melsunger Johannes Golla durch und erzielt einen seiner vier Treffer. Foto: Hahn

Gensungen. Derbys werden gemeinhin aufgrund der speziellen Ausgangsposition dieser nachbarschaftlichen Duelle ein besonderes Überraschungspotential, ja eigene Gesetze unterstellt. Die ermöglichen unvorhersehbare Wendungen im Spiel, welche häufig Akteure auf den Plan rufen, mit denen zuvor niemand gerechnet hat. Das passiert, aber manchmal eben auch nicht. Wie beim 27:19 (14:9)-Erfolg der Oberliga-Handballer der ESG Gensungen/Felsberg gegen die MT Melsungen II, der sich dazu auch noch allzu früh abzeichnete.

Nach nur 21 Minuten nämlich. Franco Rossel hatte gerade das 9:1 für die Edertaler erzielt und MT-Trainer Sviridenko mit seiner zweiten Auszeit reagiert. Auf einen „Totalausfall“ (Rückraumspieler Merlin Kothe) seiner Mannschaft, die sich an der 6:0-Deckung der Gastgeber die Zähne ausbiss. An Torwart Lauterbach, der laut seinem Mannschaftskameraden Jan-Hendrik Walther „wahnsinnig gut ins Spiel fand“, an dessen Vorderleuten, die jeden Spielzug des Rivalen im Keim erstickten. „Wir wussten, was die machen“, frohlockte Rückraumspieler Rossel, während sein Trainer Arnd Kauffeld in der fokussierten Abwehrarbeit seiner taktisch hervorragend eingestellten Schützlinge „den Schlüssel zum Sieg“ sah.

Denn danach war die Moral der Bundesliga-Reserve gebrochen. „Das Spiel haben wir in der ersten Hälfte verloren“, bekannte Georgi Sviridenko. Selbst wenn es beim Gast nach der Einwechslung von Cornelius Feuring etwas besser wurde. Selbst wenn nach der Pause die Umstellung auf eine 5:1-Abwehr bei Pregler, Schmidt und Co. Wirkung zeigte, selbst wenn Maurice Paske in der zweiten Hälfte fast so viele Bälle wie der überragende Lauterbach hielt. „Wir hätten uns eigentlich daran hoch ziehen müssen, dass wir nach dieser grottenschlechten Halbzeit nur mit fünf Toren zurücklagen“, vermisste auch Kreisläufer Johannes Golla ein echtes Aufbäumen seiner Mannschaft.

Der Bundesliga-Spieler selbst wurde kaum gesucht und konnte somit dem Team auch nicht helfen. Das Kontrastprogramm lieferten Jan Pollmer und Christoph Koch ab. Der Linksaußen, der als sicherer Vollstrecker gefiel - und Anspieler für seinen Kreisläufer, der sich wiederum nicht lange bitten ließ. Eine „tolle Achse“ (Walther), die den Edertalern über die eigenen offensiven Schwächenphasen hinweg half und den Fuldatalern die, wenn auch sehr vage, Hoffnung auf eine Aufholjagd endgültig nahm.

Dass Walthers Tempogegenstoßtor in der Schlussphase zum 24:16 nach Gerholds mächtigen Block in Volleyballmanier gegen Merlin Kothe fast genauso von den ESG-Fans bejubelt wurde wie kurz darauf der Schlusspfiff, offenbarte auch atmosphärisch, dass die Partie längst entschieden war. Die diesmal wohl einzige Überraschung dieses in der Vergangenheit stets so brisanten Derbys.

Von Ralf Ohm

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