Sechs Spiele zum Rekord

Erholung nach dem Rekordlauf: RB Leipzig atmet durch

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Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl (l) freut sich nach dem Sieg mit der Mannschaft. Foto: Hendrik Schmidt

"Das haben wir uns verdient." Die Spieler von RB Leipzig meinen die kleine Pause bis zum nächsten Ligaspiel. Nach dem Debütanten-Rekord wollen sich die Intensiv-Fußballer des Aufsteigers erstmal ein bisschen erholen. Ihr Trainer staunt über die Schnell-Lerner.

Leipzig (dpa) - Trotz des Rekordlaufs von RB Leipzig kommt den unermüdlichen Jungspunden die Länderspielpause gerade recht.

"Jetzt können wir erstmal durchschnaufen, was auch ganz wichtig ist, weil wir ganz intensive Spiele in den Knochen haben", betonte der 23-jährige Willi Orban nach dem sechsten Spiel des Aufsteigers ohne Niederlage in der Fußball-Bundesliga. Den Nationalspielern in seinem Kader gab Trainer Ralph Hasenhüttl bereits am Samstag frei, der Rest lockerte sich beim Badminton, Tischtennis oder strampelte ein bisschen auf dem Spinningrad. "Die Spieler haben jetzt auch mal die Zeit, die erste sehr intensive Bundesligaphase sacken zu lassen", meinte Hasenhüttl.

Eine, in der sie zusammen Geschichte schrieben. Drei Siege, drei Unentschieden - noch nie startete eine Mannschaft in ihrem Premierenjahr im Oberhaus erfolgreicher. Nach zuvor zwei Remis nach einer Führung gelang am Freitagabend ein 2:1 gegen den FC Augsburg. Allerdings wurde es auch diesmal in der Schlussphase brenzlig, nachdem die Hausherren ihre gewaltige Leistungssteigerung nach der Pause nicht mit mehr als dem Tor von Yussuf Poulsen hatten krönen können. "Ich glaube, das fehlt uns noch: Diese Abgewichstheit, dass wir am Ende nicht noch in Schwulitäten kommen", meinte Orban.

Auch die große Fehleranhäufung im ersten Spielabschnitt - sei es im Spielaufbau oder in der Ballannahme - war dem Verteidiger nicht entgangen. "Wenn das auch noch perfekt wäre, hätten wir ja gar nichts mehr zu arbeiten", sagte er. Das Grinsen fiel dabei äußerst verhalten aus - diese Leipziger meinen es mehr als ernst.

Mit 12 Punkten mischt der von manch gegnerischem Fan immer noch mit Argwohn betrachtete Club oben mit. "Es ist wie ein Abenteuer, dass wir jedes Spiel uns reinhauen und versuchen alles zu geben", betonte Orban.

Trainer Hasenhüttl lässt seine Jungs rotieren, er lässt sie laufen, und wenn nötig nimmt er die Korrekturen vor. "Wir haben in der Halbzeit den Finger in die Wunde gelegt", erzählte Hasenhüttl nach der Partie und wurde etwas konkreter: "Wir haben den Jungs ein paar Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt, wie man den Gegner vielleicht noch mehr unter Stress setzen kann." Gesagt vom Trainer, getan von seinen Spielern. Die Leipziger Wucht, Spielklasse und Dynamik setzte sich durch.

Der große ausgeglichene Kader macht es möglich. Die Hälfte der zehn Feldspieler tauschte Hasenhüttl durch, keiner kann sich sicher sein, ob er spielt. Unmut bei den Bankdrückern? Keinesfalls! "Das macht uns gerade extrem gefährlich und stark, dass wir viele Optionen haben", sagte Dominik Kaiser, eigentlich der Kapitän, gegen Augsburg aber nicht in der Startformation. Die Spieler beschwören ihre Einheit, der bisherige Erfolg gibt ihnen recht. Dabei scheint RB nach dem rasanten Aufstieg ins Oberhaus sieben Jahre nach der Gründung auch in der ersten Liga im Zeitraffer-Tempo zu wachsen.

In jedem Spiel traf die Mannschaft. Sie geriet schon in Rückstand und holte ein Remis. Sie verspielte zweimal eine Führung und trennte sich unentschieden vom Gegner. Sie bewies mehrfach Last-Minute-Qualitäten. Sie kann kontern, wenn der Gegner das Spiel macht, aber auch selbst gestalten wie gegen Augsburg. "Ich bin immer beeindruckt, wie lernwillig die Jungs sind", meinte Hasenhüttl und dankt es seiner Mannschaft mit ein paar erholsameren Tagen, ehe es in zwei Wochen mit der Partie beim VfL Wolfsburg für die Leipziger weitergeht.

Leipzigs sechs Spiele zum Rekord:

1. Spieltag: TSG 1899 Hoffenheim - RB Leipzig 2:2

Der erste Bundesliga-Auftritt des Debütanten, und dann auch noch beim Ex-Club von Sportdirektor Ralf Rangnick. Schon jetzt wird klar, diese Mannschaft gibt nicht auf. Leipzig gleicht zweimal aus, der Treffer zum 2:2-Endstand fällt in der 90. Minute. 

2. Spieltag RB Leipzig - Borussia Dortmund 1:0

Das ist mehr als eine Überraschung. Der Vizemeister verliert beim Neuling. Und wieder fällt die Entscheidung zum Schluss: In der 89. Minute gelingt Naby Keita das Tor. RB Leipzig, gegründet im Mai 2009, bejubelt den ersten Bundesligasieg.

3. Spieltag: Hamburger SV - RB Leipzig 0:4

Jetzt ist der Dino dran. Eine gute Stunde lang passiert nicht ganz so viel. Dann legen die Leipziger los. Binnen zwölf Minuten führen sie 3:0, in der Nachspielzeit kommt Treffer Nummer vier. Nun hat RB auch erstmals ein Auswärtsspiel in der Bundesliga gewonnen.

4. Spieltag: RB Leipzig - Borussia Mönchengladbach 1:1

Leipzig gibt erstmals eine Führung ab. Nach einem frühen Tor von Timo Werner Leipzig schafft Gladbach in der 84. Minute den Ausgleich. Kein zweiter Sieg, aber weiterhin keine Niederlage für Leipzig.

5. Spieltag: 1. FC Köln - RB Leipzig 1:1

Die Sitzblockade Kölner Fans hinterlässt bei den Gästen keinen bleibenden Eindruck. Die Partie beginnt mit 15 Minuten Verspätung, fünf Minuten nach dem Anpfiff führen die Leipziger 1:0. Wieder können sie eine frühe Führung nicht verteidigen, bleiben aber erneut ungeschlagen.

6. Spieltag: RB Leipzig - FC Augsburg 2:1

Wieder keine Niederlage. Führung, Ausgleich, erneute Führung - der dritte Sieg. Und Rekord. "Gegen diese Mannschaft, die definitiv eine einstellige Platzierung erreichen wird, haben wir uns wacker geschlagen", lautet das Fazit des geschlagenen Gäste-Trainers Dirk Schuster. So klingt Respekt.

Spielbericht auf RB-Homepage

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