Handball: Rechtsaußen wurde nach sieben Jahren in Bad Wildungen verabschiedet

Mit „Jessi“ geht viel Herzblut

Mach"s gut Jessi: Miranda Robben (links) umarmt Jessica Kleinmann nach ihrer Verabschiedung. Foto: Schachtschneider

Baunatal. Abschied nehmen hieß es gestern in Baunatal. Nach der 19:31-Niederlage der HSG Bad Wildungen gegen Bayer Leverkusen verabschiedete der Bundesligist neun Spielerinnen. Die A-Jugendlichen Alisa Gross und Vanessa Maier werden die Südwaldeckerinnen ebenso verlassen wie Alexandra Kohler, Petra Diener, Andrea Willimann, Marinda van Cappelle, Jovana Jovovic und Ruta Latakaite.

Der größte Applaus der gut 500 Zuschauer in der Rundsporthalle galt allerdings Jessica Kleinmann, die nach sieben Jahren ihre Zelte in Bad Wildungen abbrechen wird. Mit „Jessica-Kleinmann“-Sprechchören feierten die Fans die kleine Flügelflitzerin – die Tränen in den Augen der 28-Jährigen verrieten, dass ihr der Abschied aus Bad Wildungen sehr schwer fällt. „Ich habe noch gar nicht realisiert, dass dies mein letztes Heimspiel war. Das kommt erst später“, sagte „Jessi“ kurz darauf.

Mit ihr verlässt die letzte Spielerin die HSG Bad Wildungen, die 2005 den langen Weg aus der Landesliga Nord in Richtung Bundesliga aufnahm. Die sympathische Kleinmann war nicht in erster Linie Profi. Sie spielte für die Vipers Handball, weil es ihr Spaß machte, weil sie sich mit dem Verein identifizierte. Und allein deshalb verkörperte sie einfach perfekt das Motto des Bundesligisten: Herzblut und Leidenschaft. „Ich bin nicht umsonst so lange hier geblieben. Das war hier wie mein zu Hause, meine Familie.“

Dass es nun zum Servus kommt, verrät viel darüber, dass sich bei den Vipers zuletzt viel geändert hat. Kleinmann vermisste bei der HSG Bad Wildungen die Herzlichkeit, die den Verein lange auszeichnete und die dem eher kühlen Profitum weichen musste. „Vielleicht war das notwendig, und es ist besser, dass ich dann auch gehe.“

Es bleibt jedoch die Frage, warum der Verein nicht mehr tat, um eine Spielerin zu binden, die nie zu den Topverdienerinnen zählte, die bei den Fans beliebt war und als Aushängeschild der Region eigentlich das Prädikat „unverzichtbar“ verdient gehabt hätte. „Man hat nicht mal versucht, einen Schritt auf mich zu zugehen“, kommentierte Kleinmann enttäuscht die gescheiterten Vertragsverhandlungen. „Es ist schon schlimm, wenn man feststellen muss, dass man eigentlich nur am Tellerrand steht. Mit welchem Maß hier gemessen wird, habe ich nicht mehr verstanden.“

Was jetzt kommt, weiß sie noch nicht. „Wenn es passt, würde ich gerne weiter spielen. Aber ich muss erstmal den Kopf freibekommen.“

Von Thorsten Spohr

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.