Handball-Bundesliga: Hoffnung stirbt zuletzt – Vipers kämpfen weiter um Klassenerhalt

Wenn das Gift ausgeht ...

Sportliche Schräglage: Am Samstag haben die Vipers - hier Tessa Cocx gegen Patricia Stefani - zwar eine Niederlage gegen den TuS Metzingen kassiert, trotzdem werden die Wildungerinnen weiterhin alles geben, um die Klasse zu halten. Foto: Eibner

Metzingen. Beim dritten Bundesligaspiel innerhalb einer Woche ging den Bad Wildungen Vipers das Gift aus: Bis zur Pause wehrten sich die Nordhessinnen bei der 22:34 (12:15)-Niederlage beim Abstiegsrivalen TuS Metzingen nach Leibeskräften, im zweiten Durchgang ging dem Minikader von Trainer Karsten Moos die Luft aus, die Giftzähne der Vipers waren förmlich ausgefallen.

„Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen, sie hat alles versucht. Wir werden die Hoffnung auf den Klassenerhalt nicht aufgeben, wenngleich uns allen klar ist, wie schwer es werden wird, dieses Ziel noch zu erreichen“, war Bad Wildungens Trainer Karsten Moos nach der klaren Niederlage vor 862 Zuschauern in der fast ausverkauften Metzinger Öschhalle zwar enttäuscht, aber nicht niedergeschlagen.

Hoffnung machte dem Übungsleiter der Vipers die erste Hälfte. Seine Schützlinge, die immerhin das dritte Spiel innerhalb einer Woche nach der 18:32-Pleite in Blomberg und der hauchdünnen 24:25-Heimniederlage gegen die Vukan-Ladies Koblenz/Weibern im Ermstal unweit der Kreisstadt Reutlingen bestritten, lieferten den Metzinger TusSies zumindest bis zur Pause einen leidenschaftlichen Kampf.

„Wir haben nach unseren finanziell bedingten Abgängen gerade noch sechs Feldspielerinnen, hinzu kommen vier A-Jugendliche. Bedenkt man unsere Situation, muss ich vor meiner Mannschaft den Hut ziehen“, lobte Moos.

Aufgrund der Abgänge während der wirtschaftlich angespannten Phase – mit der großen, mittlerweile überstandenen Gefahr einer Insolvenz – brach den Vipers der etatmäßige Rückraum weg. Würfe aus der zweiten Reihe waren daher die totale Ausnahme, TuS-Torfrau Sabine Stockhorst musste sich weder aus dem Rückraum noch von beiden Außenpositionen auf gefährliche Bad Wildunger Aktionen einstellen.

Weil sich die Tussies, die ihrem Heimpublikum eine der schwächsten Vorstellungen seit langem in den ersten 30 Minuten boten, dem Niveau ihres Gegers streckenweise stark anpassten, kam eine Partie heraus, die allen Augenzeugen verdeutlichte, warum hier zwei Rivalen aus dem unteren Tabellenbereich mit einiger Nervosität um den Klassenerhalt kämpfen. Viele technische Fehler, unnötige Ballverluste und mitunter vollkommen untaugliche Wurfversuche ließen Handballfeinschmecker nicht auf ihre Kosten kommen.

Nach dem Seitenwechsel gingen den Gästen zunehmend die Kräfte aus – kein Wunder, bedenkt man, dass die Leistungsträgerinnen der Vipers praktisch ohne Pause durchspielen mussten, während die TusSies munter durchwechseln konnten, ohne einen deutlichen Qualitätsverlust in ihrem Spiel beklagen zu müssen. Zwar gaben sich die Bad Wildungerinnen bis zum Schluss nicht auf, aber Heusdens Siebenmeter (zum 19:14 und 20:15) und Romana Grausenburgers Erfolgserlebnisse (zum 33:21 und 34:22) waren letztlich nur Ergebniskosmetik.

Von den mitgereisten Wildunger Schlachtenbummlern war zu diesem Zeitpunkt schon längst nichts mehr zu hören: Ihre mitgebrachte Zaunfahne mit der Aufschrift „Vipers Fanclub“ hatte sich schon zwei Minuten vor der Halbzeit von der Wand hinter der Torauslinie ohne Einwirkung gelöst und war zu Boden gefallen. Fast sinnbildlich für die Geschehnisse auf dem Hallenparkett. (bf)

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